Wolodomyr Selenskyj | AFP

Krieg gegen die Ukraine Lyman "vollständig geräumt"

Stand: 02.10.2022 17:47 Uhr

Die strategisch wichtige Stadt Lyman ist laut Präsident Selenskyj vollständig zurückerobert worden. Sie liegt in einer der Regionen, die Russland annektiert hat. Aus dem Süden der Ukraine melden Behörden mehrere russische Drohnenangriffe.

Die ukrainische Stadt Lyman wird laut dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj wieder vollständig von den Truppen des Landes kontrolliert. Seit 12.30 Uhr Ortszeit (13.30 Uhr deutscher Zeit) sei die Stadt "vollständig geräumt", sagte Selenskyj in einer kurzen Videobotschaft.

Weiter unklar ist, wie viele russische Soldaten in der Stadt gefallen sind oder gefangen genommen wurden. Zuvor hatten ukrainische Behörden von 5000 russischen Soldaten gesprochen, die in der Stadt eingekesselt seien. Das russische Verteidigungsministerium hatte am Samstag den Rückzug der eigenen Truppen verkündet, um eine Einkesselung zu verhindern.

Weitere strategische Orte in Reichweite

Lyman liegt in der Region Donezk und damit in den Gebieten, die in den nächsten Tagen auch formal von Russland annektiert werden sollen. Die Rückeroberung Lymans zeige aber, dass die Ukraine Fortschritte mache und in der Lage sei, die russischen Truppen zurückzudrängen, sagte NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Der beste Weg auf die russischen Annexionen zu reagieren sei, die ukrainische Regierung in Kiew weiter zu unterstützen.

Nach der Rückeroberung Lymans befinden sich nun die ebenfalls strategisch wichtigen Orte Kreminna und Swatowe in Reichweite der ukrainischen Armee. Sie liegen in der Nachbarregion Luhansk im Osten der Ukraine und sind wichtige Verkehrsknotenpunkte.

Bei der ukrainischen Gegenoffensive im Süden das Landes will Russland den Ukrainern große Verluste zugefügt haben. Bei Kämpfen in den Regionen Myolajiw und Cherson seien mehr als 240 ukrainische Soldaten getötet und 31 Panzer zerstört worden. Der Wahrheitsgehalt dieser Darstellung lässt sich unabhängig derzeit nicht überprüfen.

Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

Drohnenangriffe im Süden

Mit Drohnen hat Russland die südukrainische Stadt Krywyj Rih angegriffen, die Heimatstadt Selenskyjs. Bei dem Angriff seien zwei Stockwerke eines Schulgebäudes zerstört worden, erklärte der Gouverneur der Region, Walentyn Resnitschenko. Auch Saporischschja sei wieder angegriffen worden, erklärten die dortigen Behörden.

Weiß schraffiert: Vormarsch der russischen Armee. Grün schraffiert: von Russland unterstützte Separatistengebiete. Krim: von Russland annektiert. | ISW/1.10.2022

Weiß schraffiert: Vormarsch der russischen Armee. Grün schraffiert: von Russland unterstützte Separatistengebiete. Krim: von Russland annektiert. Bild: ISW/1.10.2022

Russland setzt seit einigen Wochen Drohnen iranischer Bauart ein. Darunter sind auch sogenannte Kamikaze-Drohnen, die mit Sprengstoff beladen sind und in ihr Ziel fliegen. Die ukrainische Flugabwehr erklärte, in der Nacht fünf Drohnen iranischer Bauart abgeschossen zu haben, zwei weitere seien aber durchgekommen.

Minen bleiben Gefahr

Auch Gebiete, in denen nicht mehr gekämpft wird, haben weiter unter dem Krieg zu leiden. So sind nach Angaben der lokalen Behörden vier Männer in Tschernihiw getötet worden, als sie mit ihrem Auto im Wald auf eine Mine fuhren. Sie hätten Pilze sammeln wollen. Tschernihiw liegt im Norden des Landes, von wo sich die russischen Truppen im April zurückgezogen hatten.

Reaktionen auf Annexionen

Die völkerrechtswidrigen Annexionen ukrainischer Gebiete sind von zahlreichen Staaten heftig kritisiert worden. Als Reaktion hat Deutschland den russischen Botschafter in Berlin einbestellt. Auch Italien bestellte den Botschafter für Montag ein, Belgien hatte dies bereits am Freitag getan.

Auch neun ost- und südosteuropäische NATO-Staaten wiesen die Annexionen in einer gemeinsamen Erklärung zurück und verurteilten sie: "Wir bekräftigen unsere Unterstützung für die Souveränität und territoriale Integrität der Ukraine. Wir erkennen Russlands Versuche, ukrainisches Territorium zu annektieren, nicht an und werden diese niemals anerkennen", hieß es darin.

"Wir unterstützen die Ukraine bei ihrer Verteidigung gegen die russische Invasion, fordern Russland auf, sich unverzüglich aus allen besetzten Gebieten zurückzuziehen, und ermutigen alle Verbündeten, ihre Militärhilfe für die Ukraine erheblich zu erhöhen." Unterschrieben wurde die Erklärung von den Staatschefs der baltischen Staaten, Polens, Tschechiens, Rumäniens, der Slowakei sowie Montenegros und Nordmazedoniens. Außerdem äußerten sie Unterstützung für den Wunsch der Ukraine, Mitglied der NATO zu werden.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 02. Oktober 2022 um 18:00 Uhr.