Gerhard Schröder | dpa

Vermittlungsversuch in Moskau Schröders Mission "schief gelaufen"

Stand: 23.04.2022 20:13 Uhr

Vergangene Woche war Altkanzler Schröder in Moskau, um bei Präsident Putin im Ukraine-Krieg zu vermitteln - aber aus Sicht der Ukraine erfolglos. Botschafter Melnyk erklärte, Schröders Mission sei gescheitert.

Der ukrainische Botschafter in Deutschland hat die Vermittlungsbemühungen von Altkanzler Gerhard Schröder im Ukraine-Krieg für gescheitert erklärt. "Die Sache ist für uns endgültig erledigt", sagte Botschafter Andrij Melnyk der Nachrichtenagentur dpa. "Für die Ukraine machen weitere Gespräche Schröders gar keinen Sinn. Es ist schon traurig zu beobachten, wie die ganze Sache schief gelaufen ist."

Schröder war vergangene Woche Mittwoch über Istanbul nach Moskau gereist, um mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zu sprechen. Er ist seit langem mit Putin befreundet und zudem auch für das Erdgas-Pipeline-Unternehmen Nord Stream 1 und 2 als Lobbyist tätig sowie Aufsichtsratschef beim russischen Ölkonzern Rosneft.

"Ergebnisse waren nutzlos"

Botschafter Melnyk betonte erneut, dass die Initiative für die Vermittlungsaktion von Schröder selbst ausgegangen sei. "Es gab schon gewisse Hoffnung auf Resultate, sonst hätte sich keiner in der Ukraine bereit erklärt, ihm Gehör zu schenken", sagte er. Am Sonntagnachmittag sei ein ukrainischer Mittelsmann von Schröder persönlich über den Verlauf der Gespräche in Moskau informiert worden.

"Die Ergebnisse waren aber absolut nutzlos. Es wurde gar nichts Neues berichtet, was wir nicht schon aus unseren eigenen Gesprächen mit der russischen Seite gewusst hätten", sagte Melnyk. "Sehr schade, dass diese Chance vergeudet wurde." Es sei ein "Trauerspiel".

Auch die Bundesregierung hatte vergangene Woche erklärt, dass Schröders Reise nicht mit ihr abgesprochen gewesen sei.

Heftige Kritik an Schröder

Seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs steht Schröder besonders stark in der Kritik, da er seine Geschäftsbeziehungen zu russischen Energieunternehmen bisher nicht beendet hat. Aus der SPD wurde sein Parteiaustritt gefordert, zahlreiche Organisationen und Vereine wollen ihm seine Ehrenmitgliedschaft entziehen oder haben dies bereits getan. Am Dienstag erklärte Schröder, er verzichte auf die Ehrenbürgerwürde seiner Heimatstadt Hannover - wohl um einem Entzug durch die Stadt selbst zuvorzukommen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. März 2022 um 12:00 Uhr.