Ein Bauer besprüht mit Unkrautvernichtungsmittel sein Feld. | dpa

EU verlängert Zulassung Glyphosat bleibt weitere fünf Jahre erlaubt

Stand: 27.11.2017 15:54 Uhr

Die EU-Mitgliedstaaten haben die Zulassung des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat um fünf Jahre verlängert. 18 der 28 EU-Länder stimmten für einen entsprechenden Vorschlag der EU-Kommission. Das Mittel steht im Verdacht, krebserregend zu sein.

Der Unkrautvernichter Glyphosat darf in der EU weiter verwendet werden. Die EU-Länder beschlossen, die Zulassung des umstrittenen Mittels um weitere fünf Jahre zu verlängern. 18 der 28 EU-Länder stimmten in Brüssel für einen entsprechenden Vorschlag der EU-Kommission, neun dagegen und ein Staat enthielt sich. Deutschland stimmte nach Angaben aus EU-Kreisen anders als bislang für die Zulassungsverlängerung.

Entscheidung mehrfach vertagt

Die Einigung kam kurz vor einer wichtigen Frist: Am 15. Dezember wäre die Zulassung des Mittels abgelaufen. Mehrfach war eine Entscheidung über ein Verbot oder die Verlängerung der Zulassung verschoben worden. Zuletzt war vor knapp zwei Wochen eine Abstimmung des zuständigen Fachausschusses ohne klares Votum ausgefallen. Der zuständige EU-Kommissar Vytenis Andriukaitis erklärte: "Das Votum von heute zeigt, dass, wenn wir alle es wollen, wir unsere gemeinsame Verantwortung beim Treffen von Entscheidungen teilen und akzeptieren können."

In der EU wird seit Jahren über den weit verbreiteten Unkrautvernichter gestritten; wissenschaftliche Untersuchungen kamen zu unterschiedlichen Ergebnissen, ob Glyphosat krebserregend sein könnte oder nicht. Eine Studie der Weltgesundheitsorganisation stuft Glyphosat als wahrscheinlich krebserregend ein. Untersuchungen von europäischen Lebensmittelsicherheits- und Chemiebehörden sowie aus Kanada und Japan bestätigen diesen Verdacht allerdings nicht.

Der Wirkstoff wird seit 40 Jahren auf Feldern eingesetzt. Er ist Kernbestandteil in dem umsatzstarken Mittel Roundup des US-Saatgutriesen Monsanto, den Bayer für mehr als 60 Milliarden Dollar kaufen will.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. November 2017 um 16:00 Uhr.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

avatar
BerndFliegener 27.11.2017 • 23:38 Uhr

Zur Behauptung Glyphosat sei unbedenklich

Die Behauptung (der Glaube) unseres Noch-Agrarministers, er habe (allein) auf wissenschaftlicher Grundlage entschieden ist falsch. Ich bedaure zutiefst , dass der Aufdeckungsjournalismus in dieser Angelegenheit nicht so funktioniert, wie z.B. bei den Paradise Papers. Die Behauptungen von Monsanto und jenen (angeblich) "wissenschaftlichen" Instituten, die in ihren Stellungnahmen teilweise wortwörtlich die Bewertungen von Monsanto abgeschrieben haben (!) Glyphosat sei gesundheitlich unbedenklich sind falsch. Der Umgang mit diesem Thema ein (weiterer) unglaublicher Skandal. Wissenschaftler, die Monsanto- Studien repliziert haben sind zu völlig anderen Ergebnissen gekommen. Die Dosis LD 50, (in mg/l) die nötig ist, um innerhalb von 48 Stunden die Hälfte einer Population des Referenzlebewesens Daphnia magna (Wasserfloh) mit Glyphosat zu töten, wird von Monsanto mit angeblich 930mg angegeben. In der Replikationsstudie (Thomas Bohn, Univ. Tromso/) waren weniger als 10mg (!) nötig!