Siegfried Mauser | Bildquelle: dpa

BGH bestätigt Urteil Ex-Musikhochschul-Präsident muss ins Gefängnis

Stand: 09.10.2019 15:47 Uhr

Der wegen sexueller Nötigung verurteilte Ex-Präsident der Musikhochschule München muss ins Gefängnis. Der Bundesgerichtshof bestätigte das Urteil des Landgerichts gegen Mauser.

Von Gigi Deppe, ARD-Rechtsredaktion

Jetzt ist sicher: Siegfried Mauser muss ins Gefängnis. Der Ex-Präsident der Münchner Musikhochschule, ein bekannter Pianist, ist erneut wegen sexueller Nötigung verurteilt worden. Er erhält in diesem Verfahren eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten. Das erste Mal wurde er wegen sexueller Nötigung einer Kollegin, einer Cembalistin, zu neun Monaten auf Bewährung verurteilt. Das Urteil wurde 2018 rechtskräftig.

Anfangs gab es für den bekannten Künstler öffentlichen Beistand: Der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger äußerte nach Zeitungsberichten die Vermutung, hier hätten sich abgewiesene Verehrerinnen rächen wollen. Aber während das erste Gerichtsverfahren noch lief, wurden weitere Fälle bekannt. Fälle, über die jetzt der Bundesgerichtshof zu entscheiden hatte.

Sängerin drei Mal belästigt

Eine Sängerin hatte sich bei der Polizei gemeldet und berichtet, dass sie mehrfach bei Mauser zum Bewerbungsgespräch war. 2007 packte er sie nach den Feststellungen des Landgerichts, stieß sie aufs Sofa und fixierte sie mit seinem Gewicht. Sie wehrte sich heftig dagegen, sagte ihm auch, er solle aufhören, so dass er schließlich von ihr abließ. 2009, beim nächsten Vorstellungsgespräch, setzte sie sich extra mit ihrem Stuhl nah an die Tür. Als sie gehen wollte, packte er sie wieder, ließ aber nach Widerstand von ihr ab. Ein drittes Mal, 2013, verlief ähnlich.

In der Verhandlung vor dem BGH trugen seine Verteidiger wieder die These von dem Rachewunsch vor. Das Landgericht habe nicht genug erörtert, ob die Frau ihn einfach nur falsch belasten wollte. Aber der BGH sah das nicht so. Das Landgericht habe alles richtig gemacht. Die Verurteilung zu zwei Jahren und neun Monaten wurde bestätigt.

Freispruch im zweiten Fall

Im zweiten Fall, der auch noch vom Bundesgerichtshof zu überprüfen war, bekam das Landgericht ebenfalls seinen Segen. Hier war Mauser freigesprochen worden. Eine andere Frau hatte sich 2004 an einem Freitagnachmittag bei ihm im Büro als Sekretärin vorgestellt. Die Tür war wattiert, ansonsten war niemand mehr in der Nähe. Sie saß beim Bewerbungsgespräch auf dem Sofa. Am Ende des Gesprächs drückte er auch sie gewaltsam auf das Sofa und führte Analverkehr mit ihr durch. Im Gegensatz zu der anderen Frau wehrte sie sich aber nicht, ließ alles mit sich geschehen.

Das Landgericht sprach den Angeklagten hier frei. Er habe keinen Widerstand unterbinden müssen, denn es sei für ihn nicht erkennbar gewesen, dass sie dagegen war. Gegen die Frau spreche auch, dass sie später wieder mit ihm Geschlechtsverkehr gehabt hatte - diesmal freiwillig.

Anwältin: Vergewaltigungsvorwurf nicht hinfällig

Die Anwältin der Frau, Antje Brandes, fand nicht, dass deswegen der Vorwurf der Vergewaltigung hinfällig sei. Sie sagte, das gebe es ziemlich oft, dass Frauen später, um aus der Opferrolle herauszukommen, sich nochmal auf Geschlechtsverkehr einließen, diesmal als aktiv handelnde Person: "Wir reden hier von einer Dame, die sich als Assistentin des Präsidenten beworben hat, nur ausschließlich zum Gespräch hinsichtlich dieser Stelle das Präsidentenbüro betreten hat, um mit ihm darüber zu reden. Es ist völlig hanebüchen, davon auszugehen, dass diese Frau fünf Minuten mit dem Präsidenten so unbedingt gerne Analverkehr haben wollte."

Aber die zwei Richterinnen und drei Richter des Bundesgerichtshofs folgten dem Landgericht. Gerichtssprecherin Dietlind Weinland sagte, einiges habe gegen den Angeklagten gesprochen. "Auf der anderen Seite hat es auch die zugunsten des Angeklagten sprechenden Umstände in den Blick genommen, dass nur wenige Tage später auf Initiative der Nebenklägerin ein erneuter Geschlechtsverkehr stattfand und drei Jahre später nochmals." Mit diesem BGH-Urteil sind also auch diese Fälle rechtskräftig entschieden. Mauser muss seine Haftstrafe antreten.

Früherer Präsident der Musikhochschule München muss ins Gefängnis
Gigi Deppe, ARD Karlsruhe
09.10.2019 14:26 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 09. Oktober 2019 um 15:49 Uhr.

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