Beschädigte Autos, Häuser und Bäume nach einem seltenen Tornado im Dorf Moravska Nova Ves in Tschechien. | AP

Wirbelsturm in Tschechien Spur der Verwüstung nach Tornado

Stand: 25.06.2021 12:36 Uhr

Nach einem Tornado in Tschechien laufen die Rettungsaktionen auf Hochtouren. Dutzende Menschen wurden bei dem Unwetter in der Region Südmähren an der Grenze zu Österreich und der Slowakei verletzt. Es gab mindestens fünf Todesopfer.

Durch einen Tornado sind im Südosten Tschechiens mehrere Menschen ums Leben gekommen. Es seien mindestens fünf Personen getötet worden, teilten Polizei und Rettungsdienste mit. Eine Sprecherin des Rettungsdienstes sagte dem Fernsehsender CT, dass es für genaue Zahlen noch zu früh sei, da noch immer Menschen unter den Trümmern eingestürzter Häuser eingeschlossen seien. 

Die Zahl der Verletzten schätzte die Sprecherin "auf 100 bis 150, von Kindern bis hin zu Senioren". Mehr als 60 Menschen seien bislang ins Krankenhaus gebracht worden, zehn von ihnen mit schweren Verletzungen. Das Krankenhaus in der Stadt Hodonin versorgte nach eigenen Angaben knapp 200 Verletzte. Die Suche nach möglichen Verschütteten dauerte die ganze Nacht über an. Aus anderen Teilen des Landes machte sich weitere Verstärkung auf den Weg.

Viele Häuser einsturzgefährdet

Der Tornado hatte am Donnerstagabend sieben Dörfer in der Region Südmähren verwüstet. Häuser wurden zerstört, Dächer abgedeckt, Stromleitungen niedergerissen und Autos umhergeworfen. Auch Hagelkörner von der Größe eines Tennisballs prasselten nieder. Am Schloss Valtice, das zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, entstand ein Millionenschaden. An dem Barockbau aus dem 17. Jahrhundert barsten zahlreiche Fensterscheiben. Nach Angaben der Behörden sollen viele Häuser einsturzgefährdet sein.

Im Internet verbreitete Videoaufnahmen aus der Stadt Hodonin zeigten zerstörte Gebäude und Autos, entwurzelte Bäume und mehrere Brände. Durch das Unwetter wurden ein Altenheim und der Zoo beschädigt. Der Bürgermeister der Gemeinde Hrusky sagte der tschechischen Nachrichtenagentur CTK, das halbe Dorf sei dem Erdboden gleichgemacht worden.

Viele Einwohner der betroffenen Ortschaften standen unter Schock. "Auf einmal habe ich ein merkwürdiges Dröhnen gehört, als ob ein Zug näherkommen würde", sagte ein Augenzeuge der Zeitung "Pravo". "Dann begann die Hölle, alles flog herum." Sein Haus habe kein Dach mehr, keine Zimmerdecke, keine Fenster, berichtete ein anderer.

Andreas Friedrich, Tornadobeauftragter des Deutschen Wetterdienstes (DWD), sagte der Nachrichtenagentur dpa, er gehe anhand der Schäden, die er auf den Bildern aus Tschechien gesehen habe, von Windgeschwindigkeiten zwischen 300 und 400 Kilometern pro Stunde aus. Das sei "ein Tornado, der in dieser Stärke in Europa bisher nur selten vorkam".

"Es ist die Hölle auf Erden"

In weiten Teilen der Region kam es zu Stromausfällen und Verkehrsbehinderungen. Umgestürzte Strommasten blockierten eine zentrale Autobahnverbindung zwischen Prag und der slowakischen Hauptstadt Bratislava. Am Morgen konnte eine Fahrspur freigegeben werden, es kam zu Staus. Landesweit waren noch rund 75.000 Haushalte ohne Elektrizität.

"Es ist die Hölle auf Erden", sagte Regionalgouverneur Jan Grolich nach einem Besuch vor Ort. "Alle verfügbaren Rettungsteams sind im Einsatz oder auf dem Weg in die Region Hodonin", erklärte Innenminister Jan Hamacek auf Twitter. Auch ein auf die Bergung von unter Trümmern begrabenen Menschen spezialisiertes Such- und Rettungsteam sei im Einsatz. Die Armee schickte Soldaten mit schwerer Technik. Nach Angaben von Rettungskräften war auch Hilfe aus den Nachbarstaaten Österreich und der Slowakei unterwegs.

Babis will Region besuchen

Wegen des über Tschechien hinwegziehenden Sturms war Regierungschef Andrej Babis nach dem EU-Gipfel am Donnerstag gezwungen, in Brüssel zu bleiben, da eine Landung mit dem Flugzeug in Prag zu gefährlich gewesen wäre. 

Babis will das Unglücksgebiet am Nachmittag besuchen. Die Regierung versprach schnelle finanzielle Hilfe für die Betroffenen, von denen viele das Dach über dem Kopf verloren haben. Die Region an der Grenze zu Österreich ist als Weinanbaugebiet bekannt.

Über dieses Thema berichtete das ARD-morgenmagazin am 25. Juni 2021 um 08:08 Uhr.