Anti-Terror-Poller in Hamburg | Bildquelle: dpa

Städtebund fordert Normen Welche Anti-Terror-Barrieren wirken?

Stand: 15.02.2019 01:29 Uhr

Anti-Terror-Barrieren gehören in vielen Innenstädten in Deutschland mittlerweile zum Stadtbild. Doch welche Systeme garantieren größtmögliche Sicherheit? Der Städtebund fordert eine einheitliche Norm.

Von Karin Bensch, WDR

Der Kölner Dom - ein Besuchermagnet. Um die Menschen dort vor Terror-Anschlägen mit Fahrzeugen zu schützen, hat die Stadt rund um die Kathedrale 90, teilweise im Boden versenkbare, Stahlpoller einbauen lassen. Kostenfaktor: 250.000 Euro. Solche und ähnliche Sperren gibt es mittlerweile in vielen deutschen Innenstädten.

Doch das Problem ist: Bislang gibt es keine bundesweit einheitliche Richtlinie oder Norm für diese Anti-Terror-Barrieren, die den Städten Rechtssicherheit geben und ihnen bei der Anschaffung solcher Sperren helfen, kritisiert Miriam Marnich vom Deutschen Städte- und Gemeindebund: "Das heißt: Sie müssen sich auf die Erfahrungen in Zusammenarbeit mit der Polizei, aber auch Sicherheitsdiensten vor Ort verlassen, und sich dort über mobile und statische Sperren informieren."

Keine einheitliche Prüfung

In der Praxis sieht das so aus: Damit ein Unternehmen eine Zulassung für eine Anti-Terror-Barriere bekommt, reicht der Nachweis über einen bestandenen Crashtest bei einem zugelassenen Prüfungsinstitut. Das muss keine staatliche Behörde sein, es kann auch ein Privatunternehmen sein. Grundlage für die Tests sind internationale Richtlinien, zum Beispiel aus den Vereinigten Staaten und Großbritannien, die angepasst wurden, sagt Dennis Kings. Er ist Geschäftsführer des Unternehmens, das die Stahlpoller rund um den Kölner Dom und den Berliner Reichstag hergestellt hat: "Ja, es gibt verschiedene Sachen. Es gibt auch verschiedene Zertifikate von verschiedenen Stellen."

Anti-Terror-Poller vor dem Nürnberger Christkindlesmarkt | Bildquelle: dpa
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Bei Anti-Terror-Barrieren gibt es eine Vielzahl von Systemen mit unterschiedlichem Wirkungsgraden.

Viele Faktoren zu berücksichtigen

Ein Poller mit dem Zertifikat "K4" muss zum Beispiel einen Lastwagen stoppen, der 7,5 Tonnen wiegt und mit einer Geschwindigkeit von 30 km/h aufprallt. Das Zertifikat mit der höchsten Anforderung nennt sich "K12". Dieser Poller muss einen 7,5-Tonner aufhalten können, der mit 80 km/h dagegen fährt.

Teile des Lastwagens dürfen nicht weiter als zehn Meter fliegen, das wird in den Crashtests geprüft, sagt Kings. "Wenn solche Kräfte wirken und ein LKW mit der entsprechenden Geschwindigkeit mit 80 km/h angefahren kommen, liegt es in der Natur der Sache, dass er nicht sofort am Poller stehen bleiben kann. Teile fliegen noch ein Stück, und das muss man natürlich berücksichtigen."

Perfekten Schutz gibt es nicht

Berücksichtigen muss man auch, dass selbst der sicherste dieser versenkbaren Stahlpoller nur einen 7,5-Tonner aufhalten kann. Gegen die 40-Tonner der Terroranschläge von Berlin und Nizza haben sie keine Chance. Und auch auf die Geschwindigkeit kommt es an. Wenn ein Lastwagen, der für einen Terroranschlag benutzt wird, in der Innenstadt einen langen, freien Weg hat, kann er viel stärker beschleunigen und schneller fahren, als wenn er durch enge Gassen historischer Innenstädte kurven muss.

Die Crashtests allein reichen nicht aus, um zu klären, ob bestimmte Anti-Terror-Barrieren vor Ort tatsächlich geeignet sind oder nicht, meint Marnich vom Städte- und Gemeindebund. Sie fordert: Bund und Länder müssten die Kommunen viel stärker beim Schutz öffentlicher Plätze unterstützen, "indem sie bundesweit ein nachvollziehbares und verbindliches Konzept und auch Kriterien entwickeln, gemeinsam mit den Kommunen."

Der Städte- und Gemeindebund ist der Ansicht: Auf einer solchen Grundlage hätten es Kommunen leichter, sich für die Anti-Terror-Barrieren zu entscheiden, die bei ihnen vor Ort Sinn ergeben.

Anti-Terror-Barrieren: Forderung nach bundesweiten Standards
Karin Bensch, ARD Köln
14.02.2019 18:05 Uhr

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Über dieses Thema berichtete WDR 5 im Morgenecho am 15. Februar 2019 um 09:16 Uhr.

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