Braunkohletagebau in der Lausitz | Bildquelle: dpa

Negativpreis auf Klimakonferenz Deutschland ist das "Fossil des Tages"

Stand: 07.12.2018 20:50 Uhr

Es gibt Preise, über die sollte man sich nicht freuen. Das "Fossil des Tages" ist so einer. Verliehen wird er von Umweltschützern während der Klimakonferenzen. Der aktuelle Preisträger heißt: Deutschland.

Deutschland sieht sich selber gerne als einer der Klima-Musterschüler. Auf der UN-Klimakonferenz in Kattowitz gab es für die deutsche Politik jetzt aber eine wenig schmeichelhafte Ehrung: die Auszeichnung als "Fossil des Tages". Der Preis ist eine Aktion des "Climate Action Networks" (CAN), mit der medienwirksam und mit Ironie auf Verfehlungen beim Klimaschutz aufmerksam gemacht werden soll. Er wird während der Klimakonferenzen täglich verliehen.

Noch kein Konzept für den Kohleausstieg

Die deutsche Politik bekomme diese "zweifelhafte Auszeichnung" nun, weil es sein nationales Klimaziel für 2020 aufgegeben habe und es nicht geschafft habe, aus der Kohle auszusteigen und ein höheres EU-Klimaziel für 2030 zu unterstützen, teilte das CAN mit.

Deutschland hat sich vorgenommen, seinen CO2-Ausstoß bis 2020 um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 zu reduzieren. Nach jetzigem Stand werden es aber nur 32 Prozent. Die von der Bundesregierung eingesetzte Kohlekommission hat - anders als geplant - vor der Klimakonferenz keine Sofortmaßnahmen vorgeschlagen, um das Ziel schnell zu schaffen. Ein Konzept für den Kohleausstieg soll voraussichtlich erst Ende Januar, Anfang Februar stehen.

Braunkohletagebaus Welzow Süd in Brandenburg | Bildquelle: dpa
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Dass Deutschland den Ausstieg aus der Braunkohle - hier ein Tagebau in Brandenburg - nicht schafft, ist eine der Begründungen für die "Auszeichnung"

"Deutschland ist ein Nachzügler geworden"

"Deutschland ist beim Klimaschutz ein Nachzügler geworden und bremst den Klima-Ehrgeiz der EU aus", sagte CAN-Europadirektor Wendel Trio. Deutsche Umweltschützer äußerten sich ähnlich: "Der Einfluss der deutschen Kohle- und Autolobby lähmt Deutschland und damit auch die EU beim Klimaschutz", sagte Stefan Krug von Greenpeace. Deutschland sende ein "fatales Signal" an Entwicklungs- und Schwellenländer. Ann-Kathrin Schneider vom BUND sagte, Deutschland stehe in der "Schmuddelecke".

Weitere Preisträger: Arabische Öl-Staaten, Brasilien, Polen

In Kattowitz befindet sich Deutschland als Preisträger unter anderem in der Gesellschaft der arabischen Öl-Staaten, Brasiliens, das nicht mehr Gastgeber der nächsten Klimakonferenz sein will, und Polens, das einen Großteil seiner Energie aus Kohle bezieht.

Deutschland wird zwar eher selten zum "Fossil des Tages" gekürt, hat den Negativpreis aber auch nicht zum ersten Mal bekommen. Im November vergangenen Jahres - als Bonn Gastgeber der Klimakonferenz war - bekam Deutschland den Preis, weil der Ausstoß klimaschädlicher Gase zu- und nicht abnahm. Und auch bei der großen Klimakonferenz 2009 in Kopenhagen war Deutschland einer der Preisträger.

Das "Climate Action Network" ist ein Zusammenschluss von - nach eigenen Angaben - mehr als 1200 Nichtregierungsorganisationen. Aus Deutschland gehören unter anderem die Umweltschutzorganisationen BUND und NABU und das katholische Hilfswerk "Misereor" dazu.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. Dezember 2018 um 21:00 Uhr.

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