Das Stahlwerk Asowstal im Hintergrund und zerstörte Häuser in Mariupol | REUTERS

Zivilisten in Mariupol Offenbar Evakuierung von Stahlwerk geplant

Stand: 29.04.2022 10:59 Uhr

Laut der Ukraine sollen heute Zivilisten aus dem umkämpften Stahlwerk in Mariupol evakuiert werden. Kiew zufolge griffen russische Truppen die Stadt Odessa mit Raketen an, die ukrainische Armee beschoss ein Öldepot in Donezk.

Die Ukraine hofft auf eine baldige Rettung von Zivilisten aus dem Stahlwerk Asowstal in Mariupol. "Heute ist eine Operation geplant, um die Zivilisten aus dem Werk zu bekommen", erklärte das Präsidialamt in Kiew, ohne weitere Einzelheiten zu nennen.

Bei einem russischen Angriff auf die im Stahlwerk verschanzten letzten Verteidiger Mariupols geriet das dort eingerichtete Feldlazarett unter schweren Beschuss. Nach einem Bericht der "Ukrajinska Prawda" kam dabei mindestens ein Soldat ums Leben, rund 100 Patienten erlitten weitere Verletzungen.

Nach Darstellung der Ukraine ist das Lazarett, in dem sich rund 500 Verwundete und Ärzte aufhielten, gezielt angegriffen worden. Die Angaben konnten nicht unabhängig überprüft werden.

Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

Ukrainische Verteidiger lehnen Kapitulation ab

Zuletzt hatte sich UN-Generalsekretär Antonio Guterres um die Evakuierung der Menschen aus dem von russischen Truppen eingeschlossenen Werksgelände bemüht. Die dort verschanzten Soldaten lehnen trotz wiederholter Aufforderung von russischer Seite eine Kapitulation ab.

Weiß schraffiert: Vormarsch der russischen Armee. Grün schraffiert: von Russland unterstützte Separatistengebiete. Krim: von Russland annektiert. | ISW/28.04.2022

Weiß schraffiert: Vormarsch der russischen Armee. Grün schraffiert: von Russland unterstützte Separatistengebiete. Krim: von Russland annektiert. Bild: ISW/28.04.2022

Russland bestätigt Angriff auf Kiew

Während des Besuchs von Guterres am Donnerstag wurde Kiew mit Raketen beschossen. Laut ukrainischen Angaben war es der erste Beschuss mit Raketen seit rund zwei Wochen. "Ich war geschockt, davon zu hören, dass in der Stadt, in der ich mich aufhalte, zwei Raketen explodiert sind", sagte Guterres dem britischen Sender BBC.

Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, bestätigte den Beschuss. Hochpräzisionsraketen mit großer Reichweite hätten Fabrikgebäude des ukrainischen Raketenherstellers "Artem" getroffen. Moskau hatte Tage zuvor damit gedroht, die Stadt anzugreifen, auch wenn sich dort ausländische Politiker zu Besuch aufhielten.

Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko berichtete, dass aus den Trümmern eine Leiche geborgen worden sei. Zudem seien zehn Menschen verletzt worden.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warf der russischen Regierung vor, die UN "demütigen" zu wollen. Der Angriff erfordere eine "angemessen starke Reaktion", sagte er. Selenskys Berater Olexyj Arestowytsch kritisierte die Raketenangriffe als "dümmste Variante überhaupt". Russland habe Guterres mit diesem Angriff "in den Rücken geschossen".

Ukraine: Haben Öldepot in Donezk beschossen

Ukrainische Truppen haben laut einem Bericht der Nachrichtenagentur RIA ein Öldepot in der von prorussischen Separatisten gehaltenen Stadt Donezk beschossen und beschädigt. Die Agentur beruft sich auf einen Vertreter der Separatisten. Online veröffentlichte Bilder zeigten die brennende Anlage.

Russische Truppen beschossen ihrerseits die südukrainische Hafenstadt Odessa mit Raketen. Dabei habe die Luftabwehr drei russische Raketen abgeschossen, sagte der örtliche Militärvertreter Maxim Martschenko. "Wir haben den Himmel unter Kontrolle." Zuvor sei bereits eine russische Aufklärungsdrohne zerstört worden.

Ein örtlicher russischer Gouverneur meldete den Beschuss eines Kontrollpostens in der an die Ukraine grenzenden russischen Region Kursk. Die Grenzwachen und das Militär hätten das Feuer erwidert, teilt Roman Starowojt mit. Es habe keine Opfer oder Schäden gegeben.

London: Russlands Fokus liegt auf dem Donbass

Zentraler Fokus der russischen Militärstrategie in der Ukraine bleibt nach Angaben des britischen Verteidigungsministeriums die "Schlacht um den Donbass". So solle die Kontrolle über die östlichen Regionen Donezk und Luhansk gesichert werden. Wegen des starken Widerstands der Ukrainer habe Russland aber nur geringe Geländegewinne erzielt.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 29. April 2022 um 10:25 Uhr.