Charles | AP
Porträt

König Charles III. Der Thronfolger ist zum König geworden

Stand: 09.09.2022 04:04 Uhr

In seinem Alter sind andere längst in Rente, doch für Charles beginnt mit 73 Jahren die Aufgabe, auf die er sich sein gesamtes Leben lang vorbereitet hat: Er ist nun König. Viele Briten fragen sich, wie er seine neue Rolle interpretieren wird.

Von Gabi Biesinger, ARD-Studio London

Im Alter von 73 Jahren ist aus Thronfolger Prinz Charles von einem Augenblick auf den anderen König Charles III. geworden. BBC-Königshaus-Experte Nicholas Witchell beschreibt, was in Charles gerade vorgehen dürfte - denn schließlich musste seine Mutter, Königin Elizabeth II., erst sterben, damit er ans Ziel seines Lebens kommen konnte: "Widerstreitende Gefühle. Da ist die große Trauer, die er in seiner Mitteilung zum Tod seiner Mutter natürlich erwähnt, aber auch der Moment, in dem er die Aufgabe übernimmt, auf die er sein Leben lang vorbereitet wurde." Er sei der Thronfolger, der am längsten in der britischen Geschichte gewartet hat, und der älteste König, der auf den Thron komme.

Gabi Biesinger ARD-Studio London

Charles galt vielen lange als Sonderling, der mit Blumen spricht, eigentlich vielleicht lieber Schauspieler geworden wäre und darum zum "Nationalen Tag des Gedichts" auch gerne voller Wonne seine Lieblingsverse des walisischen Dichters Dylan Thomas rezitierte.

Camilla habe Charles Stabilität gegeben

Als Charles 1981 die blutjunge Lady Diana heiratete, wurde das weltweit als Märchenhochzeit gefeiert. Doch die Ehe zerbrach, dramatisch, auch deshalb, weil Charles nicht von seiner alten Flamme Camilla lassen konnte.

Acht Jahre nach dem tragischen Unfalltod seiner Ex-Frau Diana heiratete Charles Camilla, die nun auch den Titel "Queen Consort" trägt, was die Königin im Februar zu ihrem 70. Thronjubiläum selbst noch verfügt hatte.

Camilla habe Charles Stabilität gegeben, hat Joe Little vom Majesty Magazine beobachtet: "Sie hat ihn zweifellos glücklich gemacht. Ich glaube er hätte das, was er erreicht hat, nicht ohne sie geschafft."

Seine Bioprodukte stehen im Supermarkt

Charles großes Engagement gilt den Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Seine Bioprodukte stehen in den Regalen großer Supermarktketten. Am Rande des Weltklimagipfels COP26 in Glasgow im vergangenen Jahr äußerte er seine Sorge, dass die Menschheit nicht begriffen habe, wie sehr sie von der Natur abhänge und sie deshalb immer weiter ausbeute.

Für mehr als 400 Organisationen hat der Thronfolger Spenden gesammelt, seine Stiftungen für Jugendliche haben bisher Hunderttausende junge Menschen auf einen stabilen Lebensweg gebracht.

Fehlendes Fingerspitzengefühl

Aber er ließ auch Fingerspitzengefühl vermissen, indem er beispielsweise für den "Princes Trust" Bargeldspenden annahm, was nicht unrechtmäßig aber zumindest dubios schien und ihm den Vorwurf einbrachte, er zeige mangelndes Urteilsvermögen. Zuvor hatte es schon Korruptionsvorwürfe gegen seine "Prince's Foundation" gegeben. Deren damaliger Chef, der mittlerweile zurückgetreten ist, soll einem saudischen Geschäftsmann im Gegenzug für Spenden Unterstützung bei dessen Wunsch nach einem Ritterschlag und der britischen Staatsbürgerschaft zugesagt haben. Das Königshaus betonte stets, Charles habe davon nichts gewusst.

Wie wird Charles seine Rolle interpretieren?

Viele Briten fragen sich nun, wie Charles seine Rolle als König interpretieren wird. Was die Beliebtheitswerte angeht, so liegt der 73-Jährige deutlich hinter seinem 40-jährigen Sohn William. Das könnte auch damit zu tun haben, dass Charles die den Royals gebotene Zurückhaltung gerne mal ignorierte und sich kritisch äußerte - sei es über Architektur und Stadtentwicklung oder andere politische Fragen.

Berüchtigt waren in Westminster seine "Black Spider Memos" - Briefe in denen der Thronfolger in krakelig ausladender Handschrift regelmäßig Beschwerden an Politiker richtete. Doch das sei lange her und er sei sicher nicht so dumm, sich als König politisch einzumischen, erklärte Charles vor einigen Jahren in einem Interview.

Trauerreise durch das Vereinte Königreich

Der neue König wird in der kommenden Woche auf eine Trauerreise durch das Vereinigte Königreich aufbrechen, erst nach Schottland, in den Tagen danach nach Nordirland und dann nach Wales. Er weiß, dass es eine Herausforderung für alle sein wird, wenn er in die Fußstapfen der Frau tritt, die das Amt so lange Zeit, so erfolgreich ausgeübt hat, meint BBC-Königshausbeobachter Witchell.