Ein Traktor fährt bei Göttingen (Niedersachsen) über ein Feld und bringt Glyphosat aus | dpa

Streit um Zulassung EU-Kommission rudert bei Glyphosat zurück

Stand: 24.10.2017 16:54 Uhr

Die EU-Kommission ist beim Streit um die weitere Zulassung von Glyphosat zurückgerudert. Sie will nur noch eine Verlängerung von fünf bis sieben Jahren durchsetzen - statt der bisher geplanten zehn Jahre. Das EU-Parlament hatte zuvor für ein schrittweises Verbot bis 2022 gestimmt.

Die EU-Kommission ist von ihrem Vorschlag abgerückt, die Zulassung des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat um weitere zehn Jahre zu verlängern. Wie ein Sprecher nach der wöchentlichen Sitzung der Kommission in Straßburg sagte, strebt die Behörde nun eine Verlängerung zwischen fünf und sieben Jahren an. Das Europaparlament hatte zuvor in einer Resolution gefordert, die Zulassung im Dezember 2022 auslaufen zu lassen. Die bisherige Zulassung von Glyphosat endet am 15. Dezember.

Am Mittwoch berät der zuständige Fachausschuss der Mitgliedstaaten über die weitere Zulassung. Die EU-Kommission hatte für das Treffen bisher eine Verlängerung um zehn Jahre vorgeschlagen. Nun habe sie ihren Vertreter in dem Gremium angewiesen, einen Verlängerungszeitraum zwischen fünf und sieben Jahren anzustreben, so ein Kommissions-Sprecher. Dabei sollten "die Risikoanalyse" des Europaparlaments sowie internationale Untersuchungen in Betracht gezogen werden.

Stichwort: Glyphosat

Glyphosat ist eine chemische Verbindung aus der Gruppe der Phosphonate. Es ist Hauptbestandteil verschiedener am Markt erhältlicher Unkrautvernichtungsmittel. Pflanzenschutzmittel, die Glyphosat enthalten, gehören zu den weltweit am häufigsten verwendeten Herbiziden. Pflanzen nehmen Glyphosat durch ihre Blätter und andere grüne Pflanzenteile auf. Glyphosat blockiert die Produktion bestimmter Aminosäuren, die wichtig für das Wachstum der Pflanzen sind. Während die Internationale Behörde für Krebsforschung (IARC), eine Unterorganisation der WHO, in einer neuen Bewertung zum Schluss kommt, das Glyphosat für den Menschen wahrscheinlich krebserzeugend ist, ergaben zuvor andere Studien - wie die der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) - keine Hinweise darauf. 2015 kritisierten 96 Wissenschaftler aus 25 Ländern die Ergebnisse der EFSA-Studie, und forderten die Europäische Kommission auf, "das fehlerhafte Ergebnis der EFSA zu Glyphosat bei Ihrer Formulierung der Umwelt- und Gesundheitspolitik in Bezug auf Glyphosat außer Acht zu lassen und eine transparente, offene und glaubwürdige Prüfung der wissenschaft­lichen Literatur zu verlangen".

Studien kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen

Der Einsatz des weit verbreiteten Unkrautvernichters ist in Europa hoch umstritten: Das Internationale Krebsforschungszentrum der Weltgesundheitsorganisation stufte Glyphosat als "wahrscheinlich" krebserregend ein; die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) und die EU-Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) kamen zum gegenteiligen Schluss.

Bereits 2016 hatte die Zulassung von Glyphosat für Ärger gesorgt. Die EU-Regierungen konnten sich damals nicht auf ein Verbot oder eine Verlängerung einigen. Damit musste die EU-Kommission entscheiden, die die Zulassung dann vorläufig um anderthalb Jahre verlängerte.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 24. Oktober 2017 um 17:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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G-Townler 24.10.2017 • 20:46 Uhr

Zulassung aussetzen bis die Sache einwandfrei geklärt ist

Ich wäre dafür, die Zulassung auszusetzen. Solange nicht absolut klar ist, ob oder ob nicht von einer Schädlichkeit auszugehen ist. Da sollten die sich auch nicht von Lobbyisten beeinflussen lassen. Und wenn es klar ist, was Sache ist, sollte das transparent der Öffentlichkeit dargelegt werden. Da ist jetzt ja schon viel Panik im Spiel. Ich habe letztens meinen Bürgersteig mit einem ausgewiesen glyhosatfreien Mittel bearbeiten müssen, weil sich diesen Sommer ungewöhnlich viel Unkraut angesammelt hat, da bekommen die Leute hier trotzdem pure Panik und Schweißausbrüche. Da kann man mal sehen, wozu diese ganze Diskussion um Glyphosat schon geführt hat. Jetzt trauen viele keinem Mittel mehr, egal, was drin ist.