Menschen nehmen an einer Mahnwache in Dublin für eine getötete Joggerin teil. | REUTERS

Fast 100 Mahnwachen Tötung von Joggerin schockiert Irland

Stand: 15.01.2022 02:57 Uhr

Die Tötung einer 23-jährigen Lehrerin am hellichten Tag in einer Kleinstadt in Irland hat auf der Insel für Entsetzen gesorgt. Zehntausende setzten bei Mahnwachen ein Zeichen - dass die Gewalt gegen Frauen endlich ein Ende haben muss.

Nach der Tötung einer jungen Frau haben Zehntausende Menschen in mehreren Städten in Irland und der britischen Region Nordirland an fast 100 Mahnwachen teilgenommmen. In Tullamore, wo die Leiche der 23-Jährigen gefunden worden war, schlossen Geschäfte und Cafés am Freitag früher als sonst. Zahlreiche Trauernde versammelten sich in der Stadt gut 80 Kilometer westlich von Dublin in einem Park.

In der irischen Hauptstadt nahm Regierungschef Micheal Martin an einem Gedenken teil. Der Mord an der Lehrerin - verübt am hellichten Tag - habe das Land "in Solidarität und Abscheu" geeint, sagte Martin. Vor dem Parlament war eine Schweigeminute abgehalten worden.

Die Polizei hat nach eigenen Angaben "eine für den Fall interessante Person identifiziert". Nun warten die Behörden darauf, den Mann zu vernehmen, der wegen einer Reihe von Verletzungen noch in ärztlicher Behandlung sei. Zuvor war ein festgenommener 40 Jahre alter Mann wieder auf freien Fuß gekommen, wie Medien berichteten.

"Epidemie der Gewalt gegen Frauen"

Das Verbrechen hat eine neue Debatte über die Sicherheit von Frauen auf der irischen Insel ausgelöst. Die 23-Jährige war am Mittwochnachmittag getötet worden, als sie an einem Kanal joggen war - einer beliebten Strecke von Radfahrern und Läufern. Die Polizei geht davon aus, dass sie ein Zufallsopfer ist.

"Es gibt eine Epidemie der Gewalt gegen Frauen. Das ist schon seit Jahrtausenden so", sagte Vizeregierungschef Leo Varadkar. "Wir als Männer haben eine besondere Verantwortung, um Faktoren für Gewaltausbrüche gegen Frauen zu verstehen und um unsere Jungs und Teenager zu lehren, was richtig und falsch ist."

Präsident Michael D. Higgins rief die Bevölkerung dazu auf, eine "freundlichere, mitfühlendere und empathischere Gesellschaft" zu bauen.