In einem Gymnasium bereiten sich die Abiturienten in der Aula auf den Beginn der schriftlichen Englisch-Prüfung vor.  | Bildquelle: dpa

Abiturprüfungen Immer mehr Schüler fallen durch

Stand: 26.03.2019 11:17 Uhr

In den nächsten Wochen stehen in Deutschland wieder die Abiprüfungen an. Einerseits werden die Noten immer besser - andererseits fallen immer mehr Schüler durch. Zuletzt etwa einer von 26 Prüflingen.

In Deutschland fallen immer mehr Schüler durchs Abitur. In den vergangenen neun Jahren ist die Quote der nicht bestandenen Prüfungen nahezu stetig gestiegen. Das zeigt eine Auswertung der Nachrichtenagentur dpa. Zuletzt scheiterte etwa einer von 26 Prüflingen.

Während im Abijahrgang 2009 laut Statistik der Kultusministerkonferenz noch rund zwei Prozent der Schüler durchfielen, waren es 2017 schon fast vier Prozent. Für 2018 liegen noch nicht aus allen Bundesländern Zahlen vor, die Tendenz bestätigt sich jedoch: In vielen Ländern stieg die Durchfaller-Quote erneut. Besonders hoch ist sie in Mecklenburg-Vorpommern, wo 2017 etwa jeder 14. Abitur-Prüfling scheiterte.

Zugleich aber wird bundesweit auch häufiger die Note 1,0 vergeben. Und fast jeder vierte Abiturient hatte 2017 zumindest eine 1 vor dem Komma.

Bildungserfolg abhängig vom Elternhaus

Das verdeutliche die Abhängigkeit des Bildungserfolgs vom Elternhaus der Kinder, sagt der Vorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann. Bei der einen Gruppe könnten die Eltern die notwendige Förderung und Unterstützung privat organisieren, die anderen fielen "durchs Rost". Die Schere öffne sich immer weiter, so Beckmann.

Die Vorsitzende des Philologenverbands, Susanne Lin-Klitzing, sieht eher Fehler in der Konzeption des Abiturs. Im Abitur zeige sich das Ergebnis aus kontinuierlichem Lernen und kontinuierlicher Leistung, sagt sie. Schülern werde diese Kontinuität aber nicht abgefordert, manche würden bereits ab der Unter- und Mittelstufe nur versetzt, weil sie schlechte Leistungen in einem Fach durch gute in einem anderen Fach ausbügeln könnten.

Mehr zum Thema

Abiturienten leistungsgerechter benoten

"Nur am Schluss, im Abitur, müssen Mathe, Deutsch und eine Fremdsprache verbindlich bestanden werden, da hilft kein Ausgleich mehr", sagt die Erziehungswissenschaftlerin, deren Verband die Gymnasiallehrer vertritt. Das Sitzenbleiben während der Qualifikation fürs Abi einzuführen, hält sie dagegen nicht für sinnvoll.

Lin-Klitzing plädierte auch dafür, Abiturienten leistungsgerechter zu bewerten. "Was ich will, ist, dass gute Leistung gut bewertet wird, sehr gute Leistung sehr gut, aber nicht-ausreichende Leistung eben auch nicht-ausreichend." Zur Zeit brauche ein Schüler nicht einmal die Hälfte der Maximalpunktzahl, um eine Prüfung zu bestehen. Das bereite die jungen Leute schlecht auf Arbeitsleben und Studium vor.

Insgesamt sind die Abinoten in den vergangenen Jahren zwar etwas besser geworden, doch nicht stark. Den besten Notendurchschnitt gab es im Jahr 2017 in Thüringen mit 2,18, den schlechtesten in Niedersachsen mit 2,57.

Über dieses Thema berichteten Deutschlandfunk am 23. März 2019 um 14:05 Uhr in der Sendung "Campus & Karriere" und Deutschlandfunk Nova am 26. März 2019 um 16:30 Uhr in den "Wissensnachrichten".

Darstellung: