Drei Raubkunst-Bronzen aus dem Benin in Westafrika sind im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe in einer Vitrine ausgestellt. | dpa

Absichtserklärung unterzeichnet Deutschland will Benin-Bronzen übereignen

Stand: 14.10.2021 19:50 Uhr

Sie standen einst im Palast des Königreichs Benin. Ende des 19. Jahrhunderts raubten Briten die wertvollen Bronzen und verkauften sie an deutsche Sammler und Museen. Deutschland will die Kunstschätze nun zurückgeben.

Deutschland will die Eigentumsrechte an den als Raubgut aus der Kolonialzeit geltenden Benin-Bronzen den nigerianischen Verhandlungspartnern übereignen. In einer Absichtserklärung wurden die Eckpunkte dafür von Vertretern beider Seiten in der nigerianischen Hauptstadt Abuja unterzeichnet, wie das Auswärtige Amt bestätigte. Nächster Schritt ist demnach eine Rahmenvereinbarung,

1100 Benin-Bronzen in deutschen Museen

Die kunstvollen Benin-Bronzen stehen aktuell im Zentrum heftiger Debatten um Rückgaben. Die Objekte stammen größtenteils aus den britischen Plünderungen des Jahres 1897. Es sind Kunstwerke aus dem Palast des damaligen Königreichs Benin.

Rund 1100 Bronzen sind in zahlreichen deutschen Museen zu finden, auch im Berliner Humboldt Forum sollen sie gezeigt werden. Die wichtigsten Bestände sind zu finden im Linden-Museum (Stuttgart), dem Museum am Rothenbaum (Hamburg), dem Rautenstrauch-Joest-Museum (Köln), den Völkerkundemuseen Dresden/Leipzig sowie dem Ethnologischen Museum in Berlin.

"Ein großes Feld der Zusammenarbeit"

Die Absichtserklärung sei von der deutschen Delegation und nigerianischen Vertretern bereits am Mittwoch in Abuja unterzeichnet worden, teilte der Informations- und Kulturminister des westafrikanischen Landes, Alhaji Lai Mohammed, mit. "Die deutsche Regierung und das deutsche Volk haben einen mutigen Schritt gemacht, indem sie sich bereit erklärt haben, die Artefakte freiwillig und ohne großen Zwang von Seiten Nigerias zurückzugeben", sagte der Minister.

Für das Auswärtigen Amt hatte der für Kulturpolitik zuständige Abteilungsleiter Andreas Görgen die Gespräche geleitet. "Wir wollten den Weg auch mit Blick auf eine neue Bundesregierung vorbereiten", sagte Görgen. "Wir sind uns einig, dass der zu Rückgaben führende Prozess im zweiten Quartal des nächsten Jahres mit Eigentumsübergang an den Objekten beginnen soll."

Schon im Dezember Gegenbesuch

Zudem gebe es eine Übereinstimmung mit allen nigerianischen Seiten, dass weiterhin Objekte in Deutschland gezeigt würden. "Das war auch ein nigerianischer Wunsch." Die Zusammenarbeit solle sich auch auf die Archäologie, das Engagement in der kulturellen Infrastruktur und Ausbildung von Museumsmanagerinnen und -managern beziehen.

Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, zu der auch das Ethnologische Museum Berlin gehört, sagte, es stecke "eine ziemliche Dynamik" in den Gesprächen. "Wir erwarten im Dezember noch einen Gegenbesuch, das ist eine sehr dichte Taktung und wird immer konkreter." Geplant sei eine Kooperation, die viele Aspekte umfasse. Gleichzeitig sei wegen der komplizierten Verhältnisse in Deutschland klar: "Die jeweiligen Museen und deren Träger, Länder oder Kommunen, entscheiden natürlich selbst über ihre Sammlungen."

Benin-Bronzen weiterhin in deutschen Museen

Zunächst konzentrieren sich die Bemühungen auf die fünf deutschen Museen mit größeren Beständen an Benin-Bronzen und deren Träger. "Wir wollen im Laufe des nächsten Jahres mit Eigentumsübertragungen beginnen", sagte auch Parzinger. Es gehe aber nicht nur um Rückgabe, sondern auch um Partnerschaft und Austausch.

Parzinger sieht auch Perspektiven für andere Verhandlungen: "Das könnte ein Modell werden für den Umgang mit kolonialer Raubkunst, bei dem auf der Basis einer schwierigen Vergangenheit zukunftsweisende Wege entwickelt werden."

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 14. Oktober 2021 um 18:23 Uhr.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

Avatar
Moderation 14.10.2021 • 22:02 Uhr

Schließung der Kommentarfunktion

Sehr geehrte User, die Meldung wurde bereits sehr stark diskutiert. Entscheidende neue Aspekte, die einer konstruktiven Diskussion förderlich wären, sind nicht mehr hinzugekommen. Deshalb haben wir beschlossen, die Kommentarfunktion zu schließen. Die Moderation