Der Sieg der UKIP lässt die anderen Parteien in Großbritannien alt aussehen.

Katerstimmung in der britischen Politik "Es war ja nur eine Europawahl"

Stand: 26.05.2014 13:06 Uhr

Nach dem Sieg der UKIP bei der Europawahl herrscht Katerstimmung bei den anderen Parteien: Konservative und Liberale schwanken zwischen Einsicht und Verdrängung. Trotzdem hofft Premierminister Cameron auf mehr britischen Einfluss in der EU.

Von Jens-Peter Marquardt, ARD-Hörfunkstudio London

Nigel Farage bekommt seit gestern Abend das breite Lächeln gar nicht mehr aus den Gesicht: Der Chef der United Kingdom Independence Party steht jetzt vor seiner dritten Legislaturperiode im EU-Parlament, und noch nie ist die UKIP-Fraktion dort so stark gewesen wie jetzt. Zum ersten Mal habe seine Partei eine landesweite Abstimmung gewonnen, er sei jetzt überglücklich, so Farage.

Jens-Peter Marquardt ARD-Studio London

Die anderen Parteien sind dagegen ziemlich verkatert. Zögernd kommen ihre Reaktionen. Sie schwanken zwischen "Wir haben verstanden" und "Es war ja nur eine Europawahl."

Die regierenden Konservativen, die mit 24 Prozent auf dem dritten Platz landeten, schickten erst einmal ihren Außenminister William Hague vor die Kameras. Er meinte, die Politiker in ganz Europa müssten jetzt auf die eindeutige Botschaft der Wähler reagieren und die EU reformieren. "Wir haben bereits angekündigt, dass wir die Beziehung zwischen Großbritannien und der EU reparieren wollen", sagte Hague. "Nach dieser Reform sollen die Briten dann in einem Referendum sagen, ob sie in der EU bleiben oder austreten wollen."

Große Freude: UKIP-Chef Nigel Farage

Große Freude: UKIP-Chef Nigel Farage

Cameron hofft auf mehr Einfluss in der EU

Die Konservativen wollen, dass in Zukunft weniger in Brüssel entschieden wird und wieder mehr in London - das will Premierminister Cameron in Verhandlungen mit den anderen EU-Regierungschefs erreichen. Seine Hoffnung: Nach den starken Ergebnissen europakritischer Parteien könnte jetzt die Bereitschaft seiner Kollegen zu einer Neuausrichtung der EU gestiegen sein.

Die oppositionelle Labour-Party hat zwar auf 25 Prozent zugelegt und ist damit als zweite aus der gestrigen Wahl hervor gegangen, doch für eine Oppositionspartei, die im nächsten Jahr wieder die Regierungsgeschäfte übernehmen will, ist das kein glanzvolles Ergebnis. Labour-Schattenminister Chuka Umunna hofft, dass die Protestwähler im kommenden Jahr bei der Unterhauswahl für Labour stimmen. "Wir sind auch wütend", sagte Umunna. "Und im Gegensatz zur UKIP können wir in der Regierung die Probleme dann auch anpacken."

England konzentriert sich auf die Unterhauswahl

Schon am Tag nach der Europawahl richten die Politiker ihren Blick auf die Wahl zum nationalen Parlament in einem Jahr. Die europafreundlichen Liberaldemokraten, die Koalitionspartner der Konservativen, sind gestern abgestürzt. Sie diskutieren jetzt darüber, ob Vize-Premier Nick Clegg noch der richtige Mann für den kommenden Wahlkampf ist. David Cameron erklärte, dass bei der Unterhauswahl die Karten neu gemischt würden.

Vor fünf Jahren stürzte die UKIP nach einem starken Ergebnis bei der Europawahl dann zur Unterhauswahl wieder ab und errang nicht ein einziges Mandat in Westminister. Das werde diesmal anders sein, rief Farage seinen Anhängern zu. Seine Volksarmee habe jetzt das Parlament in Westminster im Visier.

Dieser Beitrag lief am 26. Mai 2014 um 13:00 Uhr auf NDR Info.