Christine Lambrecht mit Kay-Achim Schönbach | EPA

Konflikt mit Russland Deutscher Marinechef sorgt für Wirbel

Stand: 22.01.2022 18:21 Uhr

Die NATO und die Bundesregierung fürchten wegen des russischen Truppenaufmarschs einen Krieg mitten in Europa. Inmitten des Konflikts verursacht der deutsche Marinechef Schönbach mit Aussagen zu Russland heftigen Ärger.

Von Kai Küstner, ARD-Hauptstadtstudio

"Da gibt es nichts zu deuteln, das war ein klarer Fehler." Mit dieser Twitter-Botschaft versuchte der deutsche Marinechef, den Schaden noch in Grenzen zu halten. Doch da war es schon zu spät.

Kai Küstner ARD-Hauptstadtstudio

Und die Aussagen von Kay-Achim Schönbach, die der Linie der Bundesregierung zum Teil krass zuwiderlaufen, hatten in den sozialen Medien schon für Furore gesorgt: "Hat Russland wirklich Interesse an einem kleinen Stück ukrainischen Bodens?", fragte der Vizeadmiral und gab sich selbst die Antwort: "Nein, das ist Nonsens."

NATO und Bundesregierung hingehen halten die Kriegsgefahr in Europa für sehr real. Russlands Präsident Wladimir Putin habe also, spekuliert hingegen Schönbach, kein Interesse an einem Angriff, sondern wolle nur eins wirklich: "Respekt". Es sei einfach, Putin diesen Respekt zu erweisen, den er einfordert, und "wahrscheinlich auch verdient", sagte der Marinechef bei einem Auftritt in Indien. Er wünsche sich Russland als Partner an der deutschen Seite gegen China, schon weil er als "radikaler römisch-katholischer Christ" ein christliches Land als Partner bevorzuge, so Schönbach.  

Schönbach zum Rapport

Das Problem an diesen Aussagen: Sie unterminieren völlig die Versuche der Bundesregierung, eine ebenso eindeutige wie einheitliche Linie gegenüber Moskau zu finden. Zumal der hochrangige Militär noch einen draufsetzte: "Die Krim-Halbinsel ist weg. Sie wird nie zurückkommen." Da half es Admiral Schönbach auch nichts, dass er seine Skandal-Sätze im weit entfernten Neu Delhi in der Talkrunde eines Thinktanks sagte: Anschließend bat ihn der ranghöchste Soldat in Deutschland, der Generalinspekteur zum Gespräch, wie dem ARD-Hauptstadtstudio bestätigt wurde.    

Der Vorgang fällt in eine Zeit, in der um den richtigen Härtegrad im Umgang mit Russland auch innerhalb der deutschen Politik weiter gestritten wird. "Ständig neue Drohungen und immer härtere Sanktionen", könnten allein nicht die Lösung sein, warnte CSU-Chef Markus Söder und sprach sich im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" für eine Inbetriebnahme der umstrittenen Gaspipeline Nord Stream 2 aus. Gerade aus der Union hatte es zuletzt Kritik am Kurs der Sozialdemokraten gegeben, der aus Sicht der CDU zu zweideutig ist.

"Da droht ein Krieg mitten in Europa. Und es geht jetzt darum, alle Kanäle zu nutzen, diesen Krieg abzuwenden", erklärte jetzt SPD-Parteichef Lars Klingbeil. Und bekräftigte, konkret gefragt, ob ein Stopp der Pipeline als Sanktionsinstrument in Frage komme: Kanzler Olaf Scholz habe ja gesagt, dass alle Optionen auf dem Tisch lägen. "Und wenn alle Optionen auf dem Tisch liegen, dann liegen wenige bis gar keine daneben. Ich glaube, diese Aussage ist an Klarheit nicht zu überbieten."

Keine Waffenlieferungen aus Deutschland

Fast scheint es, als würde der bayerische Ministerpräsident in diesen Tagen eine verständnisvollere Haltung im Umgang mit Putin bevorzugen als die SPD: Die Ukraine sieht Söder längerfristig nicht in der NATO. Russland bezeichnete er als "Großmacht" und als "kein Feind Europas".

Auf einer Linie liegen Söder und die Bundesregierung in ihrer Ablehnung von Waffenlieferungen an die Ukraine: Die seien angesichts der zugespitzten Lage "aktuell nicht hilfreich", erklärte Verteidigungsministerin Christine Lambrecht in der "Welt am Sonntag". Die SPD-Politikerin sagte Kiew für Februar aber die Lieferung eines kompletten Feldlazaretts zu.

Mehrere NATO-Staaten, darunter auch Großbritannien, liefern der Ukraine Waffen. Unions-Fraktionsvize Johann Wadephul kritisierte, die Haltung der Bundesregierung zu Waffenlieferungen an die Ukraine zur Selbstverteidigung werde "immer abstruser und verwirrender".

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. Januar 2022 um 18:26 Uhr in der Sendung "Informationen am Abend".