Der BER kurz vor der Eröffnung. | HAYOUNG JEON/EPA-EFE/Shutterstoc

BER-Eröffnung Nun soll es aufwärts gehen

Stand: 31.10.2020 04:22 Uhr

Alle Witze sind erzählt - jetzt wird's ernst: Der Berliner Flughafen BER wird heute tatsächlich eröffnet. Andreas König über ein Großprojekt, bei dem viel schief ging - und auch die Zukunft ungewiss ist.

Von Andreas König, RBB

Alles beginnt vor fast einem Vierteljahrhundert: 1996 empfehlen die Länder Berlin, Brandenburg und der Bund - also die späteren Gesellschafter der Flughafengesellschaft - den neuen Airport in Schönefeld zu bauen und die Berliner Flughäfen Tempelhof und Tegel zu schließen. Eine Entscheidung, die schon mit Planungsbeginn eine Flut von Klagen von Kommunen und Anwohnern auslöst, die erst zu Beginn des Jahres 2020 abebbt. Überwiegend streitet man sich um Lärm, Schallschutz, Flugrouten und das Nachtflugverbot.

Die Zeiten des Scheiterns beginnen dann 2003. Es kommt keine Einigung mit privaten Unternehmen zustande, die den Bau ausführen sollten. Berlin, Brandenburg und der Bund beschließen daher, die Regie selbst zu übernehmen - und damit auch die gesamten finanziellen Risiken.

Sinnbild für Missmanagement und Planungschaos

2006 dann der erste Spatenstich. Es folgen weitere Probleme bei der Planung und beim Bau, anhaltender Streit vor Gericht mit den Anwohnern. All das führt bereits zu dieser Zeit zu Kostensteigerungen und Verzögerungen. Am 8. Mai 2012 folgt dann das öffentliche Eingeständnis: Das wird nichts mehr mit der geplanten Eröffnung in knapp vier Wochen. Ein Grund: Probleme mit der Brandschutzanlage. Als neuer Starttermin wird wenig später der März 2013 genannt.

Doch was folgt, ist ein noch acht Jahre währendes Drama rund um den Bau, das ein ungeahntes Ausmaß an Missmanagement, Planungsfehlern und Verschwendung von Steuergeldern offenbart. Es folgen vier weitere Verschiebungen des Eröffnungstermins, zwei Untersuchungsausschüsse des Berliner Abgeordnetenhauses, eine Firmenpleite und Gerichtsverfahren wegen Bestechung und Bestechlichkeit gegen einen Flughafenmanager und beteiligte Firmen.

BER-Chef Engelbert Lütke Daldrup spricht mit Journalisten im Terminal 2 des Hauptstadtflughafens. | AFP

BER-Chef Lütke Daldrup muss viel erklären. Bild: AFP

"Keine Meisterleistung"

Bis 2017 der Berliner Staatssekretär Engelbert Lütke-Daldrup die Geschäftsführung übernimmt, werden drei Geschäftsführer am BER-Bauchaos gescheitert sein. Der bekannteste: Hartmut Mehdorn, Ex-Bahnchef, Ex-Air-Berlin-Chef. "Es war insgesamt keine Meisterleistung von allen Beteiligten", stellt Mehdorn in diesen Tagen gegenüber der Nachrichtenagentur dpa fest. Mit Blick auf die vielen Planungsfehler sagt er: "Wer ein Einfamilienhaus plant und es heimlich in ein Dreifamilienhaus ändert, darf sich am Ende nicht über Zeit- und Terminüberschreitungen wundern."

Eine Frau mit Bauhelm und Warnweste läuft auf dem Flughafen Berlin Brandenburg (BER) in Schönefeld an einem Feuermelder vorbei.  | picture alliance / dpa

Der BER - lange ein Sinnbild für Pleiten, Pech und Pannen. Bild: picture alliance / dpa

Das Bau- und Planungschaos führen auch zu einer Explosion der Baukosten. Die werden derzeit mit rund sechs Milliarden Euro beziffert, fast das Dreifache der ursprünglich geplanten Summe. Und nicht nur wegen des Corona-bedingten Einbruchs im Luftverkehr wird der Flughafen noch auf Jahre hinaus finanzielle Hilfen brauchen. "Der BER wird nie seine Kosten decken", befürchtet Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter im rbb. Der Flughafen werde dauerhaft ein Zuschussbetrieb bleiben.

Drehkreuz BER?

Auch ob der BER, so wie sich das die Flughafengesellschaft wünscht, in Zukunft zu einem Luftdrehkreuz wie Frankfurt am Main oder München wird, ist offen. An Langstreckenflüge vom BER glaubt Lufthansa-Chef Carsten Spohr erstmal nicht. "Wenn es sich rechnen würde, würden das viele Fluglinien sofort anbieten. Und wir natürlich auch. Verschiedene Versuche gab es ja, aber es hat leider nie funktioniert", sagt er kürzlich im "Tagesspiegel".

Optimistischer klingt hingegen Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer. Im rbb sagt der CSU-Politiker dem BER Unterstützung zu. Und er klingt fast ein wenig trotzig: "Berlin ist unsere Hauptstadt, Berlin muss ein Drehkreuz sein." Für den 6. November ist ein Luftverkehrsgipfel geplant, auf dem neben Nothilfen auch diese Fragen besprochen werden sollen.

Nun soll es aber wirklich erstmal losgehen am BER. Erste Starts und Landungen sind geplant, kein großes Fest. Eine Eröffnung ausgerechnet mitten in der Corona-Krise. Aber so wird sich wenigstens eine Befürchtung nicht erfüllen: Dass der Flughafen gleich zu Beginn an seine Kapazitätsgrenzen stößt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 31. Oktober 2020 um 05:05 Uhr.