Polizei-Absperrband | dpa

Festnahmen und Durchsuchungen Großrazzien bei Mafia in Deutschland und Italien

Stand: 05.05.2021 14:25 Uhr

Der deutschen und der italienischen Polizei ist ein bedeutender Schlag gegen die kalabrische Mafia gelungen: Ermittler durchsuchten mehrere Räume von Süditalien bis Norddeutschland und vollstreckten dutzende Haftbefehle.

Rund 800 Ermittler waren bei der "Operation Platinum" im Einsatz - mit Erfolg: Bei Großrazzien im Kampf gegen die Mafia haben Ermittler in Deutschland und Italien mehr als 80 Objekte durchsucht und mehrere Verdächtige festgenommen. Man gehe davon aus, dass die Gruppe Beziehungen zur kalabresischen 'Ndrangheta habe, teilten die Staatsanwaltschaft Konstanz und das Polizeipräsidium Ravensburg mit. Den Verdächtigen wird unter anderem Kokain-Handel mit mehreren Hundert Kilo vorgeworfen.

In Deutschland lag der Schwerpunkt der Razzien in der Bodenseeregion. Wie italienische Anti-Mafia-Ermittler mitteilten, gab es auch Razzien in Rumänien und Spanien. Insgesamt wurden den Angaben zufolge 31 Personen festgenommen.

Räume in 46 deutschen Orten durchsucht

In Deutschland wurden Wohn- und Geschäftsräume in 46 Orten durchsucht, in Italien in 41 Orten. Der Schwerpunkt der Razzien mit hunderten Beamten lag demnach in den Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen sowie Hessen und in Italien in den Regionen Piemont, Kalabrien und auf Sardinien.

Die Ermittler beschlagnahmten nach eigenen Angaben zahlreiche Beweismittel wie Datenträger, Mobilfunkgeräte, Geschäftsunterlagen, Drogen, Bargeld und Wertgegenstände sowie Vermögenswerte in einer Größenordnung von mindestens sechs Millionen Euro.

Vorwurf: Kokainschmuggel und Umsatzsteuerhinterziehung

Die Verdächtigen sollen neben dem Kokainhandel in Deutschland Umsatzsteuerhinterziehung in großem Stil betrieben haben. Dazu wurden nach Angaben der Ermittler Lebensmittel aus Italien eingeführt und an italienische Restaurants und Lebensmittelhändler in ganz Deutschland geliefert. Umsatzsteuern wurden nicht entrichtet und die illegalen Gewinne offenbar nach Italien transferiert.

Die Gruppe hat ihren räumlichen Schwerpunkt nach Angaben der deutschen Ermittler in der norditalienischen Region Piemont und im süditalienischen Kalabrien. Ein Verdächtiger, der dem Kernbereich der Gruppe zugerechnet wird, war demnach im Bodenseeraum tätig und wird verdächtigt, von hier aus an Drogenhandel und Steuerhinterziehung beteiligt gewesen zu sein. Er wurde den Angaben zufolge in Italien festgenommen.

'Ndrangheta: Italiens mächtigste Mafia-Organisation

Die 'Ndrangheta gilt als Italiens mächtigste Mafia-Organisation. Beheimatet ist sie in der Region Kalabrien, der Spitze des italienischen "Stiefels". Sie dominiert den internationalen Drogenhandel, verdient ihr Geld aber auch mit Waffengeschäften, Geldwäsche, im Bausektor und in anderen Wirtschaftszweigen.

Die italienischen Behörden schätzen, dass die 'Ndrangheta weltweit rund 20.000 Mitglieder hat. Über ihre genauen Strukturen und ihr Vermögen ist aber nur wenig bekannt. Der kalabrische Staatsanwalt Nicola Gratteri, der wegen seiner Ermittlungen gegen die 'Ndrangheta seit mehr als 30 Jahren unter Polizeischutz steht, schätzt ihren Jahresumsatz auf mehr als 50 Milliarden Euro - ein Großteil davon stammt demnach aus dem Kokainhandel.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell Radio am 05. Mai 2021 um 13:47 Uhr.