Zugausfälle und Verspätungen werden im Hauptbahnhof Hamburg an einer Anzeigentafel angezeigt. | dpa

Bahnchaos in Norddeutschland Sabotage ist Grund für Zugausfälle

Stand: 08.10.2022 17:45 Uhr

Die Ausfälle im Zugverkehr in Norddeutschland gehen auf Sabotage an Kabeln zurück. Verkehrsminister Wissing sprach von einer "eindeutig vorsätzlichen Tat". Die Bundespolizei nannte als Tatorte Berlin und Nordrhein-Westfalen.

Bundesverkehrsminister Volker Wissing hat Sabotage als Ursache für die großflächigen Zugausfälle im Norden Deutschlands bestätigt. An zwei Standorten in Deutschland seien Kabel vorsätzlich durchtrennt worden. Wissing sprach bei einer Pressekonferenz von einem "gezielten und mutwilligen" Vorgehen. Es handele sich um eine "eindeutig vorsätzliche Tat". Hintergründe zur Tat oder den Tätern seien noch nicht bekannt. Die Bundespolizei ermittele, so der FDP-Politiker.

Ermittler: Taten in Berlin-Hohenschönhausen und NRW

Diese sagte der Nachrichtenagentur dpa, es sei von einer "zielgerichteten Fremdeinwirkung von außen auf Kabel der Deutschen Bahn auszugehen" und teilte mit: "Wir haben einen Tatort in Berlin-Hohenschönhausen. Ein weiterer befindet sich in Nordrhein-Westfalen." Die Ermittlungen würden mit Hochdruck in alle Richtungen geführt.

Aus Sicherheitskreisen hieß es, es seien am Karower Kreuz in Berlin und in Herne in NRW vorsätzlich Lichtwellenleiterkabel beschädigt worden. Auch das Backup-System sei damit ausgefallen.

Zuvor hatte bereits die Deutsche Bahn Sabotage als Grund für die Ausfälle genannt. "Aufgrund von Sabotage an Kabeln, die für den Zugverkehr unverzichtbar sind, musste die Deutsche Bahn den Zugverkehr im Norden heute Vormittag für knapp drei Stunden einstellen", sagte eine Sprecherin. Die Sabotage an den Kabeln hätte eine Störung des Zugfunks ausgelöst.

Am Vormittag hatte die Bahn erklärt, die Probleme in Norddeutschland seien auf eine Störung des digitalen Zugfunks GSM-R (Global System for Mobile Communications - Rail) zurückzuführen gewesen. Eine Sprecherin des Unternehmens hatte dazu gesagt: "Er dient der Kommunikation zwischen den Leitstellen, die den Zugverkehr steuern, und den Zügen und ist damit unverzichtbarer Bestandteil für den reibungslosen Zugverkehr."

Investitionen in Sicherheit gefordert

Grünen-Chef Omid Nouripour forderte Verbesserungen beim Schutz der kritischen Infrastruktur: "Der Vorfall zeigt deutlich, dass wir drei Dinge tun müssen." Erstens müsse erheblich in den Schutz kritischer Infrastruktur investiert werden. Er verwies auf die Vereinbarung im Koalitionsvertrag für ein "Dachgesetz", das den Schutz dieser Strukturen regeln soll. "Nancy Faeser und ihr Innenministerium müssen hier schnellstens einen Gesetzentwurf vorlegen", verlangte Nouripour von der SPD-Politikerin.

"Zweitens müssen wir den Zivil- und Katastrophenschutz besser ausstatten, um gut auf Gefahren vorbereitet zu sein. Drittens müssen Polizei und Nachrichtendienste verstärkt den Schutz besonders gefährdeter Anlagen in den Blick nehmen", so Nouripour.

Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Detlef Müller forderte die zuständigen Stellen zum Handeln auf. "Die Bahn, der Verkehrsminister und die Sicherheitsbehörden müssen rasch ein Konzept vorlegen, wie wir solche Technik besser sichern können", sagte der Verkehrspolitiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Bei Neubau und der Sanierung von Strecken muss sie zugriffssicher verlegt werden."

Ticketpreis wird erstattet

Auch nach Wiederaufnahme des Bahnverkehrs kam es weiter zu Unregelmäßigkeiten und Unterbrechungen. Unzählige Reisende waren zuvor an den Bahnhöfen gestrandet. Betroffen waren Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein, wie die Bahn bei Twitter schrieb. Reisende können sich über www.bahn.de/reiseauskunft, über die App "DB Navigator" oder telefonisch unter 030/2970 informieren.

Die Bahn kündigte an, die Zugbindung bereits gekaufter Fernverkehrstickets aufzuheben. Wer eine Reise für heute gebucht habe, könne diese "bis einschließlich sieben Tage nach Störungsende flexibel nutzen. Sitzplatzreservierungen können kostenfrei storniert werden", teilte das Unternehmen mit. Wer nicht mehr reisen möchte, kann sich den Ticketpreis erstatten lassen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 08. Oktober 2022 um 13:00 Uhr.