Hausmüll | Bildquelle: picture alliance /  Winfried Rot

EU zu Müllrecycling Weniger für die Tonne

Stand: 18.04.2018 18:20 Uhr

Mit ehrgeizigen Recycling-Quoten will die EU gegen Müllberge in den Mitgliedstaaten ankämpfen. Auch Deutschland, das sich als Vorreiter der Wiederverwertung sieht, muss sich mehr anstrengen.

Konsequenter sammeln, konsequenter trennen, konsequenter wiederverwerten: Die EU will ernst machen und mit ehrgeizigen Vorgaben den Müll in Europa reduzieren. Bis zum Jahr 2025 sollen mindestens 55 Prozent und bis 2030 mindestens 65 Prozent des Hausmülls in allen Mitgliedsstaaten recycelt werden. Ab 2025 sollen sogar nur noch zehn Prozent aller Abfälle auf der Deponie landen.

Das sieht eine neue Verordnung zur Wiederverwertungsquote vor. Die Regelung war bereits im Dezember zwischen den EU-Ländern vereinbart worden und muss noch vom EU-Ministerrat gebilligt werden.

Deutschland rechnete sich seine Recyclingquote schön

Bislang müssen mindestens 44 Prozent des Mülls wiederverwertet werden. Um die neuen Quoten zu erfüllen, werden sich alle EU-Mitgliedsstaaten anstrengen müssen - auch der vermeintliche Recycling-Vorreiter Deutschland.

In einer Analyse des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) gibt die Bundesrepublik ihre Wiederverwertungsquote zwar mit 66 Prozent an. Allerdings setzt sie dabei bislang andere Kriterien an, als die neue Quote vorsieht: Deutschland wertet alles als recycelt, was zur Wiederverwertung gesammelt oder vorsortiert wird.

"In der Vergangenheit haben manche Mitgliedstaaten, auch Deutschland, an dieser Stelle sehr kreativ gearbeitet und bessere Recyclingquoten ermittelt als gerechtfertigt waren", sagt die FDP-Europaabgeordnete Gesine Meißner dazu. Künftig gilt nur das als recycelt, was die Sortierbetriebe tatsächlich als Rohstoff verlassen hat. Wenn keine Daten vorliegen, können die Mitgliedstaaten weiterhin Müll nach einem früheren Sortierungsprozess als recycelt angeben.

Einzelverordnungen für Biomüll, Verpackung und Textilien

Die Deutsche Gesellschaft für Abfallwirtschaft schätzte zuletzt, dass in der Bundesrepublik höchstens 40 Prozent des Hausmülls tatsächlich stofflich recycelt werden. Zudem ist der in Deutschland produzierte Müllberg zwischen 2005 und 2016 um elf Prozent angestiegen - im gleichen Zeitraum ging er EU-weit zurück. Im Durchschnitt entfielen 2016 auf einen Bundesbürger 626 Kilo Müll. Damit erreicht Deutschland Platz vier der größten Müllproduzenten in der EU.

Aber auch in der übrigen EU-sieht es nicht viel besser aus: Nur zehn der 28 Mitgliedstaaten würden bei ihren aktuellen Anstrengungen die Quote erreichen. Besonders viel zu tun haben Malta, Rumänien, Griechenland und Zypern: Dort werden nur 20 Prozent des Mülls recycelt. In Spanien, Estland und Lettland landet rund ein Drittel aller Abfälle im Recycling.

Für bestimmte Abfallarten sollen Einzelverordnungen gelten: Verpackungsmüll soll schon 2025 zu 65 Prozent wiederverwertet werden. Bioabfälle müssen ab 2024 getrennt gesammelt werden, ab 2025 auch Textilien und gefährlicher Hausmüll (Sondermüll wie Batterien und Akkus). Bis 2030 sollen die EU-Staaten die Menge an weggeworfenen Lebensmitteln auf die Hälfte reduzieren.

Zehntausende zusätzliche Jobs in der Abfallwirtschaft

Die kommunalen Entsorger in Deutschland werten den Beschluss des EU-Parlaments als wichtigen Schritt für den Umwelt- und Klimaschutz: "Weg von der linearen Wegwerf- hin zur Kreislaufwirtschaft", kommentierte Patrick Hasenkamp, Vizepräsident des Verbandes kommunaler Unternehmen.

Der CDU-Europaabgeordnete Karl-Heinz Florenz sieht noch weitere Vorteile: "Das Abfallpaket ist zugleich ein Wirtschaftspaket", meinte er. Bis zu 80.000 Arbeitsplätze könnten in der Müllverwertung zusätzlich entstehen. Der SPD-Umweltpolitiker Jo Leinen verwies auf die Vorteile für Verbraucher durch langlebigere Produkte: "Abfalldeponien sollten zum Auslaufmodell werden, Recycling zum lohnenden Geschäftsmodell", sagte er.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 18. April 2018 um 16:15 Uhr in den Nachrichten.

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