Papst Franziskus begrüßt Christen in Bagdad. | EPA

Papst Franziskus im Irak Eine Pilgerreise der Versöhnung

Stand: 07.03.2021 08:33 Uhr

Zum ersten Mal ist ein Papst in den Irak gereist, trotz Corona, trotz Kritik im Vorfeld. Franziskus wollte die Iraker nicht noch einmal enttäuschen, nachdem Johannes Paul II. eine im Jahr 2000 geplante Reise absagen musste.

Von Elisabeth Pongratz, ARD-Studio Rom, zzt. Bagdad

Festtagsstimmung in der Ebene von Ur: Als Papst Franziskus eintrifft, braust ein heftiger Wind auf, wirbelt den Wüstensand herum. Von hier aus brach Abraham auf, der Stammvater, auf den sich Juden, Christen und Muslime beziehen. "Wir Brüder und Schwestern verschiedener Religionen haben uns hier - zu Hause - eingefunden, und vor hier aus wollen wir uns gemeinsam für die Verwirklichung des Traumes Gottes einsetzen: dass die Menschheitsfamilie für alle ihre Kinder gastfreundlich und aufnahmebereit werde" - erneut appelliert der Pontifex an die Geschwisterlichkeit über alle Unterschiede hinweg.

Elisabeth Pongratz ARD-Studio Rom

Gleichzeitig mahnt er, dass Feindseligkeit, Extremismus und Gewalt Verrat seien an der Religion. Beim Treffen mit religiösen Oberhäuptern von Muslimen, Jesiden und Mandäern erinnert er daran, dass die Gläubigen nicht schweigen dürften, wenn der Terrorismus die Religion missbrauche. Gerade die Menschen im Zwei-Strom-Land haben jahrzehntelang Kriege, Terror und Schmerz erlebt.

Bei seinem ersten Besuch im Irak wählt Franziskus die Worte der Versöhnung und mahnt gleichzeitig, dass man nur gemeinsam den Weg des Friedens gehen könne. Kurz nach seiner Ankunft in Bagdad betont er gegenüber Präsident Barham Salih und Vertretern aus Politik und Gesellschaft, dass er im Namen Christi komme. Auch später nennt der 84-jährige Papst immer wieder das Motto, unter das er seinen Besuch verstehe: "Ich komme als Büßer und bitte den Himmel und meine Brüder und Schwestern um Vergebung für so viel Zerstörung und Grausamkeit. Ich komme als Pilger des Friedens, im Namen Christi, des Friedensfürsten."

Nähe trotz Corona - soweit es geht

Von den Menschen wird er begeistert empfangen, auch wenn eine dreitägige Ausgangssperre gilt. Die Infektionszahlen mit dem Coronavirus sind seit Wochen stark angestiegen, hinzu kommt eine angespannte Sicherheitslage. Doch die Vorkehrungen sind enorm, auf den Straßen wurden zusätzliche Kontrollpunkte errichtet, überall stehen bewaffnete Posten. Dies will zeigen: Wir freuen uns über den Besuch des Papstes, wir tun alles, damit er sich wohlfühlt. Franziskus geht da, wo er kann, auf die Menschen zu, wie etwa beim Besuch der syrisch-katholischen Kathedrale Sayidat al-Nejat.

Franziskus liebt es, wenn er den Menschen nahe kommen kann. Doch bei seiner ersten Auslandsreise seit der Corona-Pandemie gelten die üblichen Abstandsregeln, auch gab es im Vorfeld Kritik, dass große Zusammenkünfte Superspreader sein könnten. Die Abschlussmesse im Stadion von Erbil war zunächst für 30.000 Gläubige geplant, nun sind 10.000 zugelassen.

Die Schiiten

Schiiten sind neben den dominierenden Sunniten eine der beiden Hauptrichtungen des Islam. Etwa 80 bis 90 Prozent der Muslime weltweit sind Sunniten, nur in wenigen Ländern stellen Schiiten die Mehrheit. Dazu gehören der Iran, der Irak und Bahrain. Im Irak, dem Ursprungsland der Schia, machen Anhänger dieses Bekenntnisses zwei Drittel der Bevölkerung aus.

Höchste Lehrautorität im Irak und darüber hinaus ist Großajatollah Ali al-Sistani mit Sitz in Nadschaf. Als heilige Stätten der Schiiten gelten die Schreine der Imame in den irakischen Orten Kerbela, Nadschaf, Samarra und al-Kazimiyya, ein Vorort von Bagdad. Der Iran verfügt mit Maschhad und Qom ebenfalls über wichtige Wallfahrtsstätten.

Treffen mit dem Großajatollah als Höhepunkt

Während seines Aufenthalts hat Papst Franziskus wichtige Brücken geschlagen, auch mit den Schiiten. Am Morgen kam er in Nadschaf privat mit Großajatollah Ali al-Sistani zusammen, der Leiter des päpstlichen Rates für interreligiösen Dialog, Kardinal Miguel Ayuso Guixot hat ihn begleitet. "Man hat erneut verstanden und gesehen, wie wichtig es ist, zusammenzuarbeiten. Und zwar in einem Geist der Geschwisterlichkeit, um die Welt besser zu machen", sagte Franziskus dazu. Al-Sistani ist die höchste Autorität der irakischen Schiiten, sein Wort hat überall Gewicht. Die Begegnung mit ihm galt als ein Höhepunkt.

 Irak, Najaf: Papst Franziskus (r) unterhält sich mit dem Groߟajatollah Ali al-Sistani. | dpa

Bei einem privaten Treffen tauschte sich Franziskus mit dem Großajatollah al-Sistani aus. Bild: dpa

Ein weiterer Brückenschlag

Außergewöhnlich schloss Franziskus den Tag ab: Erstmals zelebrierte ein Papst eine Messe nach chaldäischem Ritus - auch dies erneut ein Brückenschlag. Papst Franziskus hat seine erste Reise in den Irak dazu genutzt, für den Frieden zu werben, Grenzen zu überwinden und vor allem dem Land mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. März 2021 um 20:00 Uhr.