Interview

Leopard-2-Panzer (rechts) stehen nach der Verschiffung für das Großmanöver der Nato "Trident Juncture" vor dem RoRo-Schiff. | Bildquelle: dpa

Von der Leyen im Interview "Spuren von 25 Jahren Kürzen spürbar"

Stand: 31.10.2018 17:02 Uhr

Verteidigungsministerin von der Leyen hat die NATO-Übung in Norwegen besucht. Während sie dort die Arbeit der Bundeswehr lobt, gibt es zu Hause Kritik an der Truppe - der sie im Interview mit tagesschau24 teils widerspricht.

tagesschau24: Das ist die größte Übung der NATO seit Ende des Kalten Krieges. Welche Rolle spielt Deutschland dabei?

Ursula von der Leyen: Deutschland spielt eine große Rolle bei dieser Übung. Wir sind der zweitgrößte Truppensteller mit 8000 Soldatinnen und Soldaten. Für uns ist es auch ein guter Lackmus- und Härtetest, denn wir haben im nächsten Jahr die schnelle Speerspitze vor uns. Bisher funktioniert alles klasse.

Ursula von der Leyen, Verteidigungsministerin, zur NATO-Übung in Norwegen
31.10.2018

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tagesschau24: Was müssen die deutschen Truppen noch lernen - und was können sie hier lernen, was sie denn gerade für die Speerspitze brauchen können?

Von der Leyen: Mir berichten unsere Truppen, dass sie sehr viel Erfahrung mitnehmen bei der ganz schnell Zerlegbarkeit, also der Mobilität: Wie kriegt man große Truppenteile, viele Menschen, viel Material in großer Geschwindigkeit über Luft, Land und See in andere Regionen unseres Bündnisses. Zweitens: Die ganze Logistik, die dahinter ist, die Versorgung - die sieht man nicht, aber sie muss funktionieren. Drittens natürlich das, was wir Interoperabilität nennen, also das Zusammenspiel der Nationen - allein 29 NATO-Länder plus Schweden und Finnland. Und das funktioniert offensichtlich hervorragend.

tagesschau24: Kritiker, auch aus dem Militär, sagen: So eine große Einheit hier, voll und gut ausgerüstet, fehlt jetzt in Deutschland. In Deutschland wurden Sachen zusammengesucht, die da jetzt fehlen. Ist das so, dass man hier ein bisschen zusammenkratzen musste, und fehlt in Deutschland jetzt etwas militärisch?

Von der Leyen: Ja, das ist richtig: Es ist für uns eine echte Herausforderung gewesen, hier diese Übung auf die Beine zu stellen. Hier ist die Truppe hervorragend ausgerüstet und nächstes Jahr bei der schnellen Speerspitze auch. Aber wir mussten viel zusammenlegen - aus anderen Verbänden und Einheiten, denn die Spuren von 25 Jahren Kürzen in der Bundeswehr sind noch immer spürbar. Die Defizite und die Lücken müssen aufgefüllt werden. Deshalb haben wir das Ziel, dass wir beim nächsten Mal, wenn wir die schnelle Speerspitze stellen, 2023, eine Brigade hinstellen, die aus eigener Kraft voll ausgerüstet und ausgestattet ist.

tagesschau24: Es gibt ja eine Antwort auf eine Anfrage der Linkspartei, dass auch wieder einiges neu gekauftes Material, zum Beispiel bei den Panzern, defekt ist. Was sagen Sie dazu - stimmt das?

Von der Leyen: Diese Stichtagsaufnahmen zeichnen immer ein falsches Bild. Ein kleines Beispiel bei den Panzern: Da ist noch nicht alles so, wie wir es wollen. Aber wir wollen schon mal anfangen zu üben und auszubilden und dann wird nachgerüstet. Bei den Eurofightern musste man zum Beispiel eine Software updaten und man musste Computer modernisieren. Das heißt, sie sind dann vorübergehend nicht einsatzfähig - klar, wenn die Software verändert werden muss. Aber heute zum Beispiel fliegen alle vier Eurofighter wieder. Das heißt, ich plädiere dafür, nicht immer diese Stichtagsabfragen zu bewerten - die geben nicht das volle Bild - sondern ein Bild über die Zeit. Dann hat man Klarheit, wie es tatsächlich mit der Einsatzbereitschaft steht.

Das Interview führte Bettina Scharkus, ARD-Studio Brüssel, zzt. Rena, Norwegen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 31. Oktober 2018 um 17:00 Uhr.

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