Flüchtlinge, meist Frauen mit Kindern, kommen am Sonntag am Grenzübergang in Medyka, Polen, an. | dpa

UNHCR zur Flucht aus der Ukraine 1,5 Millionen Menschen in zehn Tagen

Stand: 06.03.2022 13:10 Uhr

Die Vereinten Nationen sprechen von der am schnellsten wachsenden Flüchtlingskrise seit dem Zweiten Weltkrieg: Allein nach Polen sind rund 922.400 Menschen aus der Ukraine geflohen.

Seit dem Beginn des russischen Kriegs in der Ukraine sind nach Angaben des Chefs des UN-Flüchtlingshilfswerks, Filippo Grandi, mehr als 1,5 Millionen Menschen in andere Länder geflüchtet.

"Dies ist nun die am schnellsten wachsende Flüchtlingskrise seit dem Zweiten Weltkrieg", teilte die Organisation auf Twitter mit. In den kommenden Tagen würden weitere Millionen Menschen entwurzelt, wenn dieser sinnlose Konflikt nicht sofort beendet werde.

Angesichts der sich intensivierenden Kämpfe dürfte die Zahl der täglich außer Landes Flüchtenden weiter steigen. Nach UN-Schätzungen könnten insgesamt vier Millionen Menschen die Ukraine verlassen wollen.

Die meisten Menschen fliehen nach Polen

Die Zahl der nach Polen geflüchteten Menschen aus der Ukraine könnte heute auf über eine Million steigen. Nach Angaben des Grenzschutzes sind seit dem Beginn des Kriegs rund 922.400 Flüchtlinge aus dem Nachbarland eingetroffen. Allein am Samstag fertigten polnische Grenzschützer nach neuen Daten 129.000 Menschen an den Grenzübergängen ab - so viele wie noch nie an einem Tag. Heute seien es bereits bis zum Morgen 39.800 gewesen, teilte die Behörde per Twitter mit.

Die Karte zeigt die Fluchtbewegungen von Menschen aus der Ukraine in andere europäische Länder.

"Die Abfertigung ist so einfach wie möglich", sagt die Sprecherin des polnischen Grenzschutzes, Anna Michalska. "Es geht darum, die Identität der Personen zu bestätigen, Dokumente zu überprüfen und die Datenbanken zu kontrollieren, ob es sich nicht um gesuchte Personen handelt. Das dauert ein paar Minuten."

Am Grenzübergang Medyka, dem verkehrsreichsten Polens, strömten die Menschen an Kartons mit Kleidung vorbei, die entlang eines Weges vom Grenzübergang aufgestellt waren. Helfer verteilten heißen Tee, Lebensmittel und Hygieneartikel. Einige Geflüchtete trugen Säuglinge, andere Hunde und Katzen, eingewickelt in Decken. Viele reihten sich ein in die Warteschlange für die Busse in die nahe gelegene Stadt Przemysl, wo Freunde, Verwandte und Freiwillige warteten, um sie in andere Städte in Polen und darüber hinaus zu bringen.

230.000 Flüchtlinge in Moldau

In die benachbarte Republik Moldau sind mehr als 230.000 Ukrainerinnen und Ukrainer geflohen. Davon seien etwa 120.000 im Land geblieben, sagte Ministerpräsidentin Natalia Gavrilita bei einem Treffen mit US-Außenminister Antony Blinken in Chisinau. Für ein kleines Land wie Moldau sei das eine sehr große Zahl. Ihr Land werde Unterstützung benötigen, um den Zustrom zu bewältigen. Die frühere Sowjetrepublik zählt etwa 2,6 Millionen Einwohner.

Die Bürger hätten eine große Hilfsbereitschaft gezeigt, betonte die Regierungschefin: "Alle haben sich zusammengetan, um die Menschen, die vor dem Krieg fliehen, aufzunehmen, zu beherbergen, mit Nahrungsmitteln zu versorgen und ihnen zu helfen." Dennoch benötige Moldau Hilfe, "um diesen Zustrom zu bewältigen, und zwar schnell".

Blinken, der sich derzeit als dritte Station seiner Europareise in Moldau aufhält, bekräftigte die Hilfsbereitschaft der USA. Moldau könne "in allen Bereichen auf unsere Unterstützung zählen".

Aber die Menschen fliehen auch in andere Länder: Rumänien verzeichnete rund 227.500 Geflüchtete und Ungarn über 163.000. Fast 114.000 Menschen haben die Slowakei erreicht.