USA: Beschädigtes Fahrzeug am Capitol Hill in Washington | AP

Washington Angriff auf Polizisten am US-Kapitol

Stand: 02.04.2021 23:59 Uhr

In Washington hat ein Mann zwei Polizisten nahe dem Kapitol angefahren. Ein Beamter wurde getötet. Der mit einem Messer bewaffnete Fahrer wurde erschossen. Präsident Biden ließ die Flaggen auf halbmast setzen.

Am noch immer schwer bewachten US-Kapitol in Washington ist ein Autofahrer mit seinem Wagen in zwei Polizisten gefahren und hat anschließend eine Straßenbarriere gerammt. Einer der Beamten wurde getötet, ein weiterer verletzt, wie die Chefin der Kapitol-Polizei, Yogananda Pittman, erklärte.

Der Fahrer, der anschließend mit einem Messer aus dem Wagen stieg, sei erschossen worden, sagte sie weiter. Er habe zuvor nicht auf Warnrufe der Sicherheitskräfte reagiert. Weitere Angaben wollten die Beamten aus ermittlungstaktischen Gründen nicht machen.

Polizei geht nicht von terroristischem Hintergrund aus

Der Polizeichef der Hauptstadt, Robert Contee, erklärte, ersten Erkenntnissen zufolge scheine die Tat keinen terroristischen Hintergrund zu haben. Aktuelle Beiträge des Mannes in Sozialen Medien deuteten auf psychische und körperliche Probleme hin. Der Verdächtige sei der Polizei nicht bekannt gewesen. Laut Medienberichten handelt es sich um einen 25-jährigen Afroamerikaner aus Indiana. Die Polizei berichtete, unter anderem habe der Mann die US-Regierung als "größten Feind der Schwarzen" bezeichnet.

Der Vorfall ereignete sich laut der Kapitol-Polizei an einem Kontrollpunkt in der Nähe des Kapitol-Gebäudes. Auf Videoaufnahmen war ein blaues Auto an einer Barriere zu sehen. Das Gelände wurde abgeriegelt. Mitarbeitern wurde gesagt, sie könnten Gebäude dort weder betreten noch verlassen. Der Kongress hatte allerdings am Freitag keinen Sitzungstag, deswegen dürften kaum Senatoren oder Abgeordnete in dem Komplex gewesen sein.

Biden: Bin "untröstlich"

Präsident Joe Biden ordnete an, dass die Flaggen in den USA auf halbmast gesetzt werden. Dies sei ein Zeichen des Respekts für den Einsatz und die Opfer der Kapitol-Polizei, erklärte er. Die Anordnung gilt demnach bis Dienstag für das Weiße Haus, alle öffentlichen Gebäude und Militäreinrichtungen sowie US-Botschaften und konsularische Vertretungen weltweit.

Biden erklärte, er und seine Frau Jill seien wegen des Angriffs "untröstlich". Er werde laufend über den Stand der Ermittlungen informiert. Der Präsident sprach der Familie des getöteten Beamten sein Beileid aus.

Truppen der US-Nationalgarde sichern den Bereich um das US-Kapitol in Washington | AP

Truppen der US-Nationalgarde sichern den Bereich um das US-Kapitol in Washington Bild: AP

"Risiko immer noch sehr hoch"

"Es ist wirklich traurig, denn ich hatte geglaubt, dass wir nach der Beseitigung der Barrieren wieder zu einer gewissen Normalität zurückkehren würden. Aber das zeigt nur, wie hoch das Risiko noch immer ist", sagte der demokratische Kongressabgeordnete Ro Khanna dem Nachrichtensender CNN.

Der republikanische Minderheitsführer im Senat, Mitch McConnell, schrieb auf Twitter, dass er für den verletzten Polizisten bete.

US-Kapitol ist schwer bewacht

Der Zwischenfall ereignete sich knapp drei Monate nach der gewaltsamen Erstürmung des US-Kapitols durch Anhänger des abgewählten Ex-Präsidenten Donald Trump. Wegen des beispiellosen Angriffs ist das Gebäude schwer bewacht.

Vergangene Woche waren die Sicherheitsvorkehrungen rund um den Kongresssitz allerdings etwas zurückgefahren worden. So wurde ein äußerer Zaun, der das Areal um den Kongresssitz abgeschirmt hatte, abgebaut. Straßen, die innerhalb dieses Kreises lagen und abgesperrt waren, wurden wieder geöffnet.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 02. April 2021 um 20:00 Uhr.