Urlauber kühlen sich am Strand von Punta Prima in Sant Lluis auf Menorca ab.

Spanien wird Hochinzidenzgebiet Gelassene Urlauber, besorgte Reisebranche

Stand: 23.07.2021 19:38 Uhr

Für einige Urlauber kam die Nachricht überraschend, andere hatten schon damit gerechnet: Deutschland hat Spanien zum Hochinzidenzgebiet erklärt. Die Tourismusbranche befürchtet nun Stornierungen.

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

So manchen Mallorca-Urlauber erwischt die Nachricht eiskalt. Mittags, als sie ins Flugzeug steigen, ist Spanien "nur" Corona-Risikogebiet. Nach der Landung lesen die Touristen auf ihren Handys, dass Deutschland ihr Urlaubsziel zum Hochinzidenzgebiet erklärt: "Na ja, wir haben das schon erahnt. Aber wir sind geimpft und haben das abgewogen und uns jetzt endlich mal wieder eine Woche Urlaub gegönnt", so die Reaktion. "Unsere Nachbarin hatte mir einen Zeitungsartikel per WhatsApp geschickt, da waren wir auf dem Weg zum Flughafen. Für uns macht es eigentlich keinen großen Unterschied, da wir hier eine Wohnung haben. Ins Hotel würde ich jetzt nicht mehr gehen", lautet eine andere.

Oliver Neuroth ARD-Studio Madrid

"Das sind keine guten Nachrichten", heißt es vom Verband der Hoteldirektoren auf den Balearen. Viele befürchten, dass Gäste aus Deutschland ihre geplanten Spanien-Reisen jetzt kurzfristig absagen. Denn wer nicht zweifach gegen das Coronavirus geimpft ist oder die Krankheit Covid-19 durchgestanden hat, muss nach der Rückkehr in Quarantäne - für mindestens fünf Tage. Ein negativer Coronatest reicht dann nicht mehr aus, um die sich von der Quarantäne-Pflicht zu befreien.

"Partys sind eben nicht angesagt"

Aage Dünhaupt, der Sprecher von TUI, rechnet dagegen nicht mit einem massiven Buchungseinbruch wie im vergangenen Sommer, nachdem Deutschland eine Reisewarnung für Mallorca & Co. ausgesprochen hatte. Er meint, dass Hoteliers und andere Beschäftigte in der Branche "dadurch, dass viele Gäste geimpft oder genesen sind, in einer anderen Situation sind. Dass also die Menschen ihren Urlaub weitermachen können, weil man dann ja keinen Quarantänepflichten unterliegt. Und da müssen wir einfach noch mal deutlich machen, dass Urlaub weiterhin möglich ist, aber natürlich auch wichtig ist, dass sich alle weiterhin an die Corona-Regeln halten. Und Partys eben nicht angesagt sind."

Gerade durch Partys junger Menschen auf Mallorca und auf dem spanischen Festland hat sich das Coronavirus zuletzt wieder stärker ausgebreitet. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei etwa 330. Unter-30-Jährige sind es auch, die aktuell mit Abstand die meisten Infizierten ausmachen. Der Krankheitsverlauf bei den meisten von ihnen ist mild, die Krankenhäuser in Spanien sind daher zurzeit kaum mit Corona-Patienten belegt. Darauf müsse man eher schauen als auf die Inzidenzzahl, heißt es aus Kreisen der spanischen Regierung in Madrid. Eine offizielle Stellungnahme zur Hochstufung Spaniens durch Deutschland gibt es bisher nicht. Es handele sich um die souveräne Entscheidung eines anderen Landes, die man nicht kommentieren wolle, heißt es.

Gastronomen auf Mallorca sind besorgt

Wer dagegen durch eine mögliche Urlauberflaute seine Existenz bedroht sieht, wagt sich nach vorne: Dieser Geschäftsinhaber aus Sóller im Norden Mallorcas zum Beispiel: "Ich befürchte, dass jetzt deutlich weniger Gäste aus Deutschland anreisen. Die Wirtschaft kommt dann wieder zum Stillstand. Wir müssen einfach das Infektionsgeschehen unter Kontrolle bekommen. Das heißt: Die Regeln wieder verschärfen. Sonst verlieren wir die Saison schon wieder. Wir können nicht überleben, wenn nur für drei oder vier Monate Urlauber zu uns kommen."

Auf Mallorca sorgt der Tourismus offiziell für gut ein Drittel der Wirtschaftsleistung. Und Urlauber aus Deutschland haben bisher etwa ein Drittel aller Gäste auf der Insel ausgemacht. Am Flughafen Palma wirken die meisten ankommenden Passagiere weiter entspannt - trotz der Einstufung zum Hochinzidenzgebiet: "Wenn sich jeder hier etwas umsichtig verhält, keine Partys feiert und sie eher meidet, dann dürfte der Urlaub eigentlich doch noch irgendwie gelingen."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. Juli 2021 um 20:00 Uhr.