Ukrainische Soldaten mit Gewehren halten Stellung in Kiew | AP

Russischer Angriff Ukraine erhält Waffen-Unterstützung

Stand: 26.02.2022 13:04 Uhr

Immer mehr westliche Partner wollen der Ukraine mit Waffen aushelfen: Auf einer Geberkonferenz sollen mehr als 20 Zusagen zusammengekommen sein. Es geht um Flugabwehrraketen, Gewehre und Munition - allerdings weiterhin nicht aus Deutschland.

Die internationale Gemeinschaft will die Ukraine verstärkt mit der Lieferung von Militärgütern unterstützen. So haben nach britischen Angaben rund zwei Dutzend Staaten bei einer Geberkonferenz dem angegriffenen Land "militärische und humanitäre Hilfe" zugesagt. Man erwäge jede Option, um Kiew in seiner Verteidigung gegen "Präsident Putins grundlose und illegale Invasion" zu unterstützen, teilte das britische Verteidigungsministerium per Twitter mit. Die Konferenz fand unter britischer Führung am Freitagabend virtuell statt.

Aus Ministeriumskreisen hieß es, die militärische Unterstützung beinhalte Munition und Anti-Panzer-Waffen. Großbritannien habe zudem angeboten, mit "logistischen Operationen" die Spenden in die Ukraine zu bringen. Dänemark teilte mit, 2000 schusssichere Westen und 700 Sanitätstaschen in die Ukraine schicken zu wollen.

Raketen aus den Niederlanden, Maschinengewehre aus Tschechien

Konkrete Zusagen sind unter anderem von den Niederlanden bekannt, die 200 Luftabwehrraketen an die Ukraine liefern wollen. Die Raketen vom Typ "Stinger" sollten so schnell wie möglich bereitgestellt werden, erklärt die Regierung in einem Schreiben an das Parlament. Das Land hatte Anfang des Monats zugesagt, unter anderem Gewehre, Munition, Radarsysteme und Minensuchroboter an die Ukraine zu liefern.

Auch Tschechien kündigte an, Waffen und Munition im Wert von 7,6 Millionen Euro an die Ukraine zu liefern. Dabei handele es sich um Maschinengewehre, Sturmgewehre und andere leichte Waffen. Die Waffen würden an einen Ort geliefert, der von der ukrainischen Seite bestimmt werde. Tschechien hatte zuvor bereits beschlossen, der Ukraine rund 4000 Artilleriegranaten im Wert von 36,6 Millionen Kronen zu spenden.

"Ich freue mich, dass weitere Verbündete defensive und humanitäre Hilfe angeboten haben", twitterte Premierminister Boris Johnson. Einem Bericht des britischen Senders Sky-News zufolge waren an der Konferenz auch die USA und mehrere Länder beteiligt, die nicht der NATO angehören.

Selenskyj: "Werden Waffen nicht niederlegen"

Auch Ukraines Präsident Wolodymyr Selenskyj kündigte die Waffenlieferungen an. "Waffen und Ausrüstung unserer Partner sind auf dem Weg in die Ukraine. Die Anti-Kriegs-Koalition funktioniert", schrieb er auf Twitter nach einem Telefonat mit seinem französischen Amtskollegen Emmanuel Macron. Kurz zuvor hatte Selenskyj in einer Videobotschaft Falschinformationen im Internet zurückgewiesen, wonach er die ukrainischen Streitkräfte zur Kapitulation aufgerufen habe. "Wir werden die Waffen nicht niederlegen und wir werden unser Land verteidigen", sagte er.

Deutschland bleibt beim Nein

Auch nach dem russischen Angriff bleibt die Bundesregierung bei ihrer ablehnenden Haltung gegenüber der Lieferung tödlicher Waffen an die Ukraine. Eine Wunschliste der ukrainischen Botschaft mit militärischer Ausrüstung wird seit mehr als drei Wochen geprüft. Am Samstag wurden jedoch nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa die von Deutschland versprochenen 5000 Helme an das ukrainische Militär übergeben. Die Helme waren am Freitag in zwei Lastwagen auf den Weg gebracht worden. Es ist bisher die einzige Rüstungshilfe, die die Bundesregierung der Ukraine in der aktuellen Krise zugesagt hat.

Die Helme waren von der ukrainischen Regierung angefordert worden. Verteidigungsministerin Christine Lambrecht  hatte die Rüstungshilfe als "ganz deutliches Signal" gewertet, dass Deutschland an der Seite der Ukraine stehe. Allerdings wird die weitgehende deutsche Zurückhaltung bei Waffenlieferungen immer wieder scharf kritisiert.

Zuletzt veröffentlichte der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, einen Aufruf an die Bundesregierung. In einem Begleitpost auf Twitter schreibt der Diplomat: "Liebe Bundesregierung, wie lange wollen Sie noch tatenlos zusehen, wie wir Ukrainer vor Ihren Augen von (Russlands) Luftwaffe und Raketen ermordet und Städte bombardiert werden? Wir brauchen dringend (deutsche) Flugabwehrraketen, um Menschen zu schützen. Das wäre echte Solidarität."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. Februar 2022 um 15:00 Uhr.