Ein Schutzbau bedeckt den früheren Reaktor im Kernkraftwerk Tschernobyl (Archivbild) | dpa

Kämpfe am AKW Tschernobyl "Unrechtmäßige und gefährliche Geiselnahme"

Stand: 25.02.2022 02:47 Uhr

Auch nach den offenbar beendeten Kämpfen in der Nähe des ehemaligen AKW Tschernobyl bleibt die Sorge groß. Die USA sprachen von einer "Geiselnahme" der Mitarbeiter. Die Internationale Atomenergiebehörde warnte vor einer ungesicherten Anlage.

Die Vereinigten Staaten haben sich besorgt zur Eroberung des ehemaligen ukrainischen Atomkraftwerks Tschernobyl durch das russische Militär geäußert. Die Einnahme der Sperrzone des früheren Meilers und der Mitarbeiter dort sei eine "Geiselnahme", sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki. "Diese unrechtmäßige und gefährliche Geiselnahme, die routinemäßige Arbeiten zum Erhalt und zur Sicherheit der Atommüll-Einrichtungen aussetzen könnte, ist unglaublich alarmierend und sehr besorgniserregend", so Psaki.

Auch die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) zeigt sich besorgt über die Kampfhandlungen an der zerstörten Atomanlage von Tschernobyl. Wegen der potenziellen Unfallgefahr verfolge sie die Situation in der Ukraine "mit großer Sorge", erklärte die UN-Organisation. Sie forderte von allen Beteiligten "ein Höchstmaß an Zurückhaltung". Eine ungesicherte Atomanlage berge große Gefahr.

"Eine der ernstesten Bedrohungen für Europa"

Das russische Militär hatte den zerstörten Atomreaktor im Norden der Ukraine zuvor nach "erbitterten" Kämpfen mit ukrainischen Streitkräften eingenommen, wie der ukrainische Präsidentenberater Mychailo Podoljak mitteilte. Der Zustand der alten Reaktoranlage, der Schutzhülle über dem hochgradig radioaktiven Unglücksreaktor und des Lagers für Kernbrennstoffe sei nicht bekannt, sagte Podoljak. "Es ist unmöglich zu sagen, ob das Kraftwerk sicher ist." Es handele sich um "eine der ernstesten Bedrohungen für Europa".

Das Unglück von Tschernobyl am 26. April 1986 gilt als die größte Katastrophe in der zivilen Nutzung der Atomkraft. Im vergangenen Sommer war ein neues Atommüllzwischenlager in der radioaktiv verseuchten Sperrzone um Tschernobyl eingeweiht worden. Mit dem Lager wollte Kiew seine Abhängigkeit von Russland im Atommüllbereich beenden. Russland hatte nach ukrainischen Angaben vom Donnerstag die Sperrzone um Tschernobyl erobert. 

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. Februar 2022 um 08:00 Uhr.