Ein gesprengter Geldautomat ist auf einer Pressekonferenz beim Landeskriminalamt (LKA) zur Vorstellung des Lagebilds der Organisierten Kriminalität hinter einem Flatterband mit der Aufschrift "Polizeiabsperrung" ausgestellt. | dpa

Forderung der Innenminister Geldautomaten sollen besser geschützt werden

Stand: 27.11.2022 09:31 Uhr

Sprengungen von Geldautomaten haben massiv zugenommen - allein im vergangenen Jahr wurden 800 Geräte zerstört. Jetzt möchte die Innenministerkonferenz Banken verpflichten, ihre Automaten besser zu schützen.

Die Betreiber von Geldautomaten sollen nach dem Willen der Innenministerkonferenz (IMK) künftig dazu verpflichtet werden, ihre Geldbestände vor Sprengungen zu schützen. So soll nach Angaben von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann auch der Druck auf die international agierenden Tätergruppen erhöht werden.

Der CSU-Politiker ist derzeit Vorsitzender der Innenministerkonferenz. "Die Zahl der Geldautomatensprengungen ist dieses Jahr sprunghaft angestiegen", betonte Herrmann mit Blick auf die in der kommenden Woche in München anstehende IMK-Herbstkonferenz.

Neuer Höchststand

Deutschlandweit wurden laut Bundesinnenministerium in den Jahren 2020 und 2021 jeweils rund 800 Geldautomaten gesprengt. Dies seien die höchsten Fallzahlen, die seit dem Beginn der statistischen Erfassung durch das Bundeskriminalamt (BKA) im Jahr 2005 registriert wurden.

Die für das erste Halbjahr 2022 vorliegenden vorläufigen Fallzahlen ließen einen neuen Jahreshöchststand erwarten. "Diese Entwicklung müssen wir sehr ernst nehmen. Die hochprofessionellen Täterbanden verursachen nicht nur hohe wirtschaftliche Schäden", betonte Herrmann.

Gefährdung von Anwohnern

Besonders problematisch sei auch, dass mit den Sprengungen eine rücksichtslose Gefährdung von unbeteiligten Dritten, Anwohnern und Einsatzkräften einhergehe.

Laut Bundesinnenministerium wird die aktuelle Entwicklung in Deutschland durch einen Verdrängungseffekt aus den Niederlanden forciert. Dort seien bereits umfangreiche Präventionsmaßnahmen gegen solche Sprengungen umgesetzt worden. Nahezu zwei Drittel der vom BKA in den Jahren 2020 und 2021 registrierten Verdächtigen stammen aus den Niederlanden.

Geldscheine bei Sprengung unbrauchbar machen

Für eine Trendumkehr auch hierzulande sei eine möglichst enge Zusammenarbeit der Ermittler, bundesweit und auch mit unseren europäischen Nachbarn wichtig, so Herrmann.

"Daneben wird es vor allem auch um eine verstärkte Prävention gehen. Beispielsweise müssen die Aufstellorte und auch die Automaten selbst besser gesichert werden", betonte der CSU-Politiker. Die Banken und Automatenhersteller seien in der Verantwortung, es den Kriminellen möglichst schwer zu machen, unter anderem mit technischen Einrichtungen, die Geldscheine unbrauchbar machen, wenn die Geräte zerstört werden. Dann lohne sich eine Sprengung nicht mehr.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. November 2022 um 06:00 Uhr und 07:00 Uhr in den Nachrichten.