Priester feiern im Trierer Dom das Abendmahl (Archivbild). | Bildquelle: dpa

Bischofskonferenz zur Kommunion Ein bisschen Öffnung - im Einzelfall

Stand: 23.02.2018 02:43 Uhr

Die katholische Kirche öffnet sich - zumindest ein bisschen: Evangelische Christen sollen Ehepartner zur Kommunion begleiten können. Ein weiteres großes Thema bei der Bischofskonferenz: kirchliche Finanzen.

Von Tilmann Kleinjung, BR

Gerade hat Papst Franziskus den Spitzen der Kirchen in Deutschland einen Brief geschrieben. Darin dankt er den Vorsitzenden des Rates der Evangelischen Kirche und der Katholischen Bischofskonferenz für das ökumenische Engagement im vergangenen Jubiläumsjahr der Reformation. Und er ermutigt Protestanten und Katholiken in Deutschland "weiter voranzuschreiten".

Bischöfe ziehen  zum Eröffnungsgottesdienst der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in den Dom ein. | Bildquelle: dpa
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Bischöfe ziehen zum Eröffnungsgottesdienst der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in den Dom ein.

Die Botschaft wurde von den in Ingolstadt versammelten Bischöfen offenbar gehört. Sie wollen einen Weg eröffnen, dass auch evangelische Christen ihre katholischen Ehepartner künftig zur Kommunion begleiten können. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz Kardinal Reinhard Marx sagt: "Wir reagieren damit auf einen echten geistlichen Notstand."

Der Ehemann könne zur Kommunion gehen, die Ehefrau nicht, so Marx. Das könne zu einer Gefährdung des Glaubens führen. "Wir haben eben viele Menschen, denen ist das nicht gleichgültig, die leiden darunter. Ich halte das für ein echtes geistliches Bedürfnis."

Kompromiss zwischen Konservativen und Reformern

Es ist keine pauschale Einladung, die die Bischöfe da aussprechen. Es geht um Einzelfälle. Nur nach reiflicher Prüfung und einem Gespräch mit dem Pfarrer sollen evangelische Christen die Kommunion empfangen. Weitere Voraussetzung: Sie müssen den "Glauben der katholischen Kirche bejahen".

Marx betont: "Es wird eben nicht gesagt: Erst dann, wenn du ganz konvertierst, kannst du zutreten. Das mag wenig sein - für einige ist es schon zu viel." Das sei immer so im Weg der Kirche, so Marx. "Da sucht man einen Weg nach vorne, wo es möglich ist, diese Elemente zusammenzuführen."

Kardinal Woelki | Bildquelle: AFP
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Kardinal Reiner Maria Woelki geht die Ökumene zu weit.

In der Bischofskonferenz gab und gibt es Widerstände selbst gegen diese vorsichtige Öffnung der Eucharistie. Eine gegenseitige Einladung zu Eucharistie und Abendmahl sei unehrlich, hatte der Kölner Erzbischof Kardinal Reiner Maria Woelki in einem Zeitungsartikel geschrieben und damit den Bischöfen eine Stimme gegeben, denen die ökumenische Harmonie im Reformationsjahr zu weit ging.

Hohe Schulden zahlreicher Bistümer

Einigkeit herrschte dagegen auf dem profaneren Feld der kirchlichen Finanzen. Dass der Gastgeber der Frühjahrstagung, der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke, mit einem Finanzskandal in seinem Bistum konfrontiert wurde, schreckte die Bischöfe auf. In Eichstätt hatte ein leitender Angestellter in der Finanzabteilung in dubiose US-Immobilienkredite investiert. Es droht ein Verlust von 50 Millionen Euro.

Hanke zufolge waren die Bischöfe "erschrocken und fassungslos - so wie ich es war, als ich immer näher an diesen Abgrund herantrat und das Ausmaß gesehen habe." Es sei eine ganz große Betroffenheit, eine Fassungslosigkeit da.

Hamburg und Freiburg in finanzieller Schieflage

Das Erzbistum Hamburg hat einen Schuldenberg von 80 Millionen Euro und muss fünf von 21 Schulen dicht machen, drei weiteren droht die Schließung. Im Erzbistum Freiburg wurden keine Sozialabgaben für geringfügig Beschäftigte bezahlt. Hier geht es um 160 Millionen Euro. So wie bisher könne man nicht weitermachen, rief der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, seinen Kollegen in Ingolstadt zu: "Da werden wir in den nächsten Monaten erhebliche Anstrengungen unternehmen, dass wir mehr Transparenz, bessere Kontrolle und auch eine klarere Solidarität unter den Bistümern herstellen können."

Konkrete Maßnahmen beschloss die Bischofskonferenz noch nicht. Allerdings kann man davon ausgehen, dass die Bischöfe, die bei der Veröffentlichung ihrer Finanzen hinterherhinken, mit einem eindeutigen Arbeitsauftrag aus Ingolstadt abreisten.

Marx macht Druck bei Transparenz

Kardinal Marx Bischofskonferenz in Ingolstadt | Bildquelle: dpa
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Kardinal Marx beklagt mangelnde Kompetenz seiner Kollegen in Kapitalfragen.

Marx betonte: "Die aktuellen Diskussionen haben mich veranlasst, noch einmal Druck zu machen." Die Öffentlichkeit erwarte zurecht, "dass wir hier schneller werden, vergleichbarer, dass die Bistümer einen gemeinsamen Weg gehen und nicht unterschiedlich."

So soll der interne Finanzausgleich zwischen reichen und armen Bistümern in Deutschland neu geregelt werden. Dafür müssen die Bischöfe allerdings auf einen Teil ihrer Finanzautonomie verzichten. Und auch das dürfte dem ein oder anderen Oberhirten schwer fallen.

Bischofskonferenz: Kommunion für Protestanten und Finanzfragen
Tilmann Kleinjung, ARD Rom
23.02.2018 09:40 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. Februar 2018 um 06:00 Uhr.

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