Ministerpräsident Edi Rama bei einer Wahlkampfveranstaltung | AP

Parlamentswahl in Albanien Viel Korruption - wenig Vertrauen

Stand: 27.04.2021 12:59 Uhr

In Albanien wird ein neues Parlament gewählt. Ministerpräsident Rama bewirbt sich um eine dritte Amtszeit, sieht sich jedoch einem Oppositionsbündnis gegenüber - und einem schwindenden Vertrauen in die Politik.

Von Andrea Beer, ARD-Studio Wien

3,5 Millionen Wahlberechtige können zwischen zwölf Parteien und Bündnissen wählen, doch die zwei Großen machen das Rennen unter sich aus: die Sozialisten von Regierungschef Edi Rama und die oppositionellen Demokraten von Lulzim Basha, die als "Demokratische Partei - Allianz für den Wandel" in einem Bündnis antreten.

Andrea Beer ARD-Studio Wien

Im Wahlkampf versprachen sie unter anderem niedrige Steuern, neue Arbeitsplätze, Konzepte gegen die Abwanderung und eine Hochschulreform.  Laut letzten Umfragen liegt die Demokratische Partei zwischen 36 und rund 43 Prozent und damit hinter den seit 2013 regierenden Sozialisten. Diesen wird bis zu 48 Prozent vorhergesagt.

Rama glaubt an weitere Amtszeit

Wahlumfragen sind in Albanien mit Vorsicht zu genießen, doch Ministerpräsident Edi Rama gab sich siegessicher. Albanien hat zurzeit eine niedrige Sieben-Tage-Inzidenz mit um die 30 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. Rama sieht den Umgang mit der Corona-Pandemie als Erfolg - genau wie Investitionen in die albanische Infrastruktur aus der Türkei oder Saudi-Arabien und den Wiederaufbau nach dem Erdbeben Ende 2019.

Kritiker monieren fehlende Reformen - etwa bei der Korruptionsbekämpfung und in der Justiz. Vielen Menschen fehlt das Vertrauen in staatliche Institutionen und Parteien. Eine Briefwahl ist trotz Corona nicht möglich, was vor allem die rund 1,5 Millionen albanischen Wahlberechtigten im Ausland betrifft. Die mehr als 5000 Wahllokale im Land schließen um 19 Uhr. Erste Ergebnisse werden im Laufe der Nacht erwartet.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. April 2021 um 10:00 Uhr.