Vertreter der Taliban stehen vor der Abreise nach Oslo vor einem Flugzeug | AFP

Situation in Afghanistan Taliban-Delegation zu Gesprächen in Oslo

Stand: 23.01.2022 14:33 Uhr

Taliban-Vertreter sind zu Gesprächen über die Situation in Afghanistan nach Oslo gereist. Während Norwegens Außenministerin die Situation von Frauen verbessern will, hoffen die Taliban auf den Beginn einer "positiven Beziehung" mit Europa.

In der norwegischen Hauptstadt Oslo haben dreitägige Gespräche mit Vertretern der radikal-islamischen Taliban über die Situation in Afghanistan begonnen. Die Delegation wurde von dem geschäftsführenden Taliban-Außenminister Amir Chan Muttaki angeführt. Auf der Gegenseite nehmen Repräsentanten von Norwegen, der EU, der USA und anderer Ländern sowie Vertreter der afghanischen Zivilgesellschaft - darunter Frauen, Journalisten und Menschenrechtler - an dem Treffen teil.

Es ist das erste Mal, dass die Islamisten seit ihrer Machtergreifung in Afghanistan mit einer Delegation in ein westliches Land reisen. Nach Informationen des Senders NRK sollte vom Verlauf der ersten Treffen abhängen, ob die Taliban bei ihrem Besuch auch mit der norwegischen Außenministerin Anniken Huitfeldt sprechen werden oder nicht. Diese hatte die Einladung zuvor verteidigt und argumentiert, man könne die Taliban nur im Dialog für ihre Taten zur Rechenschaft ziehen. Ihre Hoffnung ist, dass sich die Situation für Frauen in Afghanistan durch diplomatische Bemühungen verbessern lässt. Gleichzeitig unterstrich sie, der Besuch der Delegation stelle "keine Legitimation der Taliban" dar.

Muttaki sagte vor der Abreise nach Oslo, er hoffe, die Gespräche könnten der Beginn einer positiven Beziehung der Taliban mit Europa sein. Es wurde erwartet, dass Muttaki mit Blick auf die humanitäre Lage in seinem Land in den Gesprächen die Freigabe von fast zehn Milliarden Dollar von den USA und anderen westlichen Staaten im Ausland eingefrorenen Geldern fordert.

Proteste gegen das Treffen

International stieß das Treffen aber auch auf Kritik. Sowohl in Oslo als auch vor norwegischen Botschaften in London oder Toronto protestierten Afghanen, wie aus Social-Media-Videos hervorgeht, die in der afghanischen Community vielfach geteilt wurden. Die Demonstranten warfen Norwegen vor, den Taliban den Hof zu machen und damit auf der falschen Seite zu stehen. Auch in Kabul protestierten einige Frauen und Mädchen im Geheimen und teilten ein Video davon.

Norwegen ist in der Vergangenheit immer wieder als Vermittler bei Konflikten in anderen Ländern aufgetreten, zuletzt unter anderem bei dem in Venezuela. Auch mit den Taliban steht das skandinavische Nicht-EU-Land seit Jahren im Dialog. Eine norwegische Delegation reiste in den vergangenen Tagen für Gespräche über die schwierige humanitäre Lage in Afghanistan nach Kabul.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 23. Januar 2022 um 09:23 Uhr.