Liz Truss verlässt ihren Amtssitz in London (Großbritannien) mit einer Mappe in der Hand. | REUTERS

Großbritannien Nun muss Truss liefern

Stand: 20.09.2022 12:56 Uhr

Zehn Tage Staatstrauer haben der neuen britischen Premierministerin Truss noch einmal etwas Zeit verschafft. Nun aber wartet das Land darauf, dass drängende Probleme angegangen werden. Und davon gibt es etliche.

Von Franziska Hoppen, ARD-Studio London

Während im ländlichen Windsor die Queen am Montagabend zu Grabe getragen wurde, hatten in London die ersten Britinnen und Briten genug vom Spektakel: In Fitzrovia, einem etwas abseits vom Zentrum gelegenen Viertel, bekam man nur wenig vom Staatsbegräbnis mit. Und manche Passanten meinten, zehn Tage Trauer und Tradition reichten dann auch. "Wir müssen weitermachen", sagt Paul, ein älterer Herr, das Leben gehe weiter. Ein Motto, das wohl auch die Queen so unterschrieben hätte, die die Briten für genau diese Disziplin so geliebt haben.

Franziska Hoppen

Dass das Land nach dem Staatsbegräbnis zur Normalität zurückkehrt, halten auch Alexandra und Steve für angemessen. Zehn Tage fast monothematische royale Berieselung - das sei doch zu einseitig gewesen. Es sei "großartig", dass es nun wieder andere Schlagzeilen und "vielseitigere Nachrichten" geben werde, sagen sie.

Das Hauptproblem: Wirtschaft und Energie

Was das für Nachrichten sein könnten, ahnt Passantin Lynn. Die neue Premierministerin dürfte ab heute wieder im Fokus stehen. Schließlich habe Liz Truss eine ziemlich harte Aufgabe vor sich, sagt sie und meint die Lage der britischen Wirtschaft. Und Truss müsse Brücken in die USA und nach Europa bauen.

Keine drei Tage war Truss im Amt, da starb die Queen, pausierte das Parlament, kam das Land zum Stillstand, während die Inflation die Lebensmittel- und Energiepreise immer weiter in die Höhe klettern ließ und sich Warnungen vor Konkursen häuften.

Truss hatte zwar noch ein Hilfspaket von bis zu 150 Milliarden Pfund angekündigt, doch wie das finanziert werden soll, ist unklar. Vor allem deshalb bestehe dringend Handlungsbedarf, sagt Parlamentspräsident Lindsay Hoyle. Die Herausforderungen im Vereinigten Königreich seien überall dieselben - sie beträfen alle, und deshalb sei es gut, dass sich das Parlament am Donnerstag wieder zusammensetze, um "anzufangen, die Probleme anzugehen".

Ein Nothaushalt muss her

Wirtschaftsminister Jacob Rees-Mogg will noch diese Woche verkünden, wie Unternehmen geholfen werden soll. Schatzkanzler Kwasi Kwarteng will einen entsprechenden Nothaushalt vorstellen.

Die neue Gesundheitsministerin Thérèse Coffey will ihre Pläne für das marode Gesundheitssystem vorstellen. Denn der NHS, der Nationale Gesundheitsdienst, mit seinen überfüllten Notaufnahmen und endlosen Wartezeiten ist das nächste Sorgenkind.

Truss selbst will nach New York zur UN-Vollversammlung fliegen. Dort könnte auch das Nordirland-Protokoll eine Rolle spielen. Truss erwägt, Teile zu streichen, zum Ärger der Vertragspartner.

In all das wird auch König Charles III. mit einbezogen werden. Einmal wöchentlich treffen sich Monarch und Premierministerin. Doch die Royals werden noch sieben Tage lang trauern. Und dann geht es für sie mit der Tradition gleich weiter. Charles Krönung muss geplant werden.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 20. September 2022 um 06:09 Uhr.