Ein Bus transportiert ukrainische Soldaten aus dem Asowstal-Werk. | REUTERS

Krieg gegen die Ukraine Mehr als 260 Soldaten aus Stahlwerk evakuiert

Stand: 17.05.2022 04:17 Uhr

Ukrainischen Angaben zufolge sind mehr als 260 Soldaten aus dem belagerten Asow-Stahlwerk aus Mariupol evakuiert worden. Darunter sind auch 53 Schwerverletzte. Viele der Soldaten sollen in einem Gefangenenaustausch zurückkehren.

Nach wochenlanger Blockade haben gut 260 ukrainische Soldaten nach Behördenangaben das Asow-Stahlwerk in Mariupol verlassen. Darunter seien 53 Schwerverletzte, teilte der ukrainische Generalstab bei Facebook mit. Auch seien 211 weitere ukrainische Kämpfer in die von russischen Truppen besetzte Ortschaft Oleniwka gebracht worden. Sie sollen später in einem Gefangenenaustausch zurückkehren, hieß es.

Die Schwerverletzten seien in die Stadt Nowoasowsk transportiert worden. An der Evakuierung der weiteren Verteidiger des Stahlwerks Azowstal werde noch gearbeitet. "Dank den Verteidigern von Mariupol haben wir kritisch wichtige Zeit für die Formierung von Reserven, eine Kräfteumgruppierung und den Erhalt von Hilfe von unseren Partnern erhalten", schrieb Vizeverteidigungsministerin Hanna Maljar bei Facebook.

Selenskyj: Brauchen die Helden lebend

Alle Aufgaben zur Verteidigung von Mariupol seien erfüllt worden. Ein Freikämpfen von Azowstal sei nicht möglich gewesen. Das Wichtigste sei jetzt, das Leben der Verteidiger von Mariupol zu wahren.

Das russische Verteidigungsministerium hatte zuvor am Montag eine Waffenruhe in Mariupol verkündet, um verletzte ukrainische Soldaten aus dem Stahlwerk zu holen. Moskau hatte "medizinische Einrichtungen" in Nowoasowsk als Ziel der Evakuierungsaktion genannt.

"Wir hoffen, dass wir das Leben unserer Jungs retten können", sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in einer Videobotschaft. "Ich möchte unterstreichen: Die Ukraine braucht ihre ukrainischen Helden lebend. Das ist unser Prinzip."

Zu Wort meldete sich später auch das ultranationalistische Asow-Regiment, eine von mehreren Einheiten, die auf dem Werksgelände ausgeharrt und es verteidigt hatten. Die Evakuierung der Kämpfer markiere das Ende der Mission des Regiments, erklärte Befehlshaber Denis Prokopenko. "Absolut sichere Pläne und Operationen existieren im Krieg nicht". Dennoch seien alle Risiken berücksichtigt worden. Es gelte, so viele Leben von Kämpfern zu retten wie möglich.

Lange Verhandlungen über Evakuierung

Die Hafenstadt Mariupol war bereits kurz nach dem russischen Einmarsch im Februar eingekesselt worden. Die russischen Truppen übernahmen schrittweise die Kontrolle, die letzten ukrainischen Verteidiger der Stadt verschanzten sich aber in dem riesigen Stahlwerk mit mehreren unterirdischen Etagen.

Die russischen Truppen riskierten keinen Erstürmungsversuch, blockierten aber alle Zugänge. Hunderte Zivilisten waren bereits in den vergangenen Tagen vom Werksgelände evakuiert worden. Über den Abzug der zum Teil schwer verletzten Soldaten, die kaum noch Vorräte und Wasser hatten, wurde lange verhandelt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. Mai 2022 um 02:09 und 09:00 Uhr.