US-Soldaten besteigen im Stützpunkt Fort Bragg (US-Bundesstaat North Carolina) ein Flugzeug, um nach Europa verlegt zu werden. | AFP

Rumänien und die Ukraine-Krise Mehr Soldaten - mehr Sicherheit?

Stand: 05.02.2022 03:57 Uhr

Die Krise im Nachbarstaat Ukraine macht viele Rumänen nervös: Sie befürchten, dass eine Eskalation in ihr Land überschwappt. Trägt die geplante Truppenentsendung der USA zum Sicherheitsempfinden bei?

Von Clemens Verenkotte, ARD-Studio Wien

Die angespannte Lage im Nachbarland Ukraine - wenn der 39-jährige Rumäne Cosmin darüber nachdenkt, macht ihm das Angst; "Angst davor, was passieren wird", wie er sagt. Aber etwas beruhigt ihn zugleich: "Solange ich weiß, dass wir die Unterstützung der Alliierten haben, sehe ich da kein Problem für uns."

Clemens Verenkotte ARD-Studio Wien

Dass ihr Land seit 2004 der NATO angehört, rückt für viele Rumänen in diesen Tagen und Wochen wieder deutlicher in den Vordergrund. Die massive Truppenkonzentration russischer Einheiten entlang der Nord- und Ostgrenze der Ukraine verfolge sie mit großer Sorge, erzählt die 53-jährige Andreea. Auch sie hat "große Angst, dass sich das auf Rumänien auswirken wird" und "schwerwiegende Folgen" für ihr Land haben könnte. Sie fühle sich durch die Ankündigung der USA, 1000 amerikanische Soldaten nach Rumänien zu verlegen, "in Sicherheit": Das helfe ihr, sich von der, "Aggressivität der russischen Politik sicher zu fühlen".

Die russische Marine im Blick

Rumänien hat mit der Ukraine eine gemeinsame rund 650 Kilometer lange Grenze - und Russlands Marine ist seit der Annexion der Krim Rumäniens unmittelbarer maritimer Nachbar auf dem Schwarzen Meer.

Wenn die Ukraine Hilfe brauche, dann sollte die Regierung ihr helfen, sagt eine ältere Frau, die mit ihrer Enkelin an der Hand in Bukarests Innenstadt unterwegs ist. Aber, schränkt sie ein, "ohne dass wir dorthin gehen", denn Rumänien habe in der Ukraine "überhaupt nichts zu suchen". Außerdem sei Rumänien ja in der NATO und die werde die notwendigen Maßnahmen wohl ergreifen. Und die zusätzlichen Soldaten? Die sollten kommen - "wir haben Platz für sie da", fügt sie lachend hinzu.

Die russische Fregatte "Admiral Essen" beim Auslaufen zu einem Einsatz auf dem Schwarzen Meer | AP

Russische Kriegsschiffe wie die Fregatte Admiral Essen" sind durch die Annektion der Krim durch Russland noch näher an Rumänien herangerückt. Bild: AP

Eine deutliche Aufstockung

Bislang ist die NATO mit rund 4000 Mann aus verschiedenen Mitgliedsländern in Rumänien dauerhaft vertreten. Die Amerikaner haben 900 Soldaten im Land. Rumäniens Staatspräsident Klaus Johannis besuchte in dieser Woche den Luftwaffen-Stützpunkt Câmpia Turzii in Siebenbürgen, den die US Air Force für insgesamt 150 Millionen Dollar weiter ausbaut.

Johannis sprach von einer "äußerst angespannten Zeit": Es gebe offensichtlich Tendenzen, "zur Politik der Gewalt zurückzukehren und die derzeitige liberale internationale Ordnung sowie die nach dem Kalten Krieg aufgebaute europäische Sicherheitsarchitektur in Frage zu stellen". Unter diesen Umständen müsse Rumänien sehr gut darauf vorbereitet sein, "den aggressiven Handlungen entgegenzuwirken".

Wachsendes Vertrauen in die NATO

Der 39-jährige Lucian hält sein Land nur für eine "kleine Schachfigur an der Grenze zwischen Russland und der NATO". Dass jetzt Verbündete Einheiten zur Unterstützung Rumäniens schicken wollen, findet er "normal und selbstverständlich. Solange die Russen 100.000 Leute an der Grenze zur Ukraine mobilisieren, muss ja auch die NATO beginnen, amerikanische, spanische, französische Soldaten an den NATO-Grenzen zu mobilisieren."

Nach einer Ende Januar veröffentlichten Erhebung des rumänischen Meinungsforschungsinstituts INSCOP Research sind 70 Prozent der befragten Rumänen der Auffassung, dass die NATO ihr Land verteidigen werde, wenn die Gefahr eines Krieges in der Ukraine steige.

Auf die Frage, welcher Organisation sie das größte Vertrauen entgegenbringen, nannten 60 Prozent an erster Stelle die NATO. Im September letzten Jahres, also vor der russischen Truppenkonzentration um die Ukraine, waren es nur 47 Prozent.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Februar 2022 um 05:25 Uhr und 09:10 Uhr.