Gesperrte Straße in Österreich | AFP

Winter in den Alpen Gefangen im Schnee

Stand: 10.01.2019 09:16 Uhr

In den Alpen schneit und schneit es - und nach Einschätzung von Wetterexperten soll es bis Freitag so weitergehen. Immer mehr Orte sind nicht mehr erreichbar. Vielerorts ist die Lawinengefahr immens.

Riesige Schneemengen beherrschen das Leben in weiten Teilen Südbayerns und Österreichs. In den bayerischen Alpen haben die Behörden die zweithöchste Lawinenwarnstufe ausgerufen.

Bei Berchtesgaden sitzen weiterhin rund 350 Menschen fest und müssen per Lastwagen mit Lebensmitteln versorgt werden. Die einzige Straße zum Ortsteil Buchenhöhe in der Nähe des Obersalzbergs sei bis auf weiteres gesperrt, sagte ein Sprecher des Landratsamts Berchtesgadener Land. Am Vormittag sei damit begonnen worden, die Strecke zu räumen.

Im Landkreis Berchtesgadener Land bleiben aufgrund der Wetterverhältnisse sämtliche Schulen geschlossen. Die Lehrer müssen sich laut dem bayerischen Kultusministerium dennoch in der Schule aufhalten, da für sie eine Dienstpflicht gilt. Auch in Stadt und Landkreis Rosenheim bleiben nahezu alle Schulen geschlossen.

Militärfahrzeuge der Bundeswehr im Einsatz

Inzwischen hat die Bundeswehr Versorgungsfahrten nach Buchenhöhe übernommen. Dort gibt es auch ein Asthma-Zentrum für Jugendliche. Da die Mitarbeiter der Reha-Einrichtung nicht mehr von und zu ihrem Arbeitsplatz kommen konnten, sei die Bundeswehr um Unterstützung gebeten worden, sagte der Geschäftsleiter der Marktgemeinde. Mit den schweren Militärfahrzeugen könne Buchenhöhe weiter erreicht werden.

Auch die Menschen in der oberbayerischen Jachenau sind auf Lebensmittellieferungen angewiesen, weil die Zufahrtsstraße gesperrt ist. Die Schneemassen stellten die Räumdienste vor erhebliche Probleme. Im oberbayerischen Landkreis Miesbach gilt Katastrophenalarm. Die Bayerische Oberlandbahn nach Tegernsee, Schliersee und Bayrischzell hat ihren Betrieb eingestellt.

Auch in den Landkreisen Traunstein und Garmisch-Partenkirchen sind zahlreiche Regionalbahnstrecken komplett gesperrt. Ursache der Verkehrsbehinderungen sind laut einem Sprecher Bäume, die wegen der Schneelast auf Gleise und Oberleitungen gefallen sind.

Auf den Hauptstrecken der Bahn von München Richtung Österreich oder Augsburg könne es vereinzelt zu Weichenstörungen kommen.

Nicht nur in Bayern, auch in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen beeinträchtigte starker Schneefall das öffentliche Leben. In Teilen Sachsens kam der Zugverkehr zum Erliegen. Der Verkehr im Erzgebirge konnte nur bis 16.00 Uhr aufrechterhalten werden.

Tote in Österreich

Auch in Österreich spitzte sich die Lawinengefahr weiter zu. In großen Teilen des Bundeslandes Salzburg gilt inzwischen die höchste Warnstufe. Insgesamt gilt in vier österreichischen Bundesländern teilweise die höchste Lawinenwarnstufe fünf.

Bei St. Anton am Arlberg in Tirol kam ein 16-jähriger Skifahrer bei einem Lawinenabgang ums Leben. In der Steiermark starb ein 62 Jahre alter Lehrer nach einem Skiunfall. Der Mann verlor bei der Abfahrt einen Ski und stürzte über den Pistenrand in einen steil abfallenden Wald, wie die Polizei mitteilte.

Im Skigebiet Wildkogel wurden sechs Schüler aus Halle von einer Lawine erfasst und zum Teil verschüttet. Alle überlebten den Vorfall nahezu unverletzt. Die Schüler wurden von der Lawine an einer Skiwegquerung erfasst.

Skigebiete gesperrt

Mehrere Skigebiete haben ganz oder teilweise den Betrieb eingestellt, auch etliche Straßen sind gesperrt. Der beliebte Wintersportort Gosau ist völlig eingeschneit und nicht mehr erreichbar. Die Versorgung für die Bevölkerung und für die etwa 1000 Urlauber sei jedoch gesichert, so die Gemeinde.

Die Gemeinde Galtür in Tirol, in der im Februar 1999 durch eine Lawinenkatastrophe 31 Menschen gestorben waren, hat die Paznauntalstraße zwischen Mathon und Galtür wegen Lawinengefahr in beide Richtungen gesperrt.

Ebenfalls nicht mehr erreichbar waren die Orte Lech, Zürs und Stuben im Bundesland Vorarlberg sowie Obertauern in Salzburg. Umgestürzte Bäume sorgen außerdem immer wieder für Stromausfälle.

Bei Zell am See in Österreich blieb eine neunköpfige Skifahrer-Gruppe in einem Graben stecken, nachdem sie ins Gelände abseits der Skipisten gefahren war. Bergretter konnten die Skifahrer trotz der großen Lawinengefahr erreichen und ins Tal begleiten, teilte die Polizei mit. Alpinpolizei und Bergrettung rieten erneut dringend davon ab, derzeit den gesicherten Skiraum zu verlassen.

Mehr Schnee erwartet

Und es wird noch mehr Schnee erwartet: Bis mindestens Mitte nächster Woche wird es nach Vorhersage des Deutschen Wetterdienstes vor allem im Alpenraum weiter schneien. Die aktuelle Unwetterwarnung des DWD gilt bis Freitag. In vielen Regionen schneit es bis dahin pausenlos weiter. In den Tälern muss mit weiteren 30 bis 80 Zentimetern gerechnet werden. Auf den Bergen fällt noch deutlich mehr.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. Januar 2019 um 20:00 Uhr.