Rettungskräfte sind an der Absturzstelle der Gondel | EPA

Norditalien Mehrere Tote bei Seilbahn-Unglück

Stand: 23.05.2021 17:16 Uhr

Im Norden Italiens ist eine Seilbahnkabine abgestürzt. Mehrere Personen sind bei dem Unglück ums Leben gekommen. Absturzursache war möglicherweise ein gerissenes Kabel.

Beim Absturz einer Seilbahnkabine in Norditalien sind nach übereinstimmenden Medienberichten 13 Menschen ums Leben gekommen. Zwei Kinder wurden nach Angaben der Rettungskräfte schwer verletzt. Die Kabine der Seilbahn im Piemont sei aus großer Höhe auf den Boden gestürzt, sagte Walter Milan vom Rettungsdienst dem Sender SkyTG24. Das Unglück ereignete sich demnach kurz vor der Bergstation.

Bilder zeigen die abgestürzte, zerbeulte Kabine in einem Waldstück. Laut Bergrettung waren mehrere Hubschrauber im Einsatz. Zwei Kinder im Alter von fünf und neun Jahren seien in kritischem Zustand in eine Turiner Klinik geflogen worden. Über Alter und Herkunft der Todesopfer ist noch nichts bekannt. Der italienischen Nachrichtenagentur Ansa zufolge wurde der Absturz der Kabine vermutlich durch einen Kabelriss im obersten Bereich der Strecke verursacht. An der Stelle des Absturzes sei die Distanz zum Erdboden besonders groß, erklärte Milan. Das steile Gelände erschwere die Bergungsarbeiten.

2016 saniert, gerade erst wieder eröffnet

Das Unglück ereignete sich nahe des Urlaubsortes Stresa, der am Ufer des Lago Maggiore liegt. Die Stresa-Morratone-Seilbahn befördert vornehmlich Touristen vom Ort am Ufer des Sees auf etwa 1400 Meter Höhe. Die Fahrt dauert 20 Minuten. Der Monte Mottarone ist ein 1491 Meter hoher Berg, von dem aus man den Lago Maggiore und die umliegenden Alpengipfel überblicken kann. Auf dem Berg befindet sich auch ein kleiner Freizeitpark namens Alpyland mit einer Achterbahn für Kinder.

Erbaut wurde die Seilbahn 1970; sie hat zwei Gondeln - in jede Richtung eine -, die jeweils bis zu 40 Passagiere aufnehmen können. Nach Angaben Milans war die Bahn vor fünf Jahren komplett restauriert worden. Sie habe den Betrieb erst kürzlich wieder aufgenommen, nachdem sie während des Corona-Lockdowns - wie sämtliche Lift- und Seilbahnanlagen in Italien - stillgestanden hatte. In vielen italienischen Skigebieten befinden sich Mountainbike- und Wanderwege, die im Frühling und Sommer beliebt sind.

Karte mit der eingezeichneten Seilbahnstrecke

Die Stresa-Mottarone-Seilbahn befördert vornehmlich Touristen vom Ort am Ufer des Sees auf etwa 1400 Meter Höhe.

Politiker reagieren bestürzt

"Mit großer Trauer habe ich von dem tragischen Unfall der Stresa-Mottarone-Seilbahn erfahren", teilte Italiens Ministerpräsident Mario Draghi mit. Er drücke den Familien der Opfer sein Beileid aus. Auch Außenminister Luigi Di Maio und andere aus dem Kabinett Draghi zeigten sich via Twitter bestürzt über das Unglück.

Der Präsident der Region Piemont, Alberto Cirio, machte sich Medienberichten zufolge umgehend auf den Weg in das Gebiet. Im Sender Rainews 24 forderte er die Aufklärung des Unglücks. Italien sei ein Land der Sicherheit. Infrastrukturminister Enrico Giovannini will morgen in die Gegend reisen.

Italien mit der Region Piemont und dem Ort Stresa

Aus Brüssel twitterte EU-Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni, die Tragödie versetze einen in Trauer - an einem Sonntag, der eigentlich für die Hoffnung stehen sollte. EU-Ratspräsident Charles Michel und er EU-Parlamentspräsident David Sassoli drückten ebenfalls ihre Anteilnahme aus.

Es ist das schwerste Seilbahnunglück in Italien seit 1998, als ein tieffliegender Jet der US-Luftwaffe das Kabel einer Bahn in Cavalese in den Dolomiten durchtrennte. Damals starben beim Absturz der Gondel 20 Menschen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 23. Mai 2021 um 15:00 Uhr.