Ein Mann erfrischt sich an einem heißen Sommertag in Messina auf Sizilien. | AFP

Möglicher Hitzerekord Sizilien meldet 48,8 Grad Celsius

Stand: 12.08.2021 07:11 Uhr

Noch immer haben die hohen Temperaturen den Mittelmeerraum fest im Griff. Auf Sizilien wurden nun Temperaturen von 48,8 Grad Celsius gemessen. Sollte das offiziell bestätigt werden, wäre das ein neuer europaweiter Rekordwert.

Begünstigt durch hohe Temperaturen fressen sich die Waldbrände im Mittelmeerraum seit Wochen unkontrolliert durch die Landschaften. Die Hitze könnte auf Sizilien nun sogar einen historischen Höchstwert erreicht haben. Nach Angaben der regionalen Behörden kletterte das Thermometer in der Nähe von Syrakus auf 48,8 Grad.

Noch ist dieser Wert nicht offiziell und muss noch vom italienischen Wetterdienst überprüft werden. Sollten sich die Messung allerdings bestätigen, wäre das ein neuer Hitzerekord - nicht nur für Italien, sondern für ganz Europa. Der bisherige italienische Hitzerekord von 48,5 Grad wurde 1999 ebenfalls auf Sizilien gemessen. Der bisherige europäische Rekord von 48 Grad wurde 1977 in Griechenland aufgestellt.

Die Zahl von 48,5 Grad auf Sizilien stammt von einem kleinen meteorologischen Dienst (Servizio Informativo Agrometeorologico Siciliano). Er weist selber darauf hin, dass die Daten seiner Messstationen automatisch ausgespielt werden und keiner Verifizierung unterliegen. Die größeren Wetterdienstanbieter in der Region bestätigten den angeblichen Allzeit-Topwert nicht. Nach deren Angaben wurde mit knapp 45 Grad in der Nähe von Catania auf Sizilien dennoch ein neuer Temperaturrekord für diesen Sommer erreicht.

Hoch "Lucifer" könnte Lage weiter verschärfen

Das Hoch "Lucifer", das die Hitzewelle verursacht, soll in den kommenden Tagen nordwärts ziehen und am Wochenende der Toskana und der Region Latium im Zentrum Italiens Temperaturen um die 40 Grad bringen. Für die Feuerwehr in Kalabrien und auf Sizilien sind die hohen Temperaturen angesichts weiter wütender Waldbrände äußerst schlechte Nachrichten.

In Griechenland spielte das Wetter am Abend ebenfalls verrückt: Während Feuerwehrleute auf der Halbinsel Peloponnes und der Insel Euböa bei über 30 Grad Hitze weiterhin gegen die Flammen kämpften, gingen im Nordosten Griechenlands Hagelschauer und Regen nieder. In Athen wurden in der Nacht Regenfälle erwartet.

Rettungskräfte aus mehr als 20 Staaten im Einsatz

Ganz Griechenland hofft, dass die Regenwolken auch den brandgepeinigten Norden der zweitgrößten Insel Euböa sowie den Westen der Halbinsel Peloponnes abdecken und dort die Feuer etwas eindämmen. Darauf verlassen wollte sich aber zunächst niemand. Auf Euböa kämpften noch in der Nacht fast 900 Feuerwehrleute mit 232 Löschzügen und anderen Fahrzeugen gegen die Flammen. Im Westen der Halbinsel Peloponnes waren laut griechischer Feuerwehr am Mittwochabend 578 Feuerwehrleute und 181 Fahrzeuge im Einsatz.

An diesen beiden größten Feuerfronten in Griechenland sind mittlerweile Rettungskräfte aus mehr als 20 Staaten im Einsatz, darunter auch Feuerwehrleute und das Technische Hilfswerk aus Deutschland. Zahlreiche Staaten haben Löschflugzeuge und -hubschrauber geschickt. So ist unter anderem seit Mittwoch eine Löschvariante des riesigen russischen Transportflugzeugs Iljuschin im Einsatz. Der Flieger kann bei einem einzelnen Einsatz rund 42 Tonnen Wasser über den Brandherden ablassen.

Türkei kämpft gegen Feuer und Überschwemmungen

Auch Tunesien und Algerien leiden unter der Hitzewelle. Im Norden Algeriens kämpften Feuerwehr und Armee am Mittwoch gegen unzählige Waldbrände, zumeist in der Kabylei, einer stark bewaldeten Bergregion östlich der Hauptstadt Algier. Allein an einem Tag seien 50 neue Brände ausgebrochen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur APS, die Zahl der Todesopfer stieg demnach auf 69. Unter den Toten waren mindestens 28 Soldaten, die zur Unterstützung der Feuerwehr vor Ort waren.

Die Türkei kämpft derzeit sogar gegen zwei Wetterextreme. So versuchten Feuerwehrleute in der südwestlichen Provinz Mugla Waldbrände zu löschen, die dort seit dem 28. Juli loderten. Acht Menschen und zahllose Tiere kamen um, Tausende flohen vor den zeitweise mehr als 200 Feuern. Im Norden des Landes gab es nach heftigem Regen dagegen Blitzfluten und Erdrutsche. In den Provinzen Bartin, Kastamonu, Sinop und Samsun am Schwarzen Meer rissen die Fluten Autos mit sich, Hubschrauber mussten Menschen von den Dächern ihrer Häuser retten. Zwei Menschen wurden vermisst, Dutzende verletzt.

Mit Informationen von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 11. August 2021 um 22:15 Uhr.

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KOMMENTARE

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spax-plywood 12.08.2021 • 15:09 Uhr

@Tarek94

Ein Temperaturanstieg von ca. 0,2 K. Aber gut daß Sie auf den möglichen Effekt verweisen.