Russische Fallschirmjäger steigen in ein Flugzeug für Luftlandeübungen (Symbolbild) | dpa

Ukraine-Konflikt Pentagon befürchtet russische Offensive

Stand: 04.12.2021 08:53 Uhr

Einem Bericht des US-Geheimdienstes zufolge plant Russland im Konflikt mit der Ukraine eine Offensive mit bis zu 175.000 Soldaten. Das berichtet die "Washington Post". Die Hälfte der Soldaten soll bereits an die Grenze verlegt worden sein.

Bis zu 175.000 Soldaten, 100 taktische Bataillone, samt Panzern, Artillerie und Ausrüstung: So sieht, nach einem Bericht der "Washington Post", der Plan des Kreml für einen Angriff auf die Ukraine aus. Dabei bezieht sich die Zeitung unter anderem auf einen US-Geheimdienstbericht, der ihr vorliegt.

Auf den dazugehörenden Satellitenfotos sei zu erkennen, dass Russland Truppen und Ausrüstung an vier Orten nahe der Grenze zur Ukraine versammle. 50 taktische Bataillone mit etwa 70.000 Soldaten seien bereits verlegt. Dem Zeitungsbericht zufolge sammeln sich die russischen Streitkräfte derzeit an vier Punkten. Die Bewegungen zur Grenze hin und von der Grenze weg sollen das taktische Vorgehen demnach verschleiern und Unsicherheit schüren.

US-Geheimdienste "zutiefst besorgt"

Schon Anfang kommenden Jahres wolle Moskau für eine mögliche Offensive bereit sein, die von mehreren Flanken aus erfolgen könne. Der US-Geheimdienst zeigte sich "zutiefst besorgt über Hinweise, dass Russland Pläne für aggressive Aktionen gegen die Ukraine geschmiedet hat". Washington unterstütze "weiterhin die Deeskalation in der Region und eine diplomatische Lösung des Konflikts in der Ostukraine", sagte Pentagon-Sprecher Tony Semelroth.

US-Präsident Joe Biden warnte seinen Amtskollegen Wladimir Putin angesichts der Besorgnis über den Truppenaufmarsch und der zunehmend kriegerischen Rhetorik aus dem Kreml. Biden erklärte, er sei dabei die "umfassendste und bedeutendste Reihe von Initiativen vorzubereiten, um es für Herrn Putin sehr sehr schwer zu machen, das zu tun, was viele befürchten".

Ukraine befürchtet Angriff "Ende Januar"

Die US-Regierung warnt seit Tagen vor einem möglichen russischen Angriff auf die Ukraine und droht mit Sanktionen. Moskau dementiert und wirft der NATO vor, die Spannungen in der Region zu befeuern. Biden und Putin könnten schon nächste Woche im direkten Gespräch versuchen, die Situation zu entschärfen. Laut russischem Außenministerium wird eine Videoschalte zwischen den beiden Präsidenten vorbereitet.

Die Ukraine befürchtet in wenigen Wochen einen Angriff Russlands. "Der wahrscheinlichste Zeitpunkt zur Eskalationsbereitschaft ist Ende Januar", sagte der ukrainische Verteidigungsminister Oleksi Resnikow am Freitag. Der ukrainische Geheimdienst analysiere derzeit alle möglichen Szenarien. 


Mit Informationen von Julia Kastein, ARD-Studio Washington

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. Dezember 2021 um 08:55 Uhr.