Urlauber aus Deutschland kommen am Flughafen Mallorca an | EPA

Spanien und der Impfpass "Ungeheuer wichtig für Urlaubsregionen"

Stand: 17.03.2021 11:20 Uhr

Spaniens Regierung drängt auf eine rasche Verständigung auf einen Impfpass. Sie hat dabei die Tourismusindustrie im Blick. Doch Ethiker warnen auch in Spanien vor ungeklärten Fragen.

Von Reinhard Spiegelhauer, ARD-Studio Madrid

Seit Monaten macht sich Spaniens Ministerpräsident Pedro Sanchez für "sichere Reisekorridore" stark. Im Herbst ging es da vor allem um ein dichtes Netz von Tests, auch Antikörpertests zum Nachweis einer überstandenen Infektion. Vom "serologischen Pass" war damals die Rede.

Reinhard Spiegelhauer

Die EU-Partner wollten nicht mitmachen, aber jetzt sieht es besser aus - vor allem dank der überall angelaufenen Impfkampagnen. Die neuen Initiativen der EU seien willkommen, sagte Sanchez und nannte die Debatte um Impfzertifikate "unaufschiebbar" - sie sei "ungeheuer wichtig für Urlaubsregionen wie Spanien".

Deshalb hat der spanische Ministerpräsident auch sehr konkrete Vorstellungen, worauf es beim "digitalen grünen Pass" ankommt: "Aus unserer Sicht ist das Ziel klar: so schnell wie möglich Normalität und Tourismus wiederherstellen, ohne Gesundheitsrisiken zu erhöhen." Was ein Mobilitätspass möglich machen kann, müsse "schnellstmöglich" geklärt werden.

Die Tourismusbranche wartet

Der Ministerpräsident hat die Tourismusbranche im Nacken, die durch Corona quasi auf den Stand der 1970er-Jahre geschrumpft ist: 20 Millionen statt 85 Millionen Touristen kamen im vergangenen Jahr aus dem Ausland. Und der Binnentourismus ist durch Mobilitätseinschränkungen im Alarmzustand auch fast auf Null.

Trotz Finanzspritzen aus Madrid kämpfen viele Unternehmer gegen die Pleite. Hunderttausende Arbeitnehmer sind in Kurzarbeit oder müssen sich ohne den sonst fest eingeplanten Saisonjob durchschlagen. Gute Argumente für einen Mobilitätspass, der möglichst freies Reisen möglich macht.

 

Die Mahnungen der Wissenschaftler

Aber: Es ist in Spanien nicht anders als in Deutschland - die Experten aus der Wissenschaft verstehen zwar die Wünsche der Politiker, haben aber gelegentlich einen anderen Blickwinkel. So gibt auch Fernando Simón, Epidemiologe und wissenschaftlicher Koordinator der Pandemiemaßnahmen, zu bedenken, man müsse sich schon darüber im Klaren sein, dass es in Sachen Mobilitätspass viele Herausforderungen gebe.

Das ist auch genau die Kerbe, in die das spanische Gegenstück zum Nationalen Ethikrat in Deutschland haut. Federico Montalvo, Vorsitzender der Bioethik-Kommission, sagt, mit dem Impfpass gebe es zwei Probleme: "Die Impfung verhindert, dass die Krankheit ausbricht, aber nicht unbedingt, dass man jemanden infiziert. Und: Ich bin doppelt benachteiligt, wenn ich erst mal keine Impfung bekomme und dann natürlich auch keinen Impfpass." Dieses Argument falle erst bei einer relativ hohen Impfquote weg.

Die Technische Umsetzung, die Qualität, die gesellschaftliche Folgen, wissenschaftliche Kriterien und auch die Kosten: Das alles müsse in Ruhe unter einen Hut gebracht werden, sagt der Epidemiologe - "damit am Ende etwas herauskommt, was nützt, aber niemanden diskriminiert".

Die Regierung blickt auf den Sommer

Trotzdem setze die spanische Regierung darauf, dass die EU schnell eine einheitliche Lösung für den so genannten digitalen grünen Pass findet, die das Reisen spätestens im Sommer deutlich unkomplizierter macht, sagt die spanische Gesundheitsministerin Carolina Darias.

Sie ist dafür, dass in den Pass Impfungen eingetragen werden, "aber auch Ergebnisse von PCR-Tests oder Antikörper-Nachweise". Alles sei gut, was den Menschen wieder mehr und dabei sichere Mobilität ermöglicht.

 

 

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell Radio am 17. März 2021 um 10:08 Uhr.