Ein Blick auf das Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Samos. | REUTERS

Griechenland Umstrittenes Flüchtlingslager auf Samos eröffnet

Stand: 18.09.2021 18:10 Uhr

Stacheldrahtzäune, Zugangskontrollen, Ausgangssperre: Auf der griechischen Insel Samos hat die Regierung ein neues Flüchtlingslager eröffnet. Menschenrechtler kritisieren die Anlage und nennen sie "entmenschlichend".

Die griechische Regierung hat auf der Insel Samos ein sogenanntes "geschlossenes Zentrum mit kontrolliertem Zugang" für die Unterbringung von 3000 Migranten eröffnet. Das Flüchtlingslager ist mit Stacheldraht umzäunt und mit Überwachungskameras, Röntgenscannern und Magnettüren ausgestattet. Es verfügt zudem über ein Gefangenenlager und ist nur per elektronischem Chip zugänglich.

Griechischen Medien zufolge dürfen die Menschen das Lager täglich zwischen 8 und 20 Uhr verlassen - bis auf jene, deren Asylgesuch abgelehnt wurde und die im Rahmen des Flüchtlingspakts der EU mit der Türkei zurück in die Türkei gebracht werden sollen. Über Nacht bleiben die Tore für alle geschlossen.

EU stellte 276 Millionen für den Neubau

Das Lager liegt rund fünf Kilometer vom einstigen provisorischen Lager nahe des Ortes Vathy entfernt und ist eines von fünf geplanten derartigen Camps auf den ägäischen Inseln Leros, Lesbos, Kos, Chios und Samos. Die EU hat für die Anlage 276 Millionen Euro bereitgestellt. Das Lager auf Samos soll als Pilotprojekt für die Flüchtlingslager auf den anderen Inseln dienen.

Menschenrechtsgruppen kritisieren die neuen geschlossenen Flüchtlingslager. Die Beschränkungen für die Migranten seien zu hoch. "Wir können unseren Patienten nur noch helfen, dieses Camp zu überleben", teilte die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) im Vorfeld mit.

Ein Wachmann vor Containern im neu eingerichteten Flüchtlingslager auf der Insel Samos. | dpa

Ein Wachmann vor Containern im neu eingerichteten Flüchtlingslager auf der Insel Samos. Bild: dpa

Menschenrechtler kritisieren Hochsicherheitslager

Millionen Euro seien für den Bau der Anlage ausgegeben worden, "um Menschen festzuhalten, deren einziges 'Verbrechen' ist, dass sie Hilfe und Stabilität suchen", hieß es in einer Mitteilung von MSF. Es sei keine Frage, dass das neue Zentrum die Migranten nur zusätzlich entmenschlichen und marginalisieren werde.

Zahlreiche weitere Nichtregierungsorganisationen und Vertreter der Zivilgesellschaft hatten die EU und Griechenland im Vorfeld der Eröffnung aufgefordert, die Pläne zur Einschränkung der Bewegungsfreiheit der Flüchtlinge fallenzulassen. Auch das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR zeigte sich besorgt.

Griechenland bekämpft Zustrom von Flüchtlingen

Die griechische Regierung verweist dagegen auf eine bessere Ausstattung der Camps etwa mit fließendem Wasser, Toiletten, separaten Bereichen für Familien und höherer Sicherheit. "Die Regierung begegnet dem Thema Migration so, wie wir es den Bürgern versprochen haben", sagte Migrationsminister Notis Mitarakis.

Noch vor zwei Jahren seien auf Samos 10.500 Migranten angekommen, in diesem Jahr seien es bisher nur 111 gewesen, so Mitarakis. "Das alte Lager beherbergte im vergangenen Jahr noch 7500 Menschen, nun sind es noch 400, die in das neue Lager umziehen werden."

Griechenland hatte die Zahlen ankommender Migranten insbesondere mit schärfen Kontrollen der Seegrenzen und Umsiedlung der Menschen aufs Festland erreicht. Auch illegale Zurückweisungen, sogenannte "Pushbacks", werden dem Land vorgeworfen, aber von Athen bestritten.

Mit Informationen von Verena Schälter, ARD-Studio Athen

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 18. September 2021 um 18:00 Uhr.