Ein Bild aus der Videobotschaft des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Kiew. | dpa

Melitopol Selenskyj fordert Freilassung von Bürgermeister

Stand: 12.03.2022 14:26 Uhr

Russische Soldaten haben laut dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj den Bürgermeister der Stadt Melitopol entführt. In einer Videobotschaft fordert er dessen Freilassung und nennt die Tat ein "Zeichen der Schwäche".

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Freilassung des Bürgermeisters der von russischen Truppen besetzten Stadt Melitopol gefordert. Druck auf Bürgermeister oder ihre "physische Eliminierung" werde Russland nicht dabei helfen, ukrainische Städte zu übernehmen, sagte Selenskyj in einer Videoansprache. Ein derartiges Vorgehen sei ein "Zeichen der Schwäche" Russlands. Das Vorgehen gleiche Aktionen von "IS-Terroristen", so Selenskyj.

Moskau habe wohl damit gerechnet, mehr Unterstützung in der Ukraine vorzufinden, sagte Selenskyj weiter. Sie hätten aber keine Leute gefunden, die ihnen Städte einfach übergeben hätten.

Eigenen Angaben zufolge hat Selenskyj auch westliche Staaten darum gebeten, sich für die Freilassung von Iwan Fedorow einzusetzen. Auch von Bundeskanzler Olaf Scholz und dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron habe er Hilfe gefordert. Er werde mit "allen notwendigen Leuten" sprechen, um Fedorow freizubekommen, versprach Selenskyj: "Wir erwarten, dass die Spitzenpolitiker der Welt uns zeigen, wie sie die Situation beeinflussen können."

Separatisten fahnden nach Bürgermeister

Kiew hatte gestern erklärt, dass der Bürgermeister des südukrainischen Melitopol, Fedorow, entführt worden sein soll. Dies ließ sich nicht unabhängig überprüfen. In einem Videofragment war zu sehen, wie Vermummte einen Mann aus einem zentralen Gebäude mitnehmen. Die im südukrainischen Gebiet Saporischschja gelegene Stadt Melitopol zählt rund 150.000 Einwohner. Russische Truppen hatten die Hafenstadt am 26. Februar eingenommen.

Das Büro der Staatsanwaltschaft in der von Moskau unterstützten Separatistenregion Luhansk im Osten der Ukraine teilte auf seiner Webseite mit, dass eine Strafsache gegen Federow vorliege. Zur Last gelegt würden ihm "terroristische Aktivitäten" und die Finanzierung einer nationalistischen Miliz namens Rechter Sektor, um "Terrorakte gegen Zivilisten im Donbass zu verüben". Es fahnde nach Federow, erklärte das Büro der Staatsanwaltschaft. Jeder, der Informationen über dessen Aufenthaltsort habe, solle sich melden.

Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

Appell an Mütter russischer Soldaten

Selenskyj rief zudem russische Mütter vor allem von Wehrpflichtigen dazu auf, sich genau darüber zu informieren, wo ihre Söhne sich befänden. Sie sollten nicht glauben, wenn es hieße, diese würden auf Übungen geschickt. "Schicken Sie Ihre Kinder nicht in den Krieg in einem fremden Land", sagte Selenskyj.

"Überprüfen Sie, wo Ihr Sohn ist. Und wenn Sie auch nur den geringsten Verdacht haben, dass Ihr Sohn in den Krieg gegen die Ukraine geschickt werden könnte, handeln Sie sofort", um zu verhindern, dass er getötet oder gefangen genommen werde, sagte der ukrainische Präsident. "Die Ukraine hat diesen schrecklichen Krieg nie gewollt", fügte Selenskyj hinzu. Sein Land werde sich aber gegen den russischen Angriff verteidigen. 

Russland hatte am Mittwoch erstmals den Einsatz von Wehrpflichtigen in der Ukraine zugegeben. Präsident Wladimir Putin habe die Anweisung erteilt, den Einsatz von Wehrpflichtigen "kategorisch auszuschließen", erklärte das Verteidigungsministerium. Am Montag hatte Putin noch versichert, dass er keine Wehrpflichtigen oder Reservisten in die Ukraine schicken werde und dass nur "Profis" die Aufgabe hätten, die "festgelegten Ziele" zu erfüllen.

Bereits in den ersten Tagen des russischen Angriffs auf die Ukraine hatte es Berichte vom Einsatz sehr junger Wehrpflichtiger gegeben. Im Internet häuften sich die Appelle von russischen Müttern, die nichts von ihren Söhnen gehört hatten, die in die Ukraine geschickt worden waren.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. März 2022 um 03:00 Uhr und 06:00 Uhr in den Nachrichten.