Ukrainische Militärfahrzeuge in der Region Charkiw | AP

Krieg gegen die Ukraine Vorsichtiger Optimismus - nicht nur in Kiew

Stand: 14.09.2022 07:23 Uhr

Die jüngsten Erfolge der ukrainischen Truppen wecken Hoffnungen in Kiew. Auch die US-Regierung sieht das Momentum derzeit bei der Ukraine. Ein Konzept für die Zeit nach dem Krieg sorgt nun für neue Spannungen mit Moskau.

Die schnellen Vorstöße ukrainischer Truppen in den vergangenen Tagen sorgen für vorsichtigen Optimismus - auch bei der US-Regierung: "Ich denke, was Sie sehen, ist sicherlich eine Verschiebung, ein Momentum der ukrainischen Streitkräfte, insbesondere im Norden", sagte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrates, John Kirby. Er wolle es aber dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj überlassen, zu entscheiden, ob tatsächlich ein Wendepunkt erreicht sei.

Die russischen Truppen hätten ihre Kampfpositionen verlassen und ihre Vorräte zurückgelassen. "Sie nennen es eine Neupositionierung, aber es ist sicher, dass sie sich angesichts der ukrainischen Streitkräfte, die eindeutig in der Offensive sind, zurückgezogen haben." Kirby betonte gleichzeitig, dass Russland weiterhin große militärische Fähigkeiten habe.

Laut Präsident Selenskyj haben die ukrainischen Truppen mittlerweile ein Gelände von 6000 Quadratkilometer besetztes Gebiet zurückerobert. Dort richte sich der Fokus auf den Wiederaufbau: "Es ist sehr wichtig, dass mit unseren Truppen, mit unserer Flagge auch das normale Leben in die nicht mehr besetzten Gebiete zurückkehrt", sagte er in seiner täglichen Videoansprache.

Folgt nun Offensive auf Provinz Luhansk?

Der ukrainische Oberbefehlshaber Walerij Saluschnyj bezeichnete die derzeitige Lage an der Front als gespannt, aber unter Kontrolle. Zu den weiteren Plänen äußerte sich der ukrainische Präsidentenberater Oleksij Arestowytsch. Er stellte eine Offensive auf die östliche Provinz Luhansk in Aussicht. "Es gibt jetzt einen Angriff auf Lyman, und es könnte einen Vorstoß auf Siwersk geben", sagt Arestowytsch in einem auf YouTube veröffentlichten Video. Er gehe von einem erbitterten Kampf um die Stadt Swatowo aus, da Russland seiner Ansicht nach dort Versorgungslager stationiert habe. "Und das ist es, was sie am meisten fürchten - dass wir Lyman einnehmen und dann auf Lyssytschansk und Sjewjerodonezk vorrücken. Dann wären sie von Swatowo abgeschnitten."

Denis Puschilin, Chef der selbsternannten Volksrepublik Donezk, erklärt in einem Videobeitrag, dass Lyman weiterhin in ihrer Hand sei. "Die Situation hat sich stabilisiert. Der Feind versucht natürlich, in kleinen Gruppen vorzurücken, aber die (von Russland geführten) alliierten Streitkräfte schlagen sie vollständig zurück."

Pläne für Zeit nach dem Krieg

Wie sich die Ukraine die Zeit nach den Kampfhandlungen vorstellt, legte die Führung des Landes in einem Konzept für internationale Sicherheitsgarantien dar.

Der Leiter des ukrainischen Präsidialamtes, Andrij Jermak, und der frühere NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen stellten das Papier am Dienstag in Kiew vor. Demnach sollte die ukrainische Armee so ausgerüstet und ausgebildet werden, dass das Land jederzeit einen russischen Angriff abwehren kann. Eine Gruppe von Ländern sollte politisch und rechtlich die Sicherheit der Ukraine garantieren. Als mögliche Garantiestaaten wurden aufgelistet: die USA, Großbritannien, Kanada, Polen, Italien, Deutschland, Frankreich, Australien, die Türkei sowie die Länder Nordeuropas und des Baltikums. Auch mit den Garantien strebe die Ukraine aber weiter einen Beitritt zur NATO an, hieß es.

In Moskau sorgten die Pläne der Ukraine für Empörung. Solche Garantien wären der "Auftakt zum Dritten Weltkrieg", teilte der ehemalige russische Präsident Dmitri Medwedew auf Telegram mit. Sie kämen der Beistandsverpflichtung nach Artikel 5 des NATO-Vertrags nahe. Wenn die westlichen Länder versuchten, Russland auf diese Weise zu schwächen, werde bei ihnen selbst "die Erde brennen und der Beton schmelzen", drohte der Vizesekretär des russischen Sicherheitsrates.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. September 2022 um 09:00 Uhr.