Migranten auf einem Holzboot warten auf ihre Rettung durch das deutsche NGO-Such- und Rettungsschiff "Sea-Eye 4". | Hugo Le Beller/Sea-Eye/Handout via REUTERS

Mit 800 Migranten an Bord "Sea-Eye 4" darf anlegen

Stand: 06.11.2021 20:58 Uhr

Nach mehrtägiger Fahrt durch das Mittelmeer darf die "Sea-Eye 4" in Sizilien anlegen. Das Seenotrettungsschiff hatte 800 Migranten aufgenommen. Die "Ocean Viking" wartet weiterhin auf die Zuweisung eines Hafens.

Das Seenotrettungsschiff "Sea-Eye 4" der deutschen Hilfsorganisationen Sea-Eye und Mission Lifeline darf mit mehr als 800 Menschen an Bord in Trapani auf Sizilien anlegen. Das entschieden die italienischen Behörden, nachdem das Schiff seit Donnerstag auf die Zuteilung eines sicheren Hafens gewartet hatte.

Unter den aus dem Mittelmeer Geretteten sind nach Angaben von Sea-Eye weit mehr als 200 Minderjährige und fünf schwangere Frauen. Die Ankunft in Trapani am Westzipfel Siziliens wird für Sonntag erwartet.

"Wir sind erleichtert und überglücklich, dass die schwierigen Stunden für unsere Besatzung und die geretteten Menschen am Sonntag enden werden und die Menschen dann endlich in Italien in Sicherheit sind", sagte Gorden Isler, der Vorsitzende von Sea-Eye, und zeigte sich zugleich "entsetzt" über "Maltas unterlassene Hilfeleistung". Der Inselstaat habe auf Notrufe unter der Woche nicht reagiert.

Nachdem aus Malta keine Reaktion kam, wurde die Insel Lampedusa angesteuert. Dort durfte das Schiff des Regensburger Vereins aber nicht anlegen. Weil die Chancen in Sizilien größer eingeschätzt wurden und schlechteres Wetter aufzog, fuhr das Schiff weiter Richtung Sizilien. Dort kreuzte es vor der Hafenstadt Agrigent, bis das Okay der Behörden für Trapani kam.

Schiff massiv überladen

Die "Sea-Eye 4" hatte von Dienstag bis zur Nacht von Mittwoch auf Donnerstag nach Angaben der Organisation in mehreren Aktionen mehr als 800 Migranten gerettet. Rund die Hälfte davon wurde aus einem überfüllten Holzboot geholt, in das schon Wasser eindrang. Ausgelegt ist die "Sea Eye 4" für etwa 200 Menschen. Aufgrund der Enge und der Dunkelheit unter Deck seien mehrere Personen kollabiert, sagte der Sea-Eye-Vorsitzende Isler.

Karte: Lampedusa, mit Italien und Mittelmeer

Das von der Organisation SOS Méditerranée betriebene Schiff "Ocean Viking" mit 313 Geretteten wartet weiterhin auf die Zuweisung eines Hafens. Die maltesischen Behörden haben der Crew am Freitag eine Absage erteilt, wie SOS-Méditerranée-Sprecherin Barbara Hohl mitteilte. "Wir befinden uns also leider in der üblichen Lage: Nach Rettungen müssen wir viel zu lang warten, bis wir endlich einen Hafen zugewiesen bekommen."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. November 2021 um 20:00 Uhr.