Nach einer ersten Explosion auf der Krim Anfang August hatte sich Rauch bis an die nahegelegenen Strände verbreitet. | AP

Serie von Explosionen Ukraine gibt Beschuss der Krim zu

Stand: 07.09.2022 21:52 Uhr

Die Ukraine hat eingeräumt, für die Explosionen auf russischen Krim-Stützpunkten vor rund vier Wochen verantwortlich zu sein. Bei den Offensiven im Süden und Osten macht die ukrainische Armee offenbar Fortschritte.

Etwa einen Monat nach mehreren Explosionen auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim hat die ukrainische Armee die Verantwortung übernommen. "Es geht um eine Serie von erfolgreichen Raketenschlägen auf die Luftwaffenbasen auf der Krim, vor allem um den Flugplatz Saki", schrieb der ukrainische Oberkommandierende Waleryj Saluschnyj in einem Artikel, der von der staatlichen Nachrichtenagentur Ukrinform veröffentlicht wurde. Bis zu zehn russische Kampfflugzeuge seien bei dem Angriff zerstört worden.

Saluschnyj schrieb jedoch nicht, welche Raketentypen zum Einsatz gekommen sein sollen. Nach den Explosionen im August war gerätselt worden, welche Waffen die Ukraine eingesetzt haben könnte. Ziel der Attacken, so schrieb Saluschnyj nun, sei es gewesen, den Russen auch in weiter von der Front entfernten Gebieten klarzumachen, dass es einen echten Krieg mit Niederlagen und Verlusten gebe. Dass dieser Krieg noch in diesem Jahr enden könnte, davon geht der Kommandeur nicht mehr aus.

Ukraine fordert Waffen für Gegenangriffe

Vielmehr wolle die ukrainische Armee ihre Gegenangriffe im kommenden Jahr ausweiten - dafür bräuchten sie jedoch neue westliche Waffensysteme, sagte Saluschnyj. Er nannte neue Raketen für die US-amerikanischen HIMARS-Raketenwerfer, mit der diese bis zu 300 Kilometer weit feuern könnten und über die die Ukraine bislang nicht verfügt. Am Donnerstag wollen die westlichen Partner auf der US-Luftwaffenbasis Ramstein in Rheinland-Pfalz zusammenkommen und über weitere Waffenlieferungen beraten.

Offenbar Fortschritte bei Offensiven im Süden und Osten

Bei ihren Gegenoffensiven im Süden und Osten der Ukraine verzeichnet die Armee offenbar Geländegewinne. Der Generalstab meldete in seinem Bericht russische Luft- und Raketenangriffe auf Orte in der südlichen Region Cherson, die bislang als russisch besetzt galten. Konkretere Angaben zum Kampfgeschehen machte der Generalstab jedoch weiterhin nicht.

Weiß schraffiert: Vormarsch der russischen Armee. Grün schraffiert: von Russland unterstützte Separatistengebiete. Krim: von Russland annektiert. | ISW/06.09.2022

Weiß schraffiert: Vormarsch der russischen Armee. Grün schraffiert: von Russland unterstützte Separatistengebiete. Krim: von Russland annektiert. Bild: ISW/06.09.2022

In sozialen Medien kursieren derzeit zahlreiche Aufnahmen von der Front südöstlich von Charkiw. Dort sei das Gebiet um die Stadt Balaklija von ukrainischen Truppen zurückerobert worden. Russischen Berichten zufolge hat die ukrainische Armee dort auf 20 bis 30 Kilometer Breite eine weitere Gegenoffensive begonnen, die russische Einheiten erheblich unter Druck setze. Der ukrainische Generalstab kommentierte dies aber ebenso wenig wie die Offensive im Süden.

Gebiete um AKW wieder unter Beschuss

Ungeachtet der internationalen Forderungen nach einer Schutzzone um das Atomkraftwerk Saporischschja sollen russische Einheiten das umliegende Gebiet wieder beschießen. Nach ukrainischen Angaben wurde die Stadt Nikopol, die dem Kraftwerk auf der anderen Seite des Djnepr gegenüberliegt, mit Raketen und Artillerie beschossen. "Es gibt Brände, Stromausfälle und andere Vorkommnisse in der Anlage, die uns dazu zwingen, die Bevölkerung auf die Folgen der nuklearen Gefahr vorzubereiten", sagte Gouverneur Walentyn Resnitschenko. In den vergangenen Tagen verteilten die Behörden für den Fall eines nuklearen Notfalls Jodtabletten an die Bewohner der Umgebung.

Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

Abstimmung über Cherson-Annexion verschoben

Am Montag hatten die russischen Besatzer in der südlichen Region Cherson erklärt, ein geplantes Referendum über die Annexion der Region durch Russland zu verschieben. Die Abstimmung sollte im September parallel zu den russischen Regionalwahlen stattfinden, nun wurde als neues Datum der 4. November genannt. Er hat symbolischen Charakter, in Russland wird dann der "Tag der nationalen Einheit" gefeiert.

"Wir sind sicher, dass 80 Prozent der Bevölkerung zum Referendum kommen", sagte der von Moskau eingesetzte Vizeverwaltungschef der Region Cherson, Kirill Stremoussow, der staatlichen Nachrichtenagentur Tass zufolge. Stremoussow ist nicht mehr in Cherson, sondern in Russland - nach ukrainischen Angaben sind auch andere Beamte aus der umkämpften Region geflohen.

Scholz und Selenskyj telefonieren

Bundeskanzler Olaf Scholz sagte dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in einem Telefonat weitere Hilfe zu. Deutschland werde nicht nachlassen, die Ukraine militärisch, aber auch politisch, finanziell und humanitär zu unterstützen, betonte der Kanzler in dem Gespräch nach einer Mitteilung des Sprechers der Bundesregierung, Steffen Hebestreit. Auch die Lage am AKW Saporischschja sei Thema gewesen.

Selenskyj twitterte nach dem Telefonat, er habe Scholz für die Bestätigung der EU-Finanzhilfen über fünf Milliarden Euro gedankt. Er habe aber auch die Notwendigkeit eines Hilfsprogramms des Internationalen Währungsfonds betont.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 07. September 2022 um 21:00 Uhr.