Carolina Schmid, Präsidentin der COP25, auf einem Plenartreffen | Bildquelle: REUTERS

Klimakonferenz in Madrid "Verhandlungsstand ist eine Katastrophe"

Stand: 14.12.2019 16:37 Uhr

Trotz Verlängerung sieht es nicht danach aus, als würden sich die Staaten bei der Klimakonferenz heute noch auf eine Abschlusserklärung einigen. Während die EU mehr Engagement fordert, bremsen die USA - Klimaschützer sind entsetzt.

Auf der Weltklimakonferenz in Madrid haben sich die Fronten bei den Abschlussverhandlungen verhärtet. Die EU, Deutschland und weitere Länder seien mit dem vorliegenden Entwurf eines Abschlusstextes nicht einverstanden, hieß es aus Delegationskreisen. Den Text hatte Chile vorgelegt, das den Vorsitz der Konferenz innehat. In dem Text fehle ein klarer Aufruf zu höheren Zusagen beim Klimaschutz im nächsten Jahr, so wie es der internationale Fahrplan vorschreibt.

Große Verschmutzerstaaten wie die USA und Australien verwässerten laut Beobachtern die Texte, die im Konsens verabschiedet werden sollen. Zu den Bremsern gehörten auch Brasilien und Indien, hieß es.

Klimakonferenz: Delegierte ringen um Abschlusserklärung
tagesschau24 11:00 Uhr, 14.12.2019, Stefan Schaaf, ARD Madrid

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"Äußerst schwacher Beschlusstext"

Vertreter der Zivilgesellschaft äußerten sich entsetzt über die Gespräche: "Der jetzige Verhandlungsstand ist eine Katastrophe und kann so sicher nicht endgültig sein", warnte Sabine Minninger von "Brot für die Welt". Die Delegationsleiterin des WWF International, Vanessa Perez-Cirera, erklärte: "Wir sind schockiert über den äußerst schwachen Beschlusstext." Hinweise auf die absolute Notwendigkeit, die Klimaschutzbeiträge im Jahr 2020 zu verstärken, seien praktisch eliminiert worden. Im Angesicht der aufziehenden Klimakrise sei dies inakzeptabel.

Besonders mit den USA gingen die NGOs hart ins Gericht: "Es ist unglaublich und unverschämt. Sie kommen hierher, versuchen dann, das komplette Pariser Abkommen zu zerstören und fragen hier dann auch noch nach Krediten für ihre Unternehmen, ihre Fluggesellschaften, sodass sie weiter emittieren können", so Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan. "Sie sollten ignoriert werden von anderen Ländern und nach Hause gehen."

Chile verspricht neuen Entwurf

Chile reagierte auf die Kritik und kündigte an, einen neuen und ehrgeizigeren Textentwurf vorzulegen. Gleichzeitig rief Andrés Landerretche, Koordinator der chilenischen Regierung für die Konferenz, alle Staaten zum Dialog auf: "Es ist unmöglich, einen Konsens mit allen zu finden. Kompromisse müssen her. Wir gehen davon aus, dass die Delegationen am Ende mitziehen werden". Er zeigte sich optimistisch, dass der UN-Gipfel spätestens in der Nacht zum Sonntag zu Ende geht.

Die Verhandlungen sind deshalb so brisant, weil laut dem Pariser Klimaschutz-Abkommen von 2015 die Staaten im kommenden Jahr ihre Strategien anpassen müssen, um die Erderwärmung bis 2100 noch auf zwei Grad zu begrenzen.

Zwei Delegierte arbeiten am Computer. | Bildquelle: AFP
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Die Delegierten stellen sich auf eine lange Verhandlungsnacht ein.

Knackpunkt Emissionshandel

Auch die Verhandlungen über den Emissionshandel laufen laut der Zivilgesellschaft in die falsche Richtung. Ein neuer von der chilenischen Präsidentschaft vorgelegter Text zu der Ausgestaltung des Emissionshandels sei "katastrophal und stellt ein wesentliches Risiko für die Umweltintegrität des Pariser Abkommens dar", sagte Linus Herzig von der Klimaschutzorganisation Germanwatch. Die gefährlichen Doppelzählungen könnten für mehrere Jahre möglich sein und es könnten eine große Menge alter Kyoto-Zertifikate in das Pariser Abkommen übernommen werden. Das sei völlig abzulehnen, sagte der Experte.

Die Verhandlungen ziehen sich bereits seit Freitagabend hin - eigentlich sollte eine Erklärung bereits gestern Abend verabschiedet werden. Laut UN sollen die Vertreter von mehr als 190 Staaten nun am frühen Abend zum Schlussplenum zusammenkommen. Gestritten wurde bei den Verhandlungen bis zuletzt auch über die finanzielle Unterstützung für arme Staaten im Kampf gegen die Erderwärmung. Die nächste Weltklimakonferenz soll 2020 in Glasgow, Großbritannien, stattfinden.

Mit Informationen von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 14. Dezember 2019 um 11:00 Uhr.

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