Fragen und Antworten

Untersuchungen zum Coronavirus in der Charite Berlin | Bildquelle: dpa

Coronavirus Ist die Angst berechtigt?

Stand: 03.02.2020 12:56 Uhr

Die Zahl der Infizierten und Toten durch das Coronavirus steigt. Gleichzeitig gilt nach wie vor: Andere Erkrankungen wie etwa Grippe erfassen deutlich mehr Menschen. Ist die Angst vor dem Coronavirus berechtigt?

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Coronavirus - gefährlich wie Grippe?

Täglich steigende Zahlen von Erkrankten und Toten erwecken den Eindruck: Das Coronavirus breitet sich extrem schnell aus und ist sehr gefährlich. Experten betonen jedoch: Im Vergleich zu anderen Krankheiten ist das Virus relativ harmlos. Als naheliegender Vergleich wird die Grippe herangezogen. Drei bis fünf Millionen Menschen leiden jährlich unter einer saisonalen Grippe. Die Zahl der Toten schwankt laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) zwischen 290.000 und 650.000 Fällen im Jahr.

Da die Grippe uns bekannt erscheint, werde um sie "weniger Gewese" gemacht, betont Bernd Salzberger, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie. "Die meisten Menschen kriegen eine Grippe und wissen, dass sie nach 14 Tagen vorbei ist. Sie denken nicht daran, dass man an Grippe sterben kann."

Malaria, Tuberkulose, Masern

Nicht nur der Vergleich mit Hundertausenden Grippetoten hilft, die Gefährlichkeit des Coronavirus einzuordnen. Auch andere Erkrankungen haben drastischere Auswirkungen. 2018 starben weltweit 1,5 Millionen Menschen an Tuberkulose, 405.000 an Malaria, 140.000 an Masern - so Angaben der WHO.

Noch größer sind die Zahlen der Erkrankten - mit 228 Millionen Malaria-Fällen und zehn Millionen, bei denen Tuberkulose festgestellt wurde.

Im ARD-Politmagazin Monitor warnte daher Eljadj As Sy von der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften vor einem Kreislauf der Panik und des Vergessens. Es gebe eine Gebermüdigkeit, weiter in die Bekämpfung solcher seit Langem bekannten Erkrankungen zu investieren. Kurzfristig erreichen Erkrankungen wie der Coronavirus Aufmerksamkeit, dann seien sie aber zu schnell aus dem Blick der Öffentlichkeit verschwunden.

Kann das Coronavirus gestoppt werden?

Ziel von Experten ist, dass das Coronavirus wieder völlig verschwindet. Das ist auch aus Sicht des Robert-Koch-Instituts entscheidend. Ansonsten gebe es dauerhaft ein weiteres Virus, das schwere Atemwegserkrankungen verursachen könne, sagt eine Sprecherin.

Sind Absperrungen sinnvoll, um eine Ausbreitung zu verhindern?

China riegelt Millionenstädte ab, andere Staaten schließen Grenzen. Das löst Angst aus. Zusammen mit einem geringen Wissen über die Krankheit und der Tatsache, dass schon Menschen an dem Virus gestorben seien, entstehe Angst, so Michael Siegrist, Experte für Risikowahrnehmung an der ETH Zürich.

Infolge des Coronavirus-Ausbruchs ist ein Tunnel in Wuhan abgesperrt. | Bildquelle: REUTERS
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Infolge des Coronavirus-Ausbruchs ist ein Tunnel in Wuhan abgesperrt.

Auch die Gesundheitspsychologin Sonia Lippke von der Jacobs University Bremen hält diesen Faktor für wichtig. Sie vermutet, dass Chinas Behörden verhindern wollen, dass die Bevölkerung ihr Vertrauen verliert und dass andere Länder die Regierung in Peking für inkompetent halten. So komme es zu Maßnahmen, die in Deutschland unüblich wären.

Die WHO gibt zu bedenken, dass Grenzschließungen nicht wirkungsvoll seien. WHO-Sprecher Christian Lindmeier sagte auf NDR Info, wenn Menschen offiziell nicht reisen dürften, suchten sie sich eben inoffizielle Wege. An regulären Grenzübergangsstellen könnten Ärzte Einreisende kontrollieren und - falls nötig - isolieren und behandeln. Das sei sonst nicht möglich.

Welche Mythen gibt es noch?

Angst führt auch dazu, dass andere Mythen entstehen. Die WHO versucht, aufzuklären:

Nein, ein Kontakt mit Haustieren ist in der Regel nicht dramatisch, betont die Weltgesundheitsorganisation. Aber: Händewaschen lohnt auch hier - weniger, um eine Ansteckung mit dem Coronavirus zu vermeiden, sondern eher, um herkömmliche Bakterien, beispielsweise Salmonellen, zu bekämpfen.

Frau mit Hund | Bildquelle: REUTERS
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Können Tiere ansteckend sein?

Antibiotika sind nicht geeignet, um den Coronavirus und seine Symptome zu bekämpfen. Denn der neue Coronavirus 2019-nCOV ist - wie der Name schon sagt - ein Virus. Antibiotika sind zur Behandlung von Bakterien geeignet und werden im Zusammenhang mit dem Coronavirus nur eingesetzt, falls gleichzeitig eine Bakterieninfektion vorliegt.

Im Netz verbreiten sich schon seit Tagen Falschmeldungen. Eine Reihe davon hat der Faktenfinder bereits überprüft.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. Februar 2020 um 12:00 Uhr.

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