Eric Zemmour | REUTERS

Präsidentschaftswahl in Frankreich Zemmour führt "herzliches Gespräch" mit Trump

Stand: 15.02.2022 15:18 Uhr

Der Wahlkampf zur Präsidentschaftswahl in Frankreich ist in vollem Gange. Nun soll der rechtsextreme Kandidat Zemmour Wahlkampftipps von Ex-US-Präsident Trump erhalten haben. Laut Zemmour haben beide ein "langes und herzliches" Telefonat geführt.

Der rechtsextreme französische Präsidentschaftskandidat Eric Zemmour hat mit dem ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump nach eigenen Aussagen ein "langes und herzliches Gespräch" geführt.

Ein Thema sei "die Rekordzahl an Stimmen für einen scheidenden US-Präsidenten 2020" gewesen, erklärte Zemmour auf Twitter, nämlich "zwölf Millionen mehr als 2016". Damit lässt Zemmour Trumps Behauptungen anklingen, die US-Wahl sei manipuliert worden, wofür es jedoch keine Belege gab. 

Zemmour: "Frankreich soll Frankreich bleiben"

Sie hätten sich außerdem über Migration, Sicherheit und die Wirtschaftslage unterhalten, die Lieblingsthemen beider Politiker. Schließlich hätten sie die Gründe von Trumps Wahlerfolg 2016 erörtert. "Donald Trump möchte, dass die USA die USA bleiben. Eric Zemmour möchte, dass Frankreich Frankreich bleibt", resümierte der Kandidat. 

40-Minuten-Telefonat

Der stellvertretende Vorsitzende der Zemmour-Bewegung "Reconquete", Guillaume Peltier, sagte dem TV-Sender France 2, die beiden hätten am Montag rund 40 Minuten miteinander telefoniert. "Trump sagte Zemmour, er solle nicht nachgeben und standhaft und mutig bleiben", so Peltier. Die Initiative für das Gespräch sei von Zemmours Team ausgegangen. Der Nachrichtensender BFM TV berichtete unter Berufung auf Insider, Trump habe Zemmour geraten, niemals dem Druck der Medien nachzugeben und nie von seiner politischen Linie abzuweichen, wenn er gewinnen und authentisch bleiben wolle.

Vertreter Trumps waren für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Randy Yaloz, ein Vertreter der US-Republikaner-Ländergruppe in Frankreich, sagte BFM TV, er sei während des Telefonats zugegen gewesen. Die Unterhaltung sei herzlich gewesen. Trump habe sich aber noch nicht entschieden, ob er Zemmour offiziell unterstützen werde.

Umfragen: Zemmour derzeit bei 15 Prozent

Die Präsidentschaftswahl in Frankreich findet im April statt. Zemmours Kandidatur war von dem Medien-Unternehmer Vincent Bolloré befördert worden. Zeitweise lag er in Umfragen noch vor der rechtspopulistischen Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen. Inzwischen liegt der mehrfach wegen Volksverhetzung verurteilte Politiker in den Umfragen mit 15 Prozent gleichauf mit der konservativen Kandidatin Valérie Pécresse, hinter Amtsinhaber Emmanuel Macron mit 25 Prozent und Le Pen mit 17 Prozent.

Parallelen zu Trump-Strategie

Wahlkampfbeobachter haben wiederholt Parallelen zwischen Zemmours Kampagne und der Strategie von Trump gezogen, die dem Republikaner 2016 den Sieg bei der US-Präsidentschaftswahl sicherte. Wie Trump versucht sich Zemmour als politischer Außenseiter zu stilisieren, der anders als die etablierten Parteien die Sorgen der Bevölkerung verstehe. Und ähnlich wie Trump, der unter anderem mit einem fremdenfeindlichen Kurs polarisierte, setzt Zemmour als ehemaliger Talkshow-Kommentator auf seinen Prominenten-Status sowie seine große Anhängerschaft in den sozialen Medien.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. Januar 2022 um 19:40 Uhr und am 10. Februar 2022 um 09:18 Uhr.