Mario Draghi und Ursula von der Leyen | EPA

G20-Gesundheitsgipfel Milliarden Impfdosen für ärmere Länder

Stand: 21.05.2021 21:05 Uhr

Beim Gesundheitsgipfel der G20-Staaten haben Pharmafirmen die Lieferung von mehr als 2,3 Milliarden Impfdosen zum Selbstkostenpreis an arme Länder versprochen. Kanzlerin Merkel sagte, Deutschland werde weitere 30 Millionen Dosen spenden.

Im Kampf gegen die Pandemie und ihre Folgen will die internationale Gemeinschaft enger zusammenarbeiten und dabei auch ärmere Länder mit ins Boot holen. Zum Abschluss des Welt-Gesundheitsgipfels in Rom einigten sich die G20-Staaten auf eine stärkere Kooperation in allen Bereichen der Gesundheitsversorgung, um gegen globale Krisen künftig besser gewappnet zu sein.

Impfstoff zum Selbstkostenpreis

In der aktuellen Corona-Pandemie sollen einkommensschwache Staaten besseren Zugang zu Impfstoffen erhalten. Konkret versprachen die Pharmakonzerne BioNTech/Pfizer, Moderna und Johnson & Johnson laut der Nachrichtenagentur dpa, noch in diesem Jahr 1,3 Milliarden Einheiten zum Vorzugspreis zu liefern. 2022 soll dann noch mal mindestens eine Milliarde folgen. Die Nachrichtenagentur AFP berichtet sogar von insgesamt 3,5 Milliarden Impfdosen.

Die Lieferungen für Entwicklungs- und Schwellenländer sollen in der zweiten Jahreshälfte beginnen. Die ärmsten Staaten sollen nur die Herstellungskosten bezahlen müssen, für Entwicklungsländer soll ein "Niedrigkostenpreis" gelten.

"Während wir uns schon auf die nächste Pandemie vorbereiten, muss es unsere Priorität sein, sicherzustellen, dass wir alle gemeinsam die aktuelle Pandemie überwinden", sagte Italiens Ministerpräsident Mario Draghi, dessen Land derzeit den Vorsitz der G20-Staaten innehat. "Wir müssen die Welt impfen - und zwar schnell."

Deutschland spendet 30 Millionen Impfdosen

Darüber hinaus will die EU dem internationalen Impfprogramm Covax sowie Entwicklungs- und Schwellenländern bis Ende des Jahres mindestens 100 Millionen Corona-Impfdosen spenden. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte dazu in Berlin, Deutschland werde 30 Millionen Dosen davon bereitstellen. Die Lieferung solle "vorzugsweise an Entwicklungsländer" gehen.

Um künftigen Pandemien besser begegnen zu können, werde unter Führung der EU derzeit ein "Pandemie-Vertrag" entwickelt. Dieser solle die Länder und die internationalen Organisationen besser auf solche Krisen vorbereiten. Merkel betonte, dazu müsse auch die Rolle der Weltgesundheitsorganisation WHO gestärkt werden.

EU will Impfstoff-Produktionsstätten in Afrika

Merkel betonte in ihrer Rede auch, dass arme Länder, etwa in Afrika, in die Lage gebracht werden müssten, eine eigene Impfstoffproduktion aufzubauen. So will auch die EU den Bau von Standorten für die Impfstoffproduktion in Afrika mit einer Milliarde Euro fördern. "Afrika importiert heute 99 Prozent seiner Impfstoffe und das muss sich ändern", sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Die sogenannten Hubs sollen ihr zufolge über den Kontinent verteilt errichtet werden. Über die genauen Standorte gab es noch keine Informationen. Aus Kommissionskreisen hieß es, dass dabei vor allem die Infrastruktur, das wissenschaftliche Umfeld und das Angebot an Fachkräften vor Ort ausschlaggebend seien.

Bei einer möglichen Gesundheitskrise in der Zukunft könnten an den Standorten dann Impfstoffe hergestellt werden, afrikanische Länder hätten schneller Zugang, um ihre Bevölkerung impfen zu können. Bislang verlief die Corona-Impfkampagne in Afrika wegen fehlenden Impfstoffs langsamer.

Bessere Prävention in Abschlusserklärung vereinbart

Ein wichtiges Thema des Gipfels war neben dem Zugang zu Impfstoffen auch die Frage, welche Lehren sich aus der weltweiten Corona-Krise ziehen lassen, um künftige Pandemien zu vermeiden. In ihrer Abschlusserklärung einigten sich die Staats- und Regierungschefs darauf, weltweit in bessere Gesundheitssysteme und medizinisches Personal zu investieren, untereinander mehr Daten auszutauschen, gemeinsame Frühwarnsysteme weiterzuentwickeln, die Erforschung und Überwachung von Krankheiten bei Mensch und Tier zu verbessern sowie Krisenmaßnahmen und Reaktionen besser zu koordinieren. 

Auch das heftig umstrittene Thema von Patenten und Lizenzen auf Impfstoffe wurde bei dem Gipfel angesprochen. Dem Vorschlag einer vorübergehenden globalen Aufhebung des Patentschutzes für Corona-Vakzine stimmten die Teilnehmer allerdings nicht zu. Stattdessen setzten sie in ihrer Abschlusserklärung auf "freiwillige Lizenzabkommen für geistiges Eigentum, den freiwilligen Technologie- und Wissenstransfer sowie die Bündelung von Patenten auf der Grundlage einvernehmlich festgelegter Bedingungen".

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. Mai 2021 um 15:00 Uhr.