Ein gesprengter Geldautomat ist auf einer Pressekonferenz beim Landeskriminalamt (LKA) zur Vorstellung des Lagebilds der Organisierten Kriminalität hinter einem Flatterband mit der Aufschrift "Polizeiabsperrung" ausgestellt. | dpa

Rund 450 Fälle in diesem Jahr Höchststand bei gesprengten Geldautomaten

Stand: 03.12.2022 09:06 Uhr

Bundesweit wurden in diesem Jahr rund 450 Geldautomaten gesprengt - ein neuer Höchstwert. Einem Bericht zufolge wurde dabei häufiger Sprengstoff verwendet, wodurch auch Anwohner akut gefährdet seien.

In diesem Jahr sind einem Bericht zufolge rund 450 Geldautomaten in Deutschland gesprengt worden. Damit wurde bei dieser Straftat ein Höchststand erreicht, wie die "Welt am Sonntag" berichtete. Die Zeitung berief sich dabei auf Teilnehmer der Innenministerkonferenz (IMK), die bis Freitag in München stattfand.

In den Jahren zuvor wurden demnach weniger Sprengungen von Geldautomaten dokumentiert: 414 in 2020 und 381 in 2021. Dem Bericht zufolge sprach Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius von bundesweit 500 "vollendeten und versuchten Delikten" in 2022.

BDK: Anwohner sind akut gefährdet

Statt Gasgemischen würden Kriminelle häufiger Sprengstoff verwenden, hieß es laut der Zeitung bei der IMK. Das sei eine neue und beunruhigende Entwicklung. Menschen in der Tatortumgebung seien akut gefährdet, sagte der Landesvorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK) in Nordrhein-Westfalen, Oliver Huth. "Es wurden schon Fußgänger verletzt, Metallteile schlugen in Kinderzimmern ein, und Häuser waren nicht mehr bewohnbar", sagte Huth.

Laut Bundesinnenministerium wird die aktuelle Entwicklung in Deutschland durch einen Verdrängungseffekt aus den Niederlanden forciert. Dort seien bereits umfangreiche Präventionsmaßnahmen gegen solche Sprengungen umgesetzt worden. Nahezu zwei Drittel der vom BKA in den Jahren 2020 und 2021 registrierten Verdächtigen stammen aus den Niederlanden.

Zusammenarbeit mit europäischen Nachbarn

Bei ihrer Tagung verzichteten die Innenminister jedoch auf verbindliche Vorgaben zum Schutz des Geldes für die Banken. Zunächst setze man weiter auf freiwillige Aktionen. Laut Bayerns Innenminister Joachim Herrmann - derzeit Vorsitzender der Innenministerkonferenz - ist für eine Trendumkehr eine möglichst enge Zusammenarbeit der Ermittler, bundesweit und auch mit unseren europäischen Nachbarn wichtig.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. Dezember 2022 um 09:00 Uhr.