Ein Schlauchboot, mit dem vermutlich Migranten über den Ärmelkanal gekommen sind, liegt am Strand in Großbritannien. | dpa

Forderung aus Frankreich Frontex soll auch an den Ärmelkanal

Stand: 25.07.2021 10:34 Uhr

Wegen der zunehmenden Zahl von Migranten, die versuchen, über den Ärmelkanal nach Großbritannien zu kommen, fordert Frankreich eine Ausweitung des Frontex-Einsatzes. Die EU-Grenzschützer müssten auch an den Nordgrenzen aktiv werden.

Der französische Innenminister Gérald Darmanin fordert, dass die EU-Grenzschutzagentur Frontex auch an den EU-Nordgrenzen aktiv werden soll. Er habe Frontex selbst kontaktiert und darum gebeten, sich auch um Nordeuropa zu kümmern, besonders um die Meerenge zwischen Frankreich und Großbritannien, sagte Darmanin in der Hafenstadt Calais.

In den vergangenen Jahren haben zahlreiche Flüchtlinge und Migranten versucht, in Booten über den Ärmelkanal nach England zu gelangen. Wegen des hohen Verkehrsaufkommens in der Meerenge, den starken Strömungen und den kalten Temperaturen ist die Überfahrt mit zahlreichen Risiken verbunden. Trotzdem machen sich immer wieder Migranten von Frankreich aus auf die gefährliche Überfahrt. Sie kommen oft aus Flüchtlingslagern, viele nehmen die Dienste von Schleppern in Anspruch.

Frankreich und Großbritannien wollen zusammenarbeiten

Darmanin begrüßte die Einigung zwischen Großbritannien und Frankreich in der vergangenen Woche, nach der London Paris mit knapp 63 Millionen Euro bei der Eindämmung der illegalen Migration unterstützen will. Frankreich hatte versprochen, mehr Sicherheitskräfte entlang der Küste einzusetzen. 

Im vergangenen Jahr haben laut den französischen Behörden mehr als 9500 Menschen versucht, über den Ärmelkanal zu kommen, mehr als viermal so viele wie im Jahr 2019. Sechs Menschen starben, drei wurden als vermisst gemeldet. 

Britische Behörden rechnen mit weiteren Anstieg

In diesem Jahr ist die Zahl der Menschen, die es geschafft haben, die Meerenge in kleinen Booten vom Kontinent nach England zu überqueren, schon jetzt höher als im ganzen vergangenen Jahr. Nach Zahlen des britischen Innenministeriums erreichten bis zu dieser Woche mindestens 8452 Migranten die englische Küste. Allein am vergangenen Montag überquerten innerhalb von 24 Stunden 430 Menschen den Ärmelkanal illegal in Richtung Großbritannien.

Die britischen Behörden rechnen laut einem Medienbericht in diesem Jahr mit mehreren Tausend Migranten. Der Zeitung "Times" zufolge könnte die Zahl im Lauf des Jahres auf rund 22.000 ansteigen. Unter Berufung auf Quellen bei den Grenzbehörden heißt es, die Berechnung entsprächen den Erwartungen der Behörden.

Patel plant schärferes Asylrecht

Die britische Innenministerin Priti Patel kündigte an, Asylsuchenden, die über illegale Routen ins Land gelangen, langfristig weniger Rechte geben zu wollen als anderen. Mit Blick auf andere Länder ist die Zahl der Asylsuchenden im Vereinigten Königreich vergleichsweise niedrig: In Deutschland wurden 2020 mehr als 100.000 Asylerstanträge gestellt, im Vereinigten Königreich beantragten innerhalb von zwölf Monaten bis März 2021 etwa 32.000 Menschen Asyl.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. Juli 2021 um 12:00 Uhr.