Ein zerstörtes Haus in Charkiw | REUTERS

Krieg in der Ukraine Russische Truppen dringen in Charkiw ein

Stand: 27.02.2022 10:26 Uhr

Auch in der Nacht hat es in allen Landesteilen der Ukraine schwere Kämpfe gegeben: In Charkiw, der zweitgrößten Stadt des Landes, drangen am Morgen russische Truppen ein. Nahe Kiew wurde ein Öldepot von einer Rakete getroffen.

Die russische Armee setzt ihre Angriffe auf die Ukraine fort und ist am Morgen in Charkiw eingerückt. Es komme zu Straßenkämpfen zwischen ukrainischen Kräften und russischen Soldaten, erklärte der Leiter der Regionalverwaltung, Oleh Sinehubow. Er rief die Zivilisten auf, ihre Wohnungen und Häuser nicht zu verlassen.

Charkiw liegt im Osten der Ukraine unweit der russischen Grenze, hat rund 1,4 Millionen Einwohner und ist die zweitgrößte Stadt des Landes.

Die Kämpfe in Charkiw begannen am Morgen und betrafen mehrere Orte im Stadtgebiet. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete von heftigen Gefechten. Seit dem Vormittag seien Maschinengewehrfeuer und Explosionen zu hören. Er habe zudem mehrere verlassene russische Panzerfahrzeuge und ein ausgebranntes Wrack gesehen, berichtete er.

Gasleitung in Flammen aufgegangen

In der Nähe von Charkiw war in der Nacht laut Darstellung der ukrainischen Agentur Unian eine Gasleitung in Flammen aufgegangen. Sie soll von russischen Truppen gesprengt worden sein. Unklar war, ob es sich bei der Leitung um eine regionale Erdgasleitung oder um einen Teil der aus Russland nach Europa führenden Leitungen handelt.

Auch in anderen Landesteilen gab es in der Nacht heftige Kämpfe. Gewaltige Explosionen erhellten den Nachthimmel über Kiew. In der Hauptstadt verschanzten sich Bewohnerinnen und Bewohner eine weitere Nacht in Wohnungen, Kellern, Tiefgaragen und U-Bahn-Stationen, während über ihnen Geschosse einschlugen.

Noch bis Montagmorgen gilt eine Ausgangssperre in der Hauptstadt. Jeder, der auf den Straßen angetroffen werde, werde als Angehöriger des Feindes betrachtet, warnte Bürgermeister Vitali Klitschko.

Ein brennendes Treibstoffdepot in Wassylkiw, südlich von Kiew | EPA

Ein Treibstoffdepot in Wassylkiw, südlich von Kiew, ging in Flammen auf. Bild: EPA

Öldepot von Rakete getroffen

In der Stadt Wassylkiw, rund 40 Kilometer südlich von Kiew, wurde in der Nacht ein Öldepot von einer Rakete getroffen. Im Internet zirkulierten Videos von einem gewaltigen Brand, der das brennende Öldepot zeigen soll. Unabhängig konnte zunächst nicht bestätigt werden, ob es sich dabei tatsächlich um die Anlage in Wassylkiw handelt. Die Behörden warnen die Bewohner vor giftigen Dämpfen.

Am frühen Morgen lieferten sich russische und ukrainische Einheiten erbitterte Gefechte um den Flughafen Vasilkovo in einem Vorort von Kiew. Nach Medienberichten versuchten die russischen Einheiten weiterhin, einen der größeren Flughäfen rund um Kiew unter ihre Kontrolle zu bringen. Diese Angaben ließen sich von unabhängiger Seite nicht überprüfen.

Rauch steigt über Kiew auf. | REUTERS

Rauch steigt über Kiew auf. Bild: REUTERS

Schwere Angriffe aus allen Richtungen

Die ukrainische Armee meldete schwere Angriffe der russischen Armee "aus allen Richtungen" - sowie "entschlossenen Widerstand", wie es in einer Mitteilung hieß. Die russischen Streitkräfte meldeten laut Nachrichtenagentur RIA die "vollständige Blockade" der südukrainischen Städte Cherson und Berdjansk. Zudem hätten russische Truppen demnach die Stadt Henitschesk und einen Flughafen in der Nähe von Cherson eingenommen.

Der ukrainische Verteidigungsminister Olexij Resnikow sprach seinen Soldaten nach den tagelangen schweren Kämpfen Mut zu. In einem Beitrag auf Facebook sprach er von "drei Tagen, die unser Land und die Welt für immer verändert haben". Dabei sei es den Russen nicht gelungen, wie geplant Kiew zu erobern. "Stattdessen sehe ich eine heldenhafte Armee, eine siegreiche Wache, furchtlose Grenzwächter, engagierte Retter, zuverlässige Polizisten, unermüdliche medizinische Engel."

Die Karte zeigt die Ukraine mit dem Separatistengebiet in Luhansk und Donezk sowie Teile Russlands und Belarus'.

Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin in einer Sonderausgabe am 27. Februar 2022 um 07:09 Uhr.